Sie nennen sich "Alltagshelden"

Jugendliche in Battenberg und Allendorf wollen Senioren in Corona-Zeiten helfen

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Wollen ältere Menschen in der Corona-Krise beim Einkaufen und bei Botengängen unterstützen: (von links) Joshua Battenfeld (Jugendclub Haine), Lisa Arnold (Jugendclub Berghofen), Initiator Bastian Belz (Burschenschaft Laisa) und Stadtverordneter Matthias Vetter vor dem Battenberger Bürgerbus. 

Menschen, die zur Corona-Risikogruppe gehören, meiden derzeit die Öffentlichkeit, um sich nicht mit dem Virus zu infizieren. Damit sie aber mit Lebensmitteln, Medikamenten und anderen Dingen versorgt werden, haben sich in vielen Orten Hilfsgruppen gegründet. 

Sie nennen sich „Alltagshelden“:Junge Menschen aus Jugendclubs, politischen Nachwuchsorganisationen, Burschenschaften und religiösen Gruppen. In der schwierigen Zeit der Corona-Krise wollen sie ein Stück Menschlichkeit und Nachbarschaftshilfe im Oberen Edertal leisten.

„Wir kümmern uns um Einkäufe, Botengänge und die Medikamentenversorgung älterer Menschen, die in der Corona-Krise eine besondere Risikogruppe darstellen“, sagt Bastian Belz aus Laisa, der die bereits kreisweit angelaufene Aktion im Oberen Edertal koordiniert. „Ich habe verschiedene Jugendclubs und Burschenschaften angeschrieben“, berichtet Belz. 

Auch die Bürgermeister im Oberen Edertal und Burgwald sowie politische Jugendorganisationen wie die Junge Union und die Jungsozialisten habe er angesprochen. Bastian Belz ist bei den Jungen Liberalen aktiv und hat ein FDP-Mandat im Battenberger Stadtparlament. „Ich habe auch einige Pfarrer angerufen, zum Beispiel Stefan Peter, weil ich denke, dass Pfarrer unsere Zielgruppe am besten kennen“, so Belz.

„Es geht um Hilfe für Menschen, die durch das Virus besonders gefährdet sind: Ältere Menschen und Vorerkrankte sowie Menschen, die unter Quarantäne stehen und das Haus nicht verlassen können“, erklärt Lisa Arnold vom Jugendclub Berghofen. „Wer Hilfe braucht, kann sich bei uns melden“, fügt der Vorsitzende des Jugendclubs Haine, Joshua Battenfeld, hinzu. In Allendorf hat sich die Ahmadiyya-Gemeinde zur Mithilfe bereit erklärt.

Zählen können die jungen „Alltagshelden“ auf die Unterstützung des Battenberger Nachbarschaftsnetzwerkes. Der Vorstand um Siegfried Franke hat zugesagt, den Battenberger Bürgerbus für Einkaufsfahrten (nur Warentransport, keine Personenbeförderung) zur Verfügung zu stellen.

„Jeder der jungen Fahrer erhält von uns auch die Möglichkeit, kostenlos an einem Fahr-Sicherheitstraining teilzunehmen“, ergänzte Franke. Auch Klappkörbe für den Lebens- oder Arzneimitteltransport wurden bereits beschafft.

In Osterfeld und Bromskirchen werden laut Belz noch „Alltagshelden“ gesucht. In Rennertehausen gibt es die bereits: Die von Bastian Belz initiierte Anfrage, die regionale Gruppe „Die Alltagshelden“ zu unterstützen, ist dort auf fruchtbaren Boden gefallen. Hier wird sich ab sofort der Jugendclub um Einkäufe, Botengänge und Medikamentenversorgung für all die Menschen kümmern, die durch das Virus besonders gefährdet sind und zu den Risikogruppen gehören.

Sie koordinieren die Einkäufe, Botengänge und Medikamentenversorgung in Rennertehausen: Jessica Schumann (links) und Charleen Pilger vom Jugendclub.

Die Koordination der Hilfe im Allendorfer Ortsteil haben die Jugendclub-Vorsitzende Jessica Schumann und Mitglied Charleen Pilger übernommen. „Wir hoffen, dass uns viele Senioren vertrauen und ohne Scheu unsere Hilfe annehmen, um sich selbst vor Ansteckung zu schützen“, sagt die 25-jährige Jessica Schumann, die in normalen Zeiten Lehramtsstudentin ist. „Wir Studenten haben jetzt Zeit, aber auch vielen anderen geht das ebenso. Bis jetzt habe ich elf Namen auf meiner Liste, die mithelfen wollen.“

Die 19-jährige Charleen Pilger steckt noch im Abitur, aber für sie ist es auch wichtig, hier mit zu helfen. „Aus Gesprächen ist mir bekannt, dass viele ältere Menschen selbst gerne einkaufen, auch die möchten wir ansprechen und bitten, so lange wie es die Corona-Pandemie erfordert, doch unseren Bringdienst anzunehmen“, sagt sie.

Die beiden jungen Frauen legen für sich und ihre Gruppe auch Wert darauf, dass sie keine „Alltagshelden“ sind, sondern Alltagshelfer. „Denn hier muss man aufpassen, dass die Wertigkeit des Wortes Helden nicht verloren geht“, finden sie.

Ansprechpartner

Wer Hilfe benötigt, kann sich an die Ansprechpartner in den einzelnen Orten werden. 

Battenberg: Lukas Kluge 0152/37720736; 

Berghofen: Lisa Arnold 0152/38921464; 

Dodenau: Timo Winter 0172/1378728; 

Frohnhausen: Christoph Hallenberger 0173/5879120; 

Laisa: Bastian Belz 0162/4510612 (er beantwortet auch allgemeine Fragen zu den „Alltagshelden“).

Rennertehausen: Jessica Schumann, Tel. 01 74/18 29 911, und Charleen Pilger, Tel. 01 51/ 65 49 28 08.

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