Neun-Sitzer wurde vom Land gekauft

Einer für alle: Battenberg hat jetzt einen Bürgerbus

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Bürgerbus für Battenberg: Anja Schiers (Mitte) übergibt den Fahrzeugschlüssel an den Vorsitzenden des Nachbarschaftsnetzwerkes, Siegfried Franke. Weiter von links im Bild: Uli Wienbrandt (Fahrer), Tobias Scherf (Regionalbeauftragter der hessischen Landesregierung), Bürgermeister Christian Klein sowie die Fahrer Reinhard Heimel und Mathias Kailer. 

Battenberg. „KB - BB 8“: Dieses Kennzeichen trägt der Battenberger Bürgerbus – deshalb BB –, der an das Nachbarschaftsnetzwerk Battenberg übergeben wurde. Dessen Vorsitzender Siegfried Franke hatte sich in Wiesbaden besonders dafür eingesetzt, dass einer der ersten 20 hessischen Bürgerbusse vom Typ Opel Vivaro nach Battenberg kommt.

Franke und Anja Schiers, Betriebsleiterin des Autohauses Biebighäuser und Mitglied des Nachbarschaftsnetzwerkes, hatten den Bus am Donnerstag in Rüsselsheim von Verkehrsministers Tarek Al-Wazir und dem Chef der Staatskanzlei, Axel Wintermeyer, übernommen. Bei der Übergabe in Battenberg war auch Tobias Scherf dabei, Regionalbeauftragter der Landesregierung. Weitere Bürgerbusse haben Basdorf und Diemelstadt erhalten.

Konzept Bürgerbus

Das Konzept der Offensive „Land hat Zukunft“ sieht vor, dass das Land die Neun-Sitzer-Busse anschafft und an örtliche Organisationen oder Kommunen übergibt. Die örtlichen Träger – in Battenberg das Nachbarschaftsnetzwerk – sorgen dafür, dass ein Team von ehrenamtlichen Fahrern im ländlichen Raum bestehende Lücken im Nahverkehr schließt, ohne dabei gewerblichen Anbietern Konkurrenz zu machen. Das Angebot ist besonders für ältere und in der Mobilität eingeschränkte Menschen gedacht, die mit dem Bus zum Arzt, zum Einkaufen oder zum Sport gebracht werden.

Die Kosten

Das Land Hessen stellt 1,2 Millionen Euro pro Jahr für die Bürgerbusse bereit. Jeder Bürgerbus hat einen Wert von 36 000 Euro. Die Nutzung des Dienstes vor Ort ist ausdrücklich kostenlos. Allerdings möchte das Nachbarschaftsnetzwerk eine Spendendose aufstellen und hofft, dass die Fahrgäste pro Fahrt einen Euro einwerfen.

Wer fährt den Bus?

Das Nachbarschaftsnetzwerk verfügt laut Siegfried Franke bisher über 24 Personen, die sich bereit erklärt haben, andere Menschen zum Arzt oder zum Einkaufen zu fahren. Wer den Bürgerbus fahren möchte, benötigt nur einen Pkw-Führerschein. Empfohlen wird den Fahrern jedoch eine besondere ärztliche Untersuchung und das Absolvieren eines Verkehrs-Sicherheitstrainings. Die Kosten für beides trägt das Land.

Unter den ehrenamtlichen Fahrern sind übrigens auch der frühere Regierungspräsident Lutz Klein und der frühere Battenberger Bürgermeister Heinfried Horsel.

In welchem Umkreis?

Der Bürgerbus soll eine lokale Ergänzung des bestehenden ÖPNV-Angebotes sein, Menschen in Notlagen helfen und auch soziale Funktionen erfüllen. Weiter als bis nach Marburg (etwa 30 Kilometer) wird es nicht gehen. „Wir lassen uns auch nicht ausnutzen“, betont Siegfried Franke. „Wir machen keine Nacht- und Alkoholfahrten.“

Seinen „Hafen“ hat der Bürgerbus auf einem eigenen Stellplatz am Battenberger Autohaus Biebighäuser.

Benutzergruppen

Eine feste Nutzergruppe gibt es bereits: Ältere Menschen aus Frohnhausen werden künftig montags und donnerstags zu Hause abgeholt und zum Einkaufen oder zu Arztbesuchen nach Battenberg gefahren. Weitere Einsatzmöglichkeiten sieht Siegfried Franke zum Beispiel bei Eltern, die ihre Kinder derzeit in Kindertagesstätten eines anderen Stadtteils fahren. Sportvereine wie Schwimmer oder Fußballer könnten den Bürgerbus nutzen, um zum Training oder zu auswärtigen Wettkämpfen zu gelangen. „Viele weitere Nutzungsmöglichkeiten werden sich ergeben, wenn das Angebot bekannt geworden ist“, ist Franke überzeugt.

„Ich habe das gute Gefühl, dass wir mit dem Bürgerbus ganz viel und ganz viele Menschen bewegen können“, sagte der Battenberger Bürgermeister Christian Klein.

Wie finanziert sich das?

Der Bürgerbus wurde vom Land angeschafft. Laufende Kosten für Versicherung oder Kraftstoff sollen hauptsächlich über Werbeeinnahmen eingespielt werden. Insgesamt elf Werbeflächen auf dem Bus sind noch an Firmen zu vergeben. Auch Spenden sind möglich. Das Nachbarschaftsnetzwerk darf Spendenquittungen ausstellen.

Anfragen für Fahrten mit dem Bürgerbus nimmt Renate Drechsel im Büro des Nachbarschaftsnetzwerkes im DRK-Seniorenzentrum Battenberg entgegen, Tel 01520/9043784, E-Mail nbs-battenberg@web.de

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