Geschichtlicher Dorfrundgang am 26. Juli erinnert an Unglückstag

Gedenktag in Laisa: Als fast das ganze Dorf abbrannte

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Noch erhalten: In Laisa gibt es noch die alte Handdruckspritze von 1844, die hier Mitglieder der Feuerwehr präsentieren. Ausgerechnet bei dem Großbrand am 26. Juli 1868 versagte sie.

Laisa. Vor 150 Jahren, am 26. Juli 1868, ist das Dorf Laisa bei einem Großbrand fast vollständig zerstört worden. Daran erinnert das Dorf bei einem geschichtlichen Dorfrundgang am 26. Juli. 

142 Gebäude brannten damals nieder – 47 Wohnhäuser, 44 Scheunen und 51 Nebengebäude. 253 Menschen verloren ihr Zuhause, ihr Hab und Gut. Nur 20 Gebäude, darunter die Kirche, blieben stehen. Menschen kamen zum Glück nicht ums Leben, allerdings einige Tiere.

Das „Central-Hülfs-Comité“, das sofort gebildet wurde, verfasste einen „Nothruf“: „Wir richten an alle edlen Menschenfreunde, an alle, deren Herz warm für das Wohl ihrer Nebenmenschen schlägt, die dringende Bitte, uns zu helfen“, schrieb das Comité mit dem Biedenkopfer Landrat von Strauß an der Spitze.

Der Brand

In den „Mitteilungen aus Geschichte und Heimatkunde des Kreises Biedenkopf“ schilderte 1910 der Laisaer Jakob Mankel, beim Brand sechs Jahre alt, wie er den Unglückstag erlebte: „Wie ein Blitz verbreitete sich die Schreckensnachricht in dem Dorfe, dass es in der Hofraite des Bürgermeisters Busch brenne“, schrieb Mankel, der später Lehrer in Weilburg war. Ein Tannenreisighaufen war am Nachmittag dieses heißen Sommertages in Brand geraten. Die Ursache wurde nie ganz geklärt. Ein Junge, der später nach Amerika auswanderte – vermutlich auswandern musste – soll den Haufen angezündet haben.

In seiner Schrift „Ein abgebranntes Dorf im Ober-Lahngau“ von 1868 schrieb Karl Sturm, dass sich das Feuer innerhalb einer halben Stunde über das Dorf ausgebreitet habe, „als wären Mordbrenner in das Land gefallen und hätten im Nu das Feuer von Haus zu Haus getragen“. Die Rauchwolken seien bis nach Marburg und Waldeck gezogen.

Nach fünf Stunden waren 142 Gebäude „dem rasenden Elemente zum Opfer gefallen“, schrieb Sturm. „Der starkwehende Südostwind, die zahllosen Strohdächer, die sengende Hitze, die vielen hochaufgeschichteten Reißicht- und Holzhaufen zwischen den einzelnen Hofraithen, die Heu- und die frisch eingeernteten Korn-Vorräthe in den Scheunen und Stallungen, die bunt durcheinander gewürfelten und eng zusammen gedrängten Gehöfte, die engen Gassen, der Mangel größerer Wasser-Behälter und freier Plätze machten alle Rettungs-Versuche unmöglich.“ Die Laisaer Handdruckspritze von 1844, die noch heute erhalten ist, versagte ausgerechnet an diesem Tag.

Die Hilfsaktionen

„Die Noth ist grenzenlos“, hieß es in dem „Nothruf“. Karl Sturm drückte es so aus: „Wer den Schrecken und das Entsetzen der Verunglückten, wer ihre Jammer- und Wehe-Rufe gesehen und gehört hat, dem wirds Zeitlebens unvergeßlich bleiben“. Nur zwei Familien waren versichert. Wer konnte, kam bei Angehörigen in Nachbarorten unter, am Dorfrand wurden zwei provisorische Bretterbaracken errichtet.

In Zeitungen wurden Aufrufe zur Unterstützung der Abgebrannten gedruckt. „Der Erfolg war ein über Erwarten günstiger“, berichtete Jakob Mankel. „Aus vielen großen Städten liefen Gelder, Kleider und Nahrungsmittel in großer Menge ein. König Wilhelm von Preußen schenkte der Gemeinde zu Straßenbauzwecken 15 000 Mark.“ Die Nachbardörfer spendeten Geld, Lebensmittel und Kleidung – aus Battenfeld kamen zum Beispiel unter anderem 62 Laib Brot, wie alte Listen zeigen.

Der Wiederaufbau

Die Geldspenden deckten etwa ein Drittel der Wiederaufbaukosten, ein weiteres Drittel wurde durch Eigenleistung erbracht. Der Rest musste über Schulden finanziert werden, weshalb mancher Familienvater Wiesen und Äcker verkaufen oder sich auswärts Arbeit suchen musste.

Und die Laisaer lernten aus der Katastrophe: Beim Wiederaufbau des Dorfes wurde ein gradliniges Straßennetz angelegt – mit breiten Straßen und großen Hofraiten. Hier machte sich der damalige Lehrer Schmidt verdient, an den die Laisaer noch heute mit einer Dankestafel am DGH erinnern. Und sie gedenken jedes Jahr am 26. Juli dieses Großen Brandes von 1868 – zum 150. Jahrestag am kommenden Donnerstag in besonderer Weise und innerhalb eines viertägigen Feuerwehrfestes.

Sie freuen sich schon auf das Feuerwehrfest und den Kreiskinderfeuerwehrtag: (von links) Max, Emma, Ole, Marleen und Zoé von der Laisaer Kinderfeuerwehr.

Vier Tage lang Fest in Laisa

An den Großbrand vom 26. Juli 1868 erinnert das Dorf Laisa jedes Jahr mit einem Brandgedenktag und einer Andacht im Feuerwehrhaus. Der 150. Jahrestag am kommenden Donnerstag wird besonders begangen: innerhalb eines viertägigen Festes, mit dem die Feuerwehr Laisa ihren 90. Geburtstag feiert. In diesem Rahmen findet am Samstag, 28. Juli, auch der Waldeck-Frankenberger Kreiskinderfeuerwehrtag in Laisa statt. 

Mit einem geschichtlichen Dorfrundgang am Donnerstag, 26. Juli, dem Jahrestag des Brandes, wollen Ortsvorsteher Jörg Paulus und Karl-Hermann Völker, der Vorsitzende des Frankenberger Geschichtsvereins, den Besuchern einen Einblick in die damalige Zeit geben. Es wird um den Unglückstag vor 150 Jahren gehen und auch darum, wie die Menschen damals gelebt haben und was ein solcher Großbrand für sie bedeutete. 

Dank eines Augenzeugenberichtes ist der Brand recht ausführlich dokumentiert. Und es existieren noch Unterlagen und Listen, die die große Hilfsbereitschaft zeigen, die den Laisaern damals zuteil wurde, vor allem aus den Nachbarorten, aber auch von weither. Deshalb sind zu dem Dorfrundgang auch Interessierte aus der Region eingeladen. 

Start des Rundgangs ist um 18.30 Uhr am Feuerwehrhaus in der Brunnenstraße. Dort wird auch eine Ausstellung aufgebaut, die Dokumente über den Großen Brand zeigt. Auch die alte Handdruckspritze aus dem Jahr 1844 ist noch erhalten und wird am Feuerwehrhaus nicht nur aufgebaut, sondern auch in Aktion gezeigt. 

Das Programm am Feuerwehrhaus: Donnerstag, 26. Juli: 18.30 Uhr: Brandgedenktag „150 Jahre Großer Brand“, geschichtlicher Dorfrundgang mit Ausstellung und Dämmerschoppen. 

Freitag, 27. Juli: 20 Uhr: Discoparty der Burschenschaft. 

Samstag, 28. Juli: 10 bis 15 Uhr: Kreiskinderfeuerwehrtag in Laisa; 19.30 Uhr: Festkommers „90 Jahre Feuerwehr Laisa“ mit der Band „Hörmal“. 

Sonntag, 29. Juli: 11 Uhr: Frühschoppen, Musik und Hüpfburg. (zpd)

 

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