Es war ein Abschied ohne Tränen

Vor 40 Jahren: Bundesbahn stellte Personennahverkehr im Oberen Edertal ein

Ländlicher Nahverkehr auf der Schiene: Ein lokbespannter Personenzug verlässt Hatzfeld in Richtung Battenberg im Jahr 1976. Fünf Jahre später war Schluss: Am 30. Mai 1981 hörte der gesamte Reisezugverkehr zwischen Bad Berleburg und Frankenberg auf. Und somit auch im Oberen Edertal.
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Ländlicher Nahverkehr auf der Schiene: Ein lokbespannter Personenzug verlässt Hatzfeld in Richtung Battenberg im Jahr 1976. Fünf Jahre später war Schluss: Am 30. Mai 1981 hörte der gesamte Reisezugverkehr zwischen Bad Berleburg und Frankenberg auf. Und somit auch im Oberen Edertal.

Am 30. Mai 1981 endete die Geschichte des Personennahverkehrs auf der Schiene im Oberen Edertal. Ein Abschied, der nicht überraschend kam. Diese Eisenbahn-Strecke wäre in diesem Jahr 111 Jahre alt geworden.

Oberes Edertal – „Mit Ablauf des Winterfahrplanes 1980/81 wird der Reisezugverkehr auf dem Streckenteil (Berleburg-) Abzweigstelle Hörre – Frankenberg eingestellt“, lautete eine Verfügung, die damals den betroffenen Dienststellen zuging. Es war für niemanden etwas Neues, diese Entscheidung musste kommen. Seit Jahren war die Strecke immer wieder im Rationalisierungsgespräch. Schon in den 1950er-Jahren konnte man in den Kursbüchern lesen: „Einstellung des Reisezugverkehrs vorgesehen!“

Glanz und Ende: Heinz Peter, Eisenbahner seit 1944, hat in seiner Dienstzeit die Schicksale der Nebenstrecken miterlebt und mit vielen Fotos dokumentiert. Er schrieb auch das Schild zur letzten Schienenbusfahrt auf dem Streckenteil Hatzfeld – Frankenberg am 30. Mai 1981 und hob als Bahnhofsvorsteher die grüne Kelle (Bildmitte). Vor wenigen Tagen übrigens ist er im Alter von 92 Jahren verstorben.

Am 15. November 1910 war der Verkehr zwischen Frankenberg, Allendorf/Eder und Hatzfeld in Betrieb genommen worden. Im Jahr darauf, am 15. August 1911, ging auch die restliche Strecke zwischen Hatzfeld und Bad Berleburg in Betrieb.

Der Verkehr nach Bad Berleburg ist in der Anfangszeit sehr rege gewesen, doch schon in den 30er-Jahren ging er mehr und mehr zurück. 1936 bemängelte die Reichsbahndirektion Kassel den sehr schwachen Personennahverkehr zwischen Hatzfeld und Berleburg. Das Schreiben von damals schloss mit der Bemerkung: „Der Betriebsverlust ist derart hoch, dass eine Verminderung des Personenzugbetriebes sehr ratsam erscheint.“

Zum Wohl: Der Bahnhof in Allendorf/Eder hatte auch eine Gaststätte. Hier zapft Wirtin Lene Müller im Jahr 1958 Bier.

Doch die Obere-Edertal-Bahn fuhr kräftig weiter. Der Zweite Weltkrieg brachte ihr wieder einen Aufschwung, der Verkehr stieg stark an. Besonders in der Nachkriegszeit wurden enorme Verkehrsleistungen erbracht, bis dann zu Beginn der 50er-Jahre der Verkehr mehr und mehr auf die Straße abwanderte. Was eigentlich auch gar nicht verwunderte, denn viele Bahnhöfe lagen weit ab vom eigentlichen Ort.

Transport von Viessmann-Kesseln durch Allendorf/Eder Ende der 1960er-Jahre. Da das Unternehmen erst 1973 einen Gleisanschluss erhielt, wurden die Produkte bis dahin auf solchen Culemeyer-Transportern vom Werk zum Bahnhof gezogen, hier nahe der Helenenstraße.

Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h ging es immer geruhsam zu, zumal die Strecke keine nennenswerten Steigungen aufwies. Interessant war die Durchfahrt durch den 325 Meter langen Dodenauer Tunnel und durch das Eisenwerk Hasenclever, wo ein werkseigener Wärter die Schranken bedienen musste.

Nach einer Schulung am Bahnhof Allendorf-Eder 1964: Von links Fritz Müller (Haine), Rudolf Schwarz (Rennertehausen), Frädrich (Unterrichtslehrer Bahnbetrieb aus Marburg), Adam Huft (Allendorf), Erich Mitze (Battenfeld) und Werner Strawe.

Die ersten gravierenden Veränderungen erfuhr die Obere-Edertal-Bahn Anfang der 1950er-Jahre, als die zuständigen Bundesbahn-Direktionen in Kassel und in Essen Untersuchungen über die Wirtschaftlichkeit der Strecke in Auftrag gaben. Am 2. November 1954 führte man den vereinfachten Nebenbahnbetrieb ein, nur Hatzfeld und Allendorf/Eder blieben mit Fahrdienstleitern besetzt. Nun ging es bergab.

Das Battenberger Eisenwerk Hasenclever (Auhammer) verfügte über eine eigene Eisenbahn-Haltestelle. Viele Mitarbeiter nutzten den Zug für den Weg zur Arbeit bzw. die Heimfahrt. Unser Bild entstand 1983. Zwei Jahre zuvor war der Personenverkehr eingestellt worden.

Nach und nach wurden die auf den Stationen noch tätigen Eisenbahner abgezogen, die Bahnhöfe Schwarzenau und Arfeld geschlossen, im Dezember 1972 entfernte man dort die Nebengleise. Ab dem 1. Juni 1975 fielen die Reisezüge nach 16 Uhr aus, an Sonntagen gab es keinen Reisezugverkehr mehr, die Samstagszüge zwischen Berleburg und Hatzfeld wurden ab 28. Mai 1978 gestrichen.

Die Fahrgastzahlen waren bereits rückläufig. Die finanzielle Lage der Deutschen Bundesbahn verschlechterte sich seit dem Konjunktureinbruch 1973/1974 rasch. So kam vor 40 Jahren dann unweigerlich das Ende: Am 29. Mai 1981 um 14.55 Uhr verließ der letzte lokbespannte Reisezug nach Frankenberg den Bahnhof von Bad Berleburg. Dieser Zug war mit einer schwarzen Fahne und einem Abschiedsgruß versehen.

Es war einmal: Fahrkarte für eine kurze „Reise“ bis Battenberg-Auhammer oder Rennertehausen, entwertet am 15. Dezember 1965.

Einen Tag später, am 30. Mai 1981, fuhr der letzte Zug des Streckenteils Hatzfeld – Frankenberg mit vielen Fahrgästen in Schienenbussen: Wären alle Züge so gut besetzt gewesen, dann gäbe es den Schienenpersonennahverkehr dort vielleicht noch heute. Bei aller Liebe zur Eisenbahn war die Obere-Edertal-Bahn aber nicht mehr zu retten. Es war ein „Abschied ohne Tränen“, um den Titel eines Films über diese Strecke zu zitieren. Diesen Streifen hatte das Amateur-Film-Team Dodenau kurz vor der Stilllegung gedreht.

Schienen liegen heute noch: Zwischen Battenberg und Frankenberg befindet sich ein seit längerer Zeit verwaister, rund zwölf Kilometer langer Abschnitt.

Perspektive: Abtransport von Schadholz ab Juli 

Es gab zwar noch einmal Personennahverkehr in Triebwagen ab dem Jahr 2005 zwischen Frankenberg und Battenberg. Es handelte sich um ein touristisches Angebot an Sonn- und Feiertagen. Es wurde nach einigen Jahren aber wieder eingestellt.

Auch Schienen-Güterverkehr gibt es seit Jahren im Oberen Edertal nicht mehr. Ein Zellstoffwerk in Stendal (Sachsen-Anhalt) bezog lange Holz aus unserer Region, bis dieser Transport wieder aufgegeben wurde. Die Firma Balzer bezieht in Allendorf/Eder kein Gas mehr per Bahn. Der Heiztechnik- und Kältespezialist Viessmann – einst eifriger Nutzer der hiesigen Schieneninfrastruktur – setzt inzwischen nur noch auf Transport mit Lastern.

Ab kommenden Juli allerdings sollen wieder Holzstämme auf der Eisenbahnstrecke zwischen Battenberg und Frankenberg abtransportiert werden. Damit würde auf diesem seit längerer Zeit verwaisten, rund zwölf Kilometer langen Abschnitt erneut Güterverkehr auf der Schiene rollen.

Hintergrund für die Wiederaufnahme des Güter-Eisenbahnverkehrs im Oberen Edertal ist die Schädigung des Waldes auch in unserer Region. Der Netzbetreiber Kurhessenbahn in Kassel hatte vermehrte Anfragen für Holzverkehre erhalten, um Schadholz durch die Trockenheit der vergangenen Jahre und daraus resultierenden Borkenkäferbefall abzufahren.

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