Kirchengemeinden ziehen Bilanz

Ostern mit Corona: Christen im Frankenberger Land nutzten alternative Angebote

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In den Kirchen wie hier in Laisa fanden wegen der Corona-Krise am Wochenende zwar keine Gottesdienste statt, die Kirchen waren aber geöffnet. Besucher konnten sich Andachtstexte, Kerzen oder Steine mit nach Hause nehmen.

Wegen Corona gab es auch an Karfreitag und den Ostertagen keine öffentlichen Gottesdienste. Wie haben Christen im Frankenberger Land darauf reagiert? Wir haben nachgefragt.

„Die alternativen Angebote zu Ostern wurden im Kirchenkreis Eder gut angenommen“, sagt der Frankenberger Pfarrer Reinhold Schott in Vertretung von Dekanin Petra Hegmann. Die Youtube-Videos vom Ostergottesdienst in der Liebfrauenkirche und der zuvor ins Netz gestellte Zuspruch zur Karwoche wurden bis gestern jeweils fast 500 Mal geklickt.

Damit erreiche die Zahl der Aufrufe fast die Zahl der Gottesdienstbesucher sonst, allerdings könne man das nicht direkt vergleichen, sagt Pfarrer Schott. Das Interesse an den digitalen Andachten und Gottesdienste sei größer gewesen als erwartet. „Durch die Krise entwickeln wir die digitale Kommunikation weiter“, bilanziert Schott und dankt Christian Berreth für die technische Umsetung.

Auch analoge Angebote wurden wahrgenommen. Dekanin Hegmann hatte mit großen Kreidebuchstaben vor die Pforte der Liebfrauenkirche geschrieben: „Der Herr ist auferstanden!“ Dass die meisten Kirchen derzeit tagsüber zum Innehalten und Gebet geöffnet sind, wurde auch Ostern von vielen Menschen genutzt, berichtet der Pfarrer. Die ausgelegten Briefe und Andachten wurden weitgehend mitgenommen. Der Karton mit den Osterkerzen, die Besucher vor Ort entzünden und mitnehmen konnten, nachgefüllt. 

„Die Menschen haben auch die Möglichkeit für ein stilles Gebet in der Kirche genutzt“, erläutert Schott weiter. Er weiß, dass viele Gläubige auch TV-Gottesdienste sahen. „Ich selbst habe das auch gemacht, es hat mich sehr berührt. Ich habe eine Kerze angesteckt und mitgebetet und gesungen.“

Freuen über das Interesse an seinen Youtube-Videos kann sich auch Bezirkskantor Nils-Ole Krafft. Er erreichte mit seiner 40. Orgelmatinee vom 4. April über 600 Aufrufe, und mit seiner Orgelmusik zu Karfreitag an die 500 Aufrufe.

Katholische Kirche Battenberg

„Wir hatten Corona-bedingt keine offenen Andachten, aber unsere Kirche ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet“, berichtet Pastoralreferentin Claudia Heuser aus der katholischen Gemeinde Battenberg. „Am Karfreitag habe ich die Gläubigen zur Kreuzverehrung eingeladen.“ Vor dem Altar war ein Kreuz aufgebaut, daneben ein Strauß Rosen „als Zeichen der Liebe Jesu“, sagt Claudia Heuser. Wer mochte, durfte sich eine Rose mitnehmen.

Aus Biedenkopf hatte Pastoralreferentin Heuser am Ostersonntag das Licht der Osterkerze nach Battenberg geholt. In der katholischen Kirche St. Marien brannte am Ostersonntag und Ostermontag eine Osterkerze, an der die Gläubigen kleine Kerzen entzünden konnten. Auch ein Osterbild mit Gebet hatte Claudia Heuser bereitgelegt.

Am Karfreitag seien „nicht viele“ der rund 1800 Gläubigen des Kirchortes Battenberg gekommen, berichtet die Pastoralreferentin über die Resonanz. Aber am Ostersonntag und -montag seien doch etwa 50 kleine Osterkerzen mitgenommen worden.

Freikirchliche Gemeinden

Auch der Gemeindesaal der Kirche am Bahnhof in Frankenberg ist in diesen Tagen zu einem kleinen Studio mit Kamera und Mikrofon umfunktioniert. Die Frankenberger Freikirchen kommen in Zeiten von Corona per Live-Stream zu den Gläubigen nach Hause. 

„Wahnsinn, was unsere Techniker innerhalb kürzester Zeit möglich gemacht haben“, erklärt Pastor Andreas Latossek von der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinde. Er freut sich vor allem über die Resonanz der Übertragungen. Schon beim ersten Internet-Gottesdienst im März habe man etwa 300 Zuschauer erreichen können.

Pastor Andreas Latossek (links) und Pastor Joachim Markwart: Gemeinsam haben sie den Online-Gottesdienst zu Karfreitag vorbereitet.

„Dabei haben auch Menschen zugeschaut, die vorher noch nie in einem unserer Gottesdienste waren.“ Auch über die Osterfeiertage gab es hohe Einschaltzahlen. In „normalen Zeiten“ kommen in der Regel etwa 150 Gläubige zu den Gottesdiensten in die Kirche am Bahnhof. 

Der Gottesdienst via Live-Stream ist allerdings eine Konserve. „Die Gottesdienste werden vorher aufgezeichnet und dann geschnitten“, erklärt Latossek. Auch die musikalischen Beiträge mit Lisanne Kotas, Janine Brieden, Simon Brieden und Patrick Lang werden reingeschnitten - sie wohnen unter einem Dach und machen die Musik zu Hause. Die vier Musiker gestalten auch die Musik für die evangelische Gemeinschaft, dort laufen die Aufnahmen genauso ab. 

Die Aufzeichnungen für Karfreitag hatte Latossek zusammen mit Pastor Joachim Markwart von der Freien evangelischen Gemeinde gemacht: Einer filmte, einer stand am Mikro. „Es ist uns wichtig, dass Menschen auch in dieser Zeit mit Gott in Berührung kommen können“, sagen Latossek und Markwart. 

Online-Service

Auf kirchenkreis-eder.de finden sich ein Ostergruß von Dekanin Hegmann und Andachten von Pfarrern, auf ev-kirche-frankenberg.de der Ostergottesdienst und weitere geistliche Impulse, unter musik-an-der-liebfrauenkirche.de Orgelmusik von Krafft.

Die Gottesdienst der Freikirchen können im Internet auch nachträglich noch angesehen werden, – unter efg-frankenberg.de (Kirche am Bahnhof) sowie unter eg-fkb.de (Evangelische Gemeinschaften im Frankenberger Land).

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