Landwirte halten zusammen

Basdorfer Kälbchen Linda sorgt für Trubel: schwierige Geburt mit glücklichem Ausgang

Bio-Landwirt Heinfried Emden (rechts) betreut mit Tochter Friederike das Kalb Linda.
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Aufzucht in Ober-Werbe: Bio-Landwirt Heinfried Emden (rechts) betreut mit Tochter Friederike das Kalb Linda, bis es im Sommer zurück auf die Weide nach Basdorf gebracht werden kann.

Ein turbulenter Start ins Leben – nach einer schwierigen Geburt mit Kaiserschnitt wurde Kalb Linda von der Mutterkuh nicht angenommen, trinken konnte sie auch nicht richtig. Dank des Einsatzes vieler Helfer geht es dem Jungtier nun aber gut.

Vöhl-Basdorf – Am Abend des 16. Januar war Mutterkuh Luna hochschwanger. „Wir hatten erwartet, dass das Kalb über Nacht geboren wird“, sagte Silke Rößner-Kunz, die zusammen mit ihrem Mann Christian eine Herde Galloways in Basdorf züchtet.

Doch am nächsten Morgen war noch kein Kälbchen geboren, die Sorge um Mutterkuh und Jungtier wurde bei der Familie größer. Deshalb riefen sie umgehend die Tierärztin, die sich sofort für einen Kaiserschnitt entschied.

Mit einigen Helfern musste die hochschwangere Luna vom Rest der Herde getrennt werden. „Das war nicht einfach, denn wir halten diese robusten Tiere über das ganze Jahr auf der Weide. Sie sind es nicht gewohnt, angebunden zu werden“, erklärte die Hobby-Landwirtin.

Die Galloway-Herde: Mutterkuh Luna (rotes Fell) geht es mittlerweile wieder gut.

Die Lösung war ein Treibewagen, in dem die trächtige Kuh operiert wurde. Für die schwierige Geburt waren zwei Ärztinnen knapp sechs Stunden im Einsatz. Doch das war es wert, das Kälbchen wurde lebendig geboren und auch die Mutterkuh überstand die Operation.

Die Freude war groß, hielt jedoch nur bis zum nächsten Morgen. Die neugeborene Linda wurde von ihrer Mutter nämlich nicht akzeptiert. „Vermutlich, weil es keine natürliche Geburt war“, so Silke Rößner-Kunz. Die sogenannte Biestmilch bekam das Kälbchen nicht.

Doch diese ist wichtig, denn die Flüssigkeit ist unter anderem reich an Eiweiß, Enzymen, Vitaminen und Mineralien und somit sehr wertvoll. Für Linda musste also unbedingt eine Alternative gefunden werden.

Glücklicherweise wurde zur gleichen Zeit auch auf dem Hof der Familie Schöneweis in Buchenberg ein Kälbchen geboren. Ein Teil der kostbaren Milch wurde nach Basdorf gebracht. „Für uns war es selbstverständlich zu helfen, auch der Tierliebe wegen“, betonte Mareike Schöneweis.

Tierische Hilfe: Auch Hund Conner kümmerte sich.

Damit war dem jungen Tier zunächst geholfen, doch Linda hatte Schwierigkeiten zu trinken. Philipp Höhle, der bereits Erfahrung mit solchen Fällen gesammelt hat, stellte sich der Herausforderung. Der Basdorfer Landwirt half dabei, dass das Kälbchen einen Saugreflex entwickelte.

Nach und nach wurde das Sorgenkind in der Scheune aufgepäppelt, doch Höhle erklärte: „Die Tiere dürfen nicht zu zahm sein, ansonsten kann es gefährlich werden, wenn sie ausgewachsen sind.“

Es musste also eine andere Lösung her, denn auf die Weide konnte die junge Kuh noch nicht gebracht werden. Ein vorübergehendes Zuhause fand Linda deshalb in Ober-Werbe auf dem Bio-Bauernhof von Landwirt Heinfried Emden. Das Kälbchen wird seitdem dort zusammen mit weiteren Jungtieren von Ammenkühen aufgezogen. Das sind sozusagen Ersatz-Mütter.

„Es bot sich an, dass das Kälbchen zu uns gekommen ist. Hier kann es artgerecht aufwachsen“, sagte Emden. Linda wird dort gepflegt, wächst in der Herde auf und kann dann ab dem Sommer gemeinsam mit den anderen Galloways auf der Weide grasen.

Auch Mutterkuh Luna hat die Strapazen der Geburt überstanden, ihr geht es wieder gut.

Im Team gemeistert: Mareike Schöneweis (von links) und Philipp Höhle mit seinen Töchtern Lia und Tessa unterstützten Christian Kunz, Silke Rößner-Kunz, Lara Kunz und Jakob Kunz nach der schwierigen Geburt von Kälbchen Linda.

„Das hätten wir alleine nicht geschafft“, betonte Silke Rößner-Kunz, „bei allen Helfern möchten wir uns ganz herzlich bedanken.“ Für Höhle war die Unterstützung eine Selbstverständlichkeit: „Landwirte helfen untereinander.“ Das sieht auch Heinfried Emden so: „Wir haben unsere Freunde gerne unterstützt.“

Das Galloway-Rind: Schottische Rasse in Basdorf zu Hause

Die Galloway-Kühe stammen aus dem Südwesten Schottlands. Die gleichnamige Region gab den Tieren ihren Namen.

Die Rasse ist sehr robust und daher für eine ganzjährige Freilandhaltung geeignet. Ein wesentliches Merkmal ist das doppelschichtige Fell mit langem, lockigen Deckhaar und feinerem, dichten Unterhaar. Deshalb können diese Tiere einen kalten Winter ohne Probleme überstehen.

Ein Zuhause haben die Galloways auch in Basdorf gefunden. Eine Herde lebt seit einigen Jahren auf der Weide von Familie Kunz. (sk)

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