Faust in heutiger Zeit: Schüler führten Theaterstück auf

Spiel mit dem Bösen: Nils Wagner lässt sich von den in Mephistos Gefolgschaft stehenden Teufeln (von links) Fabienne Kreis, Julia Geisert und Leila Hafner becircen. Rechts: Katja Dippel von der Kegelbergschule meisterte ihren Auftritt mit Bravour. Fotos: Battefeld

Battenberg. Schüler der Gesamtschule Battenberg und der Kegelbergschule Frankenberg haben gemeinsam "Faust" aufgeführt. Dabei wurden auch Kondome verteilt.

Es war ein gewagtes, aber offensichtlich gelungenes Projekt: Zehntklässler des Wahlpflicht-Theaterkurses der Gesamtschule Battenberg haben jetzt zusammen mit Schülern der Frankenberger Kegelbergschule - Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung - eine moderne Version von Goethes „Faust“ auf die Bühne der Battenberger Burgberghalle gebracht.

Vor rund 500 Zuschauern präsentierten sie in zwei Aufführungen das Stück „Augenblick, verweile doch! Ein Faust Projekt“, in dem es um eine neue Interpretation des Klassikers ging. Im Mittelpunkt stand die Frage: Was wäre, wenn Faust sich auf ein Spiel mit Mephisto und den Teufeln in der heutigen, von Konsum geprägten Zeit einließe?

Viel Applaus

Verdienter Lohn des integrativen Projekts war am Ende ein begeistertes Publikum und strahlende Gesichter der jungen Akteure - vor allem der der Kegelbergschule. Sie hatten zwar keine langen Textpassagen zu sprechen gehabt, meisterten aber die Herausforderung, auf der Bühne zu stehen und vor vielen Leuten zu spielen, sehr gut.

Auch Spielleiterin Bettina Pasler war zufrieden mit ihren Zöglingen, die „mega aufgeregt“ gewesen seien. Erst in der vergangenen Woche seien ihre Schüler und die ihres Kollegen André Backhaus von der Kegelbergschule so „richtig zusammen gekommen“.

Eigentlich ist der in der Premierenvorstellung von Julian Skrentny dargestellte Faust ein verunsicherter Jugendlicher, ein Denker und Zweifler, der vom Fliegen träumt und den sexuelle Ausschweifungen und Drogenrausch nicht interessieren. Doch da er das Herz von Gretchen (Victoria Wittig) erobern will, lässt er sich auf einen Deal mit Mephisto, alias Niklas Koch, ein und landet prompt in den Fängen des Bösen. Dann passiert das Ungewollte: Faust schwängert Grete, obwohl er „doch noch kein Vater sein will“.

Zum Schluss siegt jedoch die Liebe und für Faust ist endlich der Moment gekommen, in dem er sich mit Grete an seiner Seite wünscht: „Augenblick, verweile doch!“ und er auf ihren Einwand: „Du weißt doch gar nicht, wie es weitergeht“, antwortet: „Eben“.

Kondome verteilt

Bei der zweiten Aufführung gab es übrigens für alle Jugendlichen mit der Eintrittskarte ein Kondom dazu. „Sie sollten schon vor dem Stück was zu rätseln haben“, sagte Spielleiterin Pasler. Die Auflösung folgte im Stück: Es sollte keinem Zuschauer so gehen wie Faust, der Gretchen ungewollt schwängert.

Von Susanna Battefeld

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