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Vor 70 Jahren: Schwere Unfälle beim Motorrad-Rennen „Rund um Battenberg“

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Das Gespann Jünger-Heintzen vor dem Start am Sonntag, 10. August 1952: Kurz danach verunglückten Werner Jünger und Rudolf Heintzen zwischen Kröge und der Battenfelder Bahnunterführung mit tödlichem Ausgang.
Das Gespann Jünger-Heintzen vor dem Start am Sonntag, 10. August 1952: Kurz danach verunglückten Werner Jünger und Rudolf Heintzen zwischen Kröge und der Battenfelder Bahnunterführung mit tödlichem Ausgang. © MSC Battenberg

Heute vor 70 Jahren ereigneten sich in Battenberg bei einem Motorrad-Rennen schwere Unfälle. Drei Menschen starben. Der 10.  August 1952 ging als „Schwarzer Sonntag“ in die Geschichte ein.

Von Rudolf Steber

Battenberg – Der Motorsport genoss in den Jahren nach der Währungsreform 1948 eine sehr große Popularität. Allenfalls „König Fußball“ konnte da noch mithalten. An jedem Wochenende gingen Motorsportveranstaltungen über die Bühne, mitunter parallel auf unterschiedlichen Rennstrecken. Traditionskurse wie „Rund um Schotten“, „Hockenheimring“, Nürburgring“, „Sachsenring“, „Solitude“ bei Stuttgart oder die „Eilenriede“ in Hannover feierten nach dem Zweiten Weltkrieg ein glänzendes Comeback.

Im Sog dieser Begeisterung konstituierten sich neue Rennstrecken wie „Dieburger Dreieck“, „Rund um die Bavaria“ (München) oder „Quer durch Neuwied“.

Auf diesen Euphoriezug sprang am 24. September 1950 auch der neu gegründete „Motorsportclub (MSC) Battenberg“ und veranstaltete erstmals das Motorrad-Rennen „Rund um Battenberg“ mit 6000 Zuschauern. Als Initiatoren zeichneten unter anderem Dr. jur. Wolf E. Lincke (der spätere MSC-Präsident) und Karl Schneider verantwortlich. Am 5. August 1951 verfolgten bereits 20 000 Fans die zweite Auflage.

Beim dritten Rennen „Rund um Battenberg“ mit knapp 40 000 Zuschauern gingen erstmals Gespanne an den Start, und dies gleich in zwei Kategorien: 500 ccm und 750 ccm. Ausgerechnet die neu ins Programm genommenen Gespanne sorgten für den „Schwarzen Sonntag“ am 10. August 1952. Im Lauf der 500er-Seitenwagenmaschinen verunglückte das Düsseldorfer Gespann Günzel/Sudowe (Norton) im Bereich der Battenfelder Bahnunterführung schwer. Fahrer Arno Günzel verstarb in der Nacht zum Montag im Kreiskrankenhaus Frankenberg, Beifahrer Kurt Sudowe kam mit schweren Verletzungen davon.

Werner Jünger erlag im Frankenberger Krankenhaus seinen Verletzungen.
Werner Jünger erlag im Frankenberger Krankenhaus seinen Verletzungen. © MSC Battenberg

Einen noch tragischeren Verlauf nahm an jenem Sonntag das Rennen der 750ccm-Gespanne. Das Duo Jünger/Heintzen, ebenfalls aus Düsseldorf, das nach Nennungsschluss in Battenberg eintraf und erst auf Vermittlung der MSC-Mitglieder Alfred Noll und K.H. Szarny die Startberechtigung erhielt, galt nach dem Pflichttraining als Favorit. Ob ihrer roten Rennpullover hießen sie die „Roten Teufel“ und wurden den Vorschusslorbeeren in beeindruckender Weise gerecht. Bereits das „Grugapark-Rennen“ in Essen und das „Maschsee-Rennen“ in Hannover hatten die Beiden wenige Wochen vorher für sich entscheiden können.

In der fünften Runde – einen Umlauf zuvor hatten die Düsseldorfer mit 4.41,3 Min. = 91,50 km/h einen neuen Gespann-Rundenrekord aufgestellt – setzten sie zur Überrundung des Gespanns Detering/Abbau in der „Eder-Gerade“ zwischen dem Weiler Kröge und der Battenfelder Bahnunterführung an, mussten aber durch das Fahrverhalten der zur Überrundung Anstehenden abrupt abbremsen, um eine Kollision zu vermeiden. Bedingt durch diesen Umstand hob das Gespann ab und touchierte die in diesem Bereich dicht an dicht stehenden und sitzenden Zuschauer.

Der Allendorfer Architekt Hermann Winter, der mit seiner Familie ebenfalls unter den Rennbesuchern weilte, wurde auf der Stelle getötet.

Werner Jünger erlag drei Tage später im Frankenberger Kreiskrankenhaus seinen schweren Verletzungen. Für Beifahrer Rudolf Heintzen zog der Unfall einen sechswöchigen Krankenhausaufenthalt nach sich. Der 10. August 1952 ist als sogenannter „Schwarzer Sonntag“ in die Annalen des MSC Battenberg eingegangen.

Zwei Wochen nach dem tragischen Geschehen in Battenberg gab es beim „Hamburger Stadtpark-Rennen“ ebenfalls einen schweren Unfall, als ein Gespann nach einer Kollision mit einem Konkurrenten von der Strecke abkam und in die Zuschauer raste, von denen für drei jegliche Hilfe zu spät kam.

Eine Woche später ereignete sich schließlich auf dem „Grenzland-Ring“ in der Nähe von Mönchengladbach das bislang schwerste Unglück in der Geschichte des deutschen Motorsports. Im Rennen der F2-Rennwagen verlor der Berliner Helmut Niedermayer in der „Roermomder Kurve“ die Kontrolle über seinen „Veritas-Meteor,“ geriet vom Kurs ab und fuhr in die dicht gedrängten Zuschauermassen auf der Kurveninnenseite. Neun Personen waren sofort tot und fünf weitere erlagen wenig später ihren Verletzungen.

Sowohl für den „Grenzland-Ring“ , den „Hamburger Stadtpark“ als auch für „Rund um Battenberg“ bedeuteten diese schwerwiegenden Vorfälle das Aus.

Auf der Suche nach einem neuen Rennkurs wurde man in Battenberg schnell fündig. Das Straßendreieck Laisa-Holzhausen-Eifa bildete den neuen „Battenberg-Ring“. Fast auf den Tag genau ein Jahr nach den fatalen Unfällen vom 10. August 1952 feierte diese neue Strecke am 9. August 1953 vor mehr als 40 000 Zuschauern bei bestem Rennwetter eine glanzvolle Premiere.  

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