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Nick Paper aus Frohnhausen: einer der wenigen Weihnachtsbaum-Anbauer in Hessen

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Von: Thomas Hoffmeister

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Mit zwei Nordmanntannen im Arm: Weihnachtsbaum-Produzent Nick Paper aus dem Battenberger Stadtteil Frohnhausen.
Mit zwei Nordmanntannen im Arm: Weihnachtsbaum-Produzent Nick Paper aus dem Battenberger Stadtteil Frohnhausen. © Thomas Hoffmeister

Nick Paper, der Nordmanntannen-Mann aus Battenberg-Frohnhausen, ist einer der ganz wenigen hessischen Weihnachtsbaum-Erzeuger.

Frohnhausen – Weihnachtsbäume haben gerade wieder Konjunktur. Etwa 30 Millionen Bäume – überwiegend Nordmanntannen – werden an Heiligabend geschmückt in bundesdeutschen Wohnzimmern stehen. Die meisten Tannenbäume haben bis dahin aber schon eine weite Reise hinter sich. Nur etwa 70 Prozent stammen aus Deutschland, und dann überwiegend aus dem Sauerland. Die übrigen werden importiert – vorwiegend aus Dänemark und Polen.

Im Battenberger Stadtteil Frohnhausen hat einer der ganz wenigen hessischen Weihnachtsbaum-Erzeuger seinen Sitz: der 44-jährige Nick Paper. Er baut auf einer Fläche von 12 bis 13 Hektar Weihnachtsbäume an; etwa zur Hälfte im Oberen Edertal, die andere Hälfte im benachbarten Wittgensteiner Land in Nordrhein-Westfalen.

Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des Naturschutzbundes Hessen, sieht Weihnachtsbaumkulturen kritisch: „Die meisten Weihnachtsbäume stammen leider aus Kulturen, die durch den massiven Einsatz von Dünger und Pestiziden Boden, Grundwasser und Lebewesen belasten“. Nick Paper ist bezüglich des Einsatzes von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln ganz anderer Meinung: „Kein Land- oder Forstwirt streut oder spritzt mehr als unbedingt nötig“, sagt Paper. Im Übrigen seien Dünge- und Pflanzenschutzmitteln „richtig teuer“ geworden. Der Preis für einen bestimmten Dünger (Kalkammonsalpeter) sei von 19 auf 90 Euro pro Doppelzentner gestiegen.

Er spritze in seinen Weihnachtsbaumkulturen „so wenig wie möglich“, sagt Paper. Unkraut beseitige er überwiegend mechanisch. Die Gassen zwischen den Bäumen würden gemulcht oder gemäht.

Sein Ziel: „Ich möchte Kindern zeigen, wie so ein Baum wächst.“ Mindestens fünf, meistens aber acht Jahre brauche eine Nordmann-Tanne bis zur Erntereife. „Die meisten Menschen wissen gar nicht, wie viel Arbeit das macht“, sagt Paper. Landläufig gehe man davon aus, dass Weihnachtsbäume einmal gepflanzt, vielleicht noch einmal gespritzt und dann abgesägt und verkauft würden. Weit gefehlt: „Pro Jahr sind wir sechs bis sieben Mal an jedem Baum“, berichtet Nick Paper, der die Bewirtschaftung seiner Bestände zusammen mit Familienangehörigen erledigt.

Ziel ist es, dass ein Weihnachtsbaum gerade gewachsen ist. Die Zweige sollen „schön und voll“ sein, der ganze Baum pyramidenförmig abgestuft. Die Spitze darf nicht zu lang sein. Dafür wird die innere Schicht der Rinde (Kambium) mit einem Messer angeritzt, um den Saftstrom zur Spitze zu stoppen.

Weihnachtsbaum-Anbau: zu 95 Prozent Nordmanntannen

„Zu etwa 95 Prozent“, schätzt Paper, baue er inzwischen Nordmanntannen an. Daneben in geringen Stückzahlen noch Blaufichten und Bäume des Typs „Nobilis“, von denen eher das Tannengrün genutzt werde. „Blaufichten sind kaum noch gefragt, weil die so stechen und schwer zu packen sind“, erklärt Paper.

Früher habe man Fichten als Weihnachtsbäume genutzt. Doch dann habe sich die ursprünglich aus dem Kaukasus stammende Nordmanntanne durchgesetzt. „Im Gegensatz zur Fichte ist die Nordmanntanne ein Tiefwurzler. Die Folgen der Trockenheit der letzten Jahre haben Nordmanntannen erstaunlich gut weggesteckt, weil sie Wasser aus tieferen Bodenschichten ziehen.“

Gefährdet seien Weihnachtsbaumkulturen zum einen durch Pilzerkrankungen bei Nässe und Wärme, zum anderen durch Nadelrost, der durch abgestorbene Weidenröschen übertragen werde, erklärt Paper. Nadelrost befalle junge Triebe, die dann braun werden und abfallen. Vorbeugend sei er deshalb auch im Sommer ständig in seinen Kulturen unterwegs, um Weidenröschen auszuzupfen und den Unterboden zu mähen oder zu mulchen.

Ebenso wie zu viel Dünge- oder Pflanzenschutzmittel möchte Nick Paper auch unnötige Transportwege seiner Weihnachtsbäume vermeiden. Deshalb bietet er – nach Absprache – am dritten und vierten Adventssonntag in diesem Jahr „Weihnachtsbäume zum Selberschlagen“ an. Am 10. Dezember startet der Baumverkauf an seinem Hof in Frohnhausen (Waldstraße 7).

Der Kundenwunsch beim Weihnachtsbaum habe sich verändert. Sollte ein Baum früher zwei Meter oder größer sein, so seien heute überwiegend Bäume zwischen 1,50 und 1,70 Meter Länge gefragt.

Trotz Inflation und hoher Energiekosten: „Zumindest wer Kinder hat, wird nicht auf einen Weihnachtsbaum verzichten wollen“, ist Nick Paper überzeugt. Bei ihm kostet eine Nordmanntanne 18 Euro je laufenden Meter – also 27 Euro für einen Baum mit 1,50 Metern Größe und 36 Euro für einen zwei Meter großen Weihnachtsbaum. (Thomas Hoffmeister)

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