Strecken für Mountainbiker

Grenztrail: Battenberger sehen „Riesenchance“ für den Tourismus

Boomsportart Mountainbiking: Die meisten Kommunen in Waldeck-Frankenberg wollen den Trend nutzen und einen Grenztrail durch den Kreis errichten. Dieses
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Boomsportart Mountainbiking: Die meisten Kommunen in Waldeck-Frankenberg wollen einen Grenztrail durch den Kreis errichten.

Eine Riesenchance für den Tourismus? Oder überwiegen Bedenken des Naturschutzes und der Jägerschaft? Das kreisweite Projekt Grenztrail für Mountainbiker wurde in der jüngsten Battenberger Ausschusssitzung kontrovers diskutiert.

Battenberg - Der Grundsatzbeschluss steht: Als eine von nur zwei Kommunen im Südkreis hatte sich die Stadt Battenberg Ende Januar 2020 dazu entschlossen, beim kreisweit angelegten Projekt Grenztrail mitzumachen. Im gesamten Landkreis, vorwiegend im nördlichen Teil, sollen für insgesamt knapp 19 Millionen Euro einzelne Strecken (Trails) in Wald und Flur entstehen, die zum Teil auch miteinander verbunden werden – was allerdings im Südkreis schwierig ist, weil dort nur die Städte Battenberg und Hatzfeld mitmachen.

„Mountainbiking hat sich zu einem beliebten Breitensport mit über vier Millionen Mountainbikern in Deutschland entwickelt. Dieser Trend steigt weiter an und wird durch den Trend zu E-Mountainbikes weiter verstärkt“, heißt es in der Vorlage der Stadtverwaltung. „Mit 87 Prozent konzentriert sich die Hauptgruppe der Mountainbiker auf das Tourenfahren.“

Der Grenztrail in Waldeck-Frankenberg soll aus etwa 200 Kilometern neu gebauten Strecken und weiteren 200 Kilometern vorhandenen Verbindungsstrecken bestehen. Das Projekt wird zu 65 Prozent mit Zuschüssen gefördert. Für Planung, Bau und Unterhaltung soll die Stadt Battenberg ab Januar 2025 jährlich 21 655 Euro bezahlen.

Aktuell geht es im Battenberger Parlament darum, vorgeschlagenen Potentialräumen und einem Beitritt zum Zweckverband Grenztrail zuzustimmen – oder nicht.

„Neue Attraktion, die wir auch selbst nutzen können“

In einer vorangegangenen Ausschusssitzung hatten der Landkreis Waldeck-Frankenberg und das Büro Bioline das Projekt Grenztrail in Battenberg vorgestellt. Dabei wurden offenbar bereits viele Bedenken ausgeräumt.

Er sei „klar dafür“, weil das Projekt Grenztrail „große Chancen“ für die Dodenauer Gaststätten und Beherbergungsbetriebe eröffne, sagte Bastian Belz (FDP). Überzeugt von dem Projekt ist auch Martin Schelberg (CDU): „Das sollten wir machen, aber auch jeder in seinem Freundes- und Bekanntenkreis dafür Überzeugungsarbeit leisten“, so der Fraktionschef.

„Wir schaffen eine neue Attraktion, die wir alle auch selbst nutzen können“, sagte Wolfgang Stein (BL Dodenau). Der überschaubare finanzielle Einsatz werde durch Einnahmen bei Hotels, Restaurants, aber auch Geschäften und Dienstleistern kompensiert. „Max Viessmann hat gesagt, dass wir Angebote für Führungspersonen generieren müssen. Das hier ist ein solches Angebot“, sagte Stein.

„Ich sehe das etwas anders“, sagte Bettina Pasler (SPD). Für sie stelle sich die Frage, warum Nachbarorte wie Allendorf, Frankenberg, Frankenau oder Gemünden nicht mitmachen. Es gehe um die Frage, ob das Projekt Grenztrail „mit unserem Wald und dem Naturschutz vereinbar ist“. Pasler: „Erwartet werden 80 000 Besucher jährlich. Die müssen ja irgendwo hin.“ Dafür brauche man nicht nur Beherbergungsbetriebe, sondern beispielsweise auch Parkplätze und eine gesicherte Müllentsorgung.

Paslers Aussage, das Frankenberger Forstamt sei nicht ausreichend eingebunden worden, widersprach Bürgermeister Christian Klein ganz entschieden: Forstamtsleiter Andreas Schmitt habe an einem Gespräch „vor über einem Jahr in Lichtenfels“ teilgenommen und trage das Projekt mit.

Bürgermeister hat Verständnis für Bedenken

Christian Klein zeigte Verständnis für vorgetragene Bedenken: „Wir konnten noch nicht mit jedem sprechen. So weit sind wir einfach noch nicht. Es liege eine „Roadmap“ – also ein möglicher Fahrplan – auf dem Tisch. Aktuell gehe es um die Frage, wer überhaupt mitmache und dem Zweckverband beitrete. Für die Trails existierten bisher nur weiträumig abgesteckte „Suchräume“. Klein: „Damit kann ich noch nicht zu einem Revierförster gehen und nach dessen Meinung fragen.“

Entscheidend sei für ihn das Potential für die Zukunft. „Überall ist Entwicklung und Fortschritt. Wenn wir nicht mal etwas Neues probieren, werden wir als Region unattraktiv.“ Die Stadt werde ausführlich informieren. „Einzelne Bedenken müssen wir im Detail ausräumen“, sagte der Bürgermeister und fügte hinzu: „Selten wurde ein Projekt so hochkarätig vorbereitet.“ Auch das Land Hessen bezuschusse den Grenztrail mit „mehreren Millionen Euro“. Selbst Bürgermeister aus der westfälischen Nachbarschaft hätten bereits Interesse bekundet.

Derzeit führen die Mountainbiker „kreuz und quer durch den Wald“; durch einen Grenztrail würden diese Aktivitäten „kanalisiert“, sagte der Vorsitzende des Ausschusses für Tourismus, Umwelt, Landwirtschaft, Jugend, Sport und Kultur, Tobias Kirchhain (CDU).

Bei einer Gegenstimme (Bettina Pasler) und einer Enthaltung (Burkhard Becker) votierten die Ausschüsse am Ende für den Beitritt zum Zweckverband. Die Stadtverordnetenversammlung stimmt darüber in der Sitzung am Donnerstag, 8. Juli, ab.

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