Große Leidenschaft für kleine Isetta

Walter Schäfer aus Berghofen ist stolzer Besitzer einer „Knutschkugel“

Leichter Ein- und Ausstieg: Die nach vorne öffnende Fronttür ermöglicht bei der knuddeligen und recht engen BMW Isetta 250 bequemes Ein- und Aussteigen. Dem 85-jährigen Besitzer Walter Schäfer aus Berghofen kommt dies sehr gelegen.
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Leichter Ein- und Ausstieg: Die nach vorne öffnende Fronttür ermöglicht bei der knuddeligen und recht engen BMW Isetta 250 bequemes Ein- und Aussteigen. Dem 85-jährigen Besitzer Walter Schäfer aus Berghofen kommt dies sehr gelegen.

Das Thema Mobilität begeistert viele Menschen. Aber dazu zählen nicht nur moderne Fahrzeuge. Eine große Faszination üben Oldtimer aus. In unserer Serie „Faszination Oldtimer“ stellen wir Besitzer mit ihren Fahrzeugen vor.

Berghofen – Basteln, werkeln, schrauben, alte Motorräder und betagte Autos sind die große Leidenschaft von Walter Schäfer – wenn man von der Liebe zu seiner Ehefrau Helene einmal absieht. Der 85-Jährige ist in seiner Werkstatt glücklich. Das i-Tüpfelchen aber setzt der Berghofener für sich, wenn er mit seinem Lieblings-Oldtimer den Asphalt Waldeck-Frankenberger Straßen unter die Reifen nimmt: Eine BMW Isetta 250 des Baujahrs 1961 ist seine automobile Nummer 1.

Gepflegt: Das 60 Jahre alte „Motocoupé“ macht eine gute Figur.

„Ich wollte schon immer mal ein solch‘ kleines Auto fahren, das andere nicht haben“, beschreibt er seine Intention. Und das, obwohl dieses Mikromobil nun wirklich kaum Komfort bietet. Wegen der hinten deutlich engeren Spurweite wird es auch „Schlaglochsuchgerät“ genannt. Man spürt quasi jede Erschütterung. Besser bekannt aber ist die BMW Isetta als „Knutschkugel“, wie sie im Volksmund genannt wird. Viel Platz bietet die durchgehende Sitzbank nicht, und so sitzen die zwei möglichen Insassen recht eng beieinander. Für Verliebte geradezu ideal.

Wo Walter Schäfer mit seiner dominant rot lackierten Isetta auftaucht, sorgt er stets für Aufsehen. Bleibt er mit seinem blitzblank polierten 12-PS-Gefährt auf einem Parkplatz oder an einer Tankstelle stehen, sind beide rasch von Menschen umringt. „Es ist schön, wenn es so viel Bewunderung für ein Fahrzeug aus der Wirtschaftswunderzeit gibt – besonders für ein derart kleines Auto“, freut sich Schäfer.

Angeschnallt: Koffer finden auf einem Heck-Gepäckträger Platz.

Seinerzeit brachte BMW die Isetta auf den Markt. Notgedrungen: Denn die Motorradproduktion des Unternehmens ging zurück. Im Autobereich stellten die großen BMW-Fahrzeuge wie die Typen 503 und 507 ein Zuschussgeschäft dar. Für den nach dem Zweiten Weltkrieg angeschlagenen und kurz vor der Pleite stehenden Münchener Autobauer entwickelte sich das von ihm zwischen Motorrad und Auto eingeordnete Fahrzeug als „Motocoupé“ zum Verkaufsschlager.

Zum Transport langer Gegenstände kann das Faltdach geöffnet werden. Ein serienmäßiger Einbau, damit die Insassen im Notfall auch oben aussteigen können. Die nach vorne öffnende Fronttür wirkt wie eine Kühlschranktür. Sie ermöglicht bequemes Ein- und Aussteigen. Dabei schwingen Lenkrad und Lenksäule mit der Tür zur Seite. Walter Schäfer: „Für mich mit meinen 85 Jahren ideal!“ Nur Koffer und dergleichen große Gegenstände müssen draußen bleiben. Sie finden auf einem Heck-Gepäckträger Platz.

Stilecht: Plastikblumen gehören einfach in das Wirtschaftswunderauto.

Dass die rot mit weißen Akzenten lackierte Berghofener Isetta sich in einem derart guten Zustand befindet, kommt nicht von ungefähr. Schäfer erinnert sich: „Als ich das Auto im Jahr 2015 gekauft habe, war es nicht im besten Zustand. Seitenverkleidung und Sitzbank mussten ersetzt werden.“ Bei den nicht immer einfachen Reparaturen steht ihm sein Freund Reiner Thursch zur Seite.

Walter Schäfer ist ältestes Mitglied im Motorsportclub Battenberg und in der Interessengemeinschaft Classic- Cars Hatzfeld. Coronabedingt ruhen die Vereinsaktivitäten weitestgehend. Sehr zum Leidwesen des Oldtimerfans, der sich seine Isetta zwar gerne anschaut, sie aber viel lieber in größerer Gesellschaft durch die Landschaft mit 75 km/h Spitze bewegt: „Jetzt ist Geduld gefragt. Die Isetta hat in ihren 60 Jahren sicher auch manch‘ schlechte Phase gehabt. Vielleicht sind aber in diesem Sommer wieder Oldtimer-Rundfahrten möglich, wenn auch anders gestaltet als früher.“

Wie und wo auch immer der 85-Jährige mit seiner „Knutschkugel“ auftauchen wird: Beide werden von Freunden automobiler Zeitgeschichte herzlich begrüßt werden.

Was ist eine BMW Isetta?

Die BMW Isetta ist ein Kleinstfahrzeug, das von den Bayerischen Motorenwerken von 1955 bis 1962 in Lizenz gebaut wurde. Das „Motocoupé“ geht auf eine Entwicklung des italienischen Herstellers Iso Rivolta zurück und gehört zu den sogenannten Kabinenrollern. Charakteristisch für die Isetta sind die Fronttür und der Einzylinder-Viertakt-Motor im Heck. Quelle: http://virtualdesignmagazine.de/

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