HNA-Serie „Faszination Oldtimer“

Michael Grings und seine kleinen „Honda Monkeys“

Klein, aber oho: Michael Grings aus Laisa mit seinen „Honda Monkeys“. Er schätzt die Zuverlässigkeit dieser „Bonsai-Bikes“ aus Japan. Bei der Parkplatzsuche gibt es keine Probleme. Sie seien auch sehr beliebt bei Campern, Bootsbesitzern und Wohnmobilnutzern, schildert der 62-Jährige. Im Bild hinten ein Sondermodell.
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Klein, aber oho: Michael Grings aus Laisa mit seinen „Honda Monkeys“. Er schätzt die Zuverlässigkeit dieser „Bonsai-Bikes“ aus Japan. Bei der Parkplatzsuche gibt es keine Probleme. Sie seien auch sehr beliebt bei Campern, Bootsbesitzern und Wohnmobilnutzern, schildert der 62-Jährige. Im Bild hinten ein Sondermodell.

Das Thema Mobilität begeistert viele Menschen. Aber dazu zählen nicht nur moderne Fahrzeuge. Eine große Faszination üben Oldtimer aus. In unserer Serie „Faszination Oldtimer“ stellen wir Besitzer mit ihren Fahrzeugen vor.

Laisa – Für diesen Zwerg gibt es keine Ecke, wo er nicht noch einen Platz findet. Mit ein wenig Muskelschmalz unter den Arm geklemmt, lässt er sich unter Umständen mit in die Wohnung nehmen. Dieser 55 Kilo leichte Zwerg ist aber kein Spielzeug für Kinder, sondern für Erwachsene: Ein motorisiertes Zweirad, gerade mal 128 Zentimeter lang und 62 Zentimeter hoch vom Boden bis zum Tankdeckel. Die japanische „Honda Monkey“ zaubert dem Betrachter ein breites Lächeln ins Gesicht. „Monkey“ heißt auf Deutsch „Affe“. Warum, dazu später mehr.

Die Erfahrung freudiger Anteilnahme macht seit vielen Jahren auch Michael Grings aus Laisa, wenn er mit solch einem Gefährt durch die nähere Umgebung saust. Den 62-Jährigen fasziniert dieses „Bonsai-Bike“ mit einem 50-Kubikzentimeter-Motörchen und 1,7 PS derart, dass er insgesamt drei Maschinen dieses Typs besitzt. „Sie sind kompakt und sehr zuverlässig“, beschreibt der Wassermeister der Stadt Battenberg die „Monkey“-Technik. Aufgrund der Größe seiner „Kleinen“ habe er bei der Parkplatzsuche keine Probleme. „Auch lange Standzeiten machen ihnen nichts aus – selbst nach einem strengeren Winter springen sie sofort an.“ Dann geht‘s gleich wieder auf den Asphalt. Höchstgeschwindigkeit: 50 km/h.

Die „Honda Monkey“ wurde in Japan ab 1961 gefertigt. Dieses Mini-Bike kam aber erst 1967 nach Europa. Quasi zum 50. Geburtstag nach diesem Verkaufsstart wurde im Jahr 2017 ein Sondermodell aufgelegt: etwas größer, etwas stärker, etwas schneller. Klar, dass Grings auch eine solche Maschine besetzt.

Im Mittelpunkt seiner Sammlung aber stehen die „Ur-Monkeys“. Diese Mini-Hondas haben damals nach ihrer „Geburt“ diesen Beinamen bekommen, weil die Sitzhaltung des Fahrers an den viel zitierten Affen auf dem Schleifstein erinnert. Grings hat mit 1,78 Metern Körpergröße zwar kein Problem beim Fahren – räumt aber ein: „Nach einer Stunde merkt man es an gewissen Stellen schon.“ Immerhin haben seine Maschinen keine Hinterrad-Federung.

Blau, gelb und rot sind die „Monkeys“ lackiert. Die gelbe Maschine hat er nach dem Tod seines Bruders Gerhard von ihm übernommen. Dieser hatte sie gebraucht 1976 erworben. 1978 zog Michael Grings nach und kaufte in Reddighausen sehr günstig die rote „Monkey“. Er ist voll des Lobes: „Sie war und ist mir immer ein treuer und zuverlässiger Begleiter. Sie ist das ideale Fortbewegungsmittel zum Einkaufen, zur Arbeit oder für Ausflüge ins Umland. Bei den Rennveranstaltungen der Moto-Cross-Freunde Laisa war sie im Dauereinsatz als Kurier- und Versorgungsfahrzeug.“

Auf einer dieser Cross-Rennen hat Michael Grings auch sein blaues Exemplar ergattert: „Ein Fahrer aus dem Frankfurter Raum hatte seine ,Monkey‘ dabei und ärgerte sich darüber, dass sie nicht angesprungen ist. Sie lag auf dem Boden und er hat aus Wut auf das Maschinchen eingetreten. Das hatte ich gesehen und habe ihm dann quasi aus Mitleid das Moped abgekauft. Ich musste lediglich die Zündspule erneuern, danach lief die kleine Honda wieder wie ein Uhrwerk.“ Das macht sie bis heute. Eine dankbare Maschine.

Nicht nur in und um Laisa war und ist Grings mit seiner roten „Monkey“ unterwegs. Auch in einer deutschen Weltstadt nahm sie den Asphalt unter ihre kleinen Räder. Dort zeigte sie ihre wahre Stärke und Vielseitigkeit: „1985 musste ich für ein halbes Jahr nach Hamburg zur Ausbildung als Wassermeister. Nach einer Woche war ich Parkplatzsuche, U-Bahnfahren und lange Fußmärsche leid und packte daheim eine ,Monkey‘ in den Kofferraum. In der Hansestadt waren dann die Wege zur Schule und zu Sehenswürdigkeiten ein Klacks.“

Grings ist mit seinen „Bonsai-Bikes“ aber nicht nur allein unterwegs. An der Oldtimerveranstaltung „Rund um Battenberg“ beispielsweise hat er teilgenommen: „Das Publikum war begeistert vom Viertakt-Klang und der Geschwindigkeit der kleinen Maschine. Auch bei der Aktion „750 Oldtimer für Frankenberg“ war er dabei, und die „Monkey“ habe vielen Besuchern ein Lächeln in die Gesichter gezaubert.

Die Zeit hinterließ natürlich auch Spuren an den Mopeds. Grings: „Also habe ich alle drei dann einer Totalrestauration unterzogen. Die Maschinen habe ich komplett zerlegt, gereinigt, entrostet und anschließend in der jeweils gleichen Farbgebung neu lackieren lassen. Die Motorenüberholung übernahm ein Spezialist aus Hannover. Jetzt stehen sie, trotz ihrer 50 Jahre auf dem Buckel, wieder glänzend da und warten auf die nächsten 50 Jahre Fahrspaß.“ Jede der Maschinen hat um die 10 000 Kilometer auf dem Tacho.

Durch die geringe Größe sei ein solches Moped auch sehr beliebt bei Campern, Bootsbesitzern und Wohnmobilnutzern, schildert er.

Vor einigen Jahren haben sich die Besitzer von 50-ccm-Hondas zum „Monkey- und-Dax-Club Laisa“ zusammengetan („Dax“ ist ein weiteres kleines motorisiertes Zweirad von Honda). 17 Leute gehören zu diesem lockeren Zusammenschluss. Grings: „Im Sommer machen wir regelmäßig Ausfahrten in die nähere Umgebung und haben viel Spaß auf den Touren.“ Die Gruppe möchte gerne weitere Gleichgesinnte begrüßen, die auch von außerhalb stammen können.

Michael Grings freut sich auf weitere Touren – allein oder in der Gruppe. Im kommenden Jahr geht er in den Ruhestand. Was folgt, ist schon jetzt klar: Dann geht‘s mit den „Affen“ erst so richtig auf die Piste.

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