Auf den Ernstfall vorbereitet

Afrikanische Schweinepest: Erstes Suchhunde-Gespann in Waldeck-Frankenberg

Suchhund-Gespann: Daniel Panzer hat sich mit seinen Hunden Urmel und Motte ausbilden lassen. Sollte ein Fall der Afrikanischen Schweinepest in der Region auftreten, kann er zum Auffinden toter Wildschweine eingesetzt werden.
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Suchhund-Gespann: Daniel Panzer hat sich mit seinen Hunden Urmel und Motte ausbilden lassen. Sollte ein Fall der Afrikanischen Schweinepest in der Region auftreten, kann er zum Auffinden toter Wildschweine eingesetzt werden.

Auch wenn hier derzeit noch kein Fall der Afrikanischen Schweinepest aufgetreten ist, bereitet sich der Landkreis Waldeck-Frankenberg auf den Ernstfall vor. Daniel Panzer aus Battenberg ist der erste ausgebildete Kadaver-Suchhunde-Gespann-Führer. Er kann damit mit seinen Hunden für das Auffinden toter Wildschweine eingesetzt werden.

Battenberg - „Die erforderliche Prüfung habe ich bestanden, aber am besten wäre es natürlich, wenn der Ernstfall gar nicht erst eintreten würde“, sagt Daniel Panzer. Mit Ernstfall meint der 58-Jährige die Afrikanische Schweinepest (ASP, siehe Hintergrund rechts). Der Battenberger besitzt seit Kurzem die amtstierärztliche Bescheinigung, dass er mit seinen beiden speziell geschulten Hunden zum Auffinden von infizierten Wildschweinkadavern eingesetzt werden kann.

Damit bilde er mit seinen Deutschen Wachtelhunden Motte und Urmel das erste ausgebildete ASP-Kadaver-Suchhunde-Gespann im Landkreis Waldeck-Frankenberg, sagt Daniel Panzer. „Das bedeutet, dass ich im Ernstfall von Landkreisen und Behörden zum Sucheinsatz offiziell beauftragt werden kann.“

Während in Waldeck-Frankenberg bis jetzt noch kein Fall der ASP bekannt geworden ist, gebe es in Deutschland inzwischen mehr als 500 bestätigte Fälle, teilt Panzer mit. „Das Land Brandenburg zählt, neben Sachsen, derzeit zu den am stärksten betroffenen Ländern und hat bereits 320 000 Euro für die ASP-Seuchenprävention bereitgestellt.“ Er habe aus Brandenburg auch schon erste Anfragen für seine Suchhunde erhalten.

Wildschweinfell: Die Geruchsproben werden zur Ausbildung der ASP-Kadaversuchhunde benutzt.

„Das muss aber erst alles geregelt und organisiert werden“, betont Panzer und verweist auf versicherungsrechtliche Fragen, Anfahrt, Unterkunft und ähnliches.

In Deutschland gebe es bislang wohl erst rund 60 qualifizierte ASP-Gespanne, berichtet der gebürtige Battenberger. Er hoffe, dass noch mehr dazu kommen. Im Landkreis gebe es bislang noch zwei Anwärter. „Die Ausbildung meiner Hunde habe ich bei Barbara Schäfer aus Frielendorf absolviert und engagiere mich nun gemeinsam mit ihr bei der Organisation einer bundesweit vernetzten Liste von ausgebildeten ASP-Suchgespannen auf der Webseite kadaver-suchhunde.de.“ Barbara Schäfer sei die erste vom Land Hessen beauftragte Ausbilderin. Wichtig für die Qualifizierung zum ASP-Kadaver-Suchhund sei „Supergehorsam“ bei den Tieren, die Rasse sei im Prinzip egal, erläutert Daniel Panzer. Die Ausbildung seiner 9 und 11 Jahre alten Hunde habe fünf Wochen gedauert. „Such das Schwein!“, laute der einfache Befehl.

Die Tiere seien darauf trainiert, nach dem Geruch toter Wildschweine zu suchen. Zur Sicherheit tragen die Hunde Schutzwesten, die vor Dornen oder Bissen der rasiermesserscharfen Wildschweinzähne schützen. Erforderlich sei zudem ein Halsband mit GPS-Empfänger und Sender, sagt Panzer, der seit 35 Jahren Jagdhunde hält. Das Ganze sei keine „Laiennummer“, betont er. „Es ist gut, wenn man als Jäger bereits Erfahrung mit der Begegnung Hund und Wildschwein hat.“

Afrikanische Schweinepest

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine Tierseuche, die ausschließlich Haus- und Wildschweine befällt. „Für Menschen ist sie ungefährlich – für Schweine absolut tödlich“, sagt Daniel Panzer. Eine Übertragung ist über direkten Kontakt zwischen infizierten und gesunden Schweinen möglich. „Um eine ungewollte Übertragung zu vermeiden, darf kein Suchehundeführer mit seinem Pkw in ein Seuchengebiet fahren – dafür stehen spezielle Fahrzeuge bereit – und er muss sich, einschließlich des Hundes und der Kleidung, täglich einem aufwendigen Desinfektions-Verfahren unterziehen“, teilt Panzer mit.

Weil von Wildschwein-Kadavern die größte Ansteckungsgefahr ausgehe, habe der Landkreis ein Konzept für die Bergung der toten Tiere erarbeitet, hatte der Landkreis bereits vor einem Jahr mitgeteilt. Eine der wichtigsten Bekämpfungsmaßnahmen bei einem Ausbruch der Seuche sei das Aufspüren toter Tiere, des Fallwildes. „Das Fallwild ist für die Früherkennung der Seuche ganz besonders wichtig, da es im Ausbruchsfall eine gefährliche Infektionsquelle für gesunde Tiere darstellt“, informierte der Landkreis. Bislang gebe es im Landkreis Waldeck-Frankenberg keinen bestätigten Fall der Afrikanischen Schweinepest, teilte die Pressestelle jetzt auf Nachfrage mit.

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