Samstags war Badetag in Berghofen

Treffen sich fast täglich unter der Kastanie in der Grabenstraße: (von links) Rosel Arnold, Rosa Seipp, Irmgard Wiest und Lydia Amend. HNA-Sommerserie „kleinster Ort“ Berghofen Stadt Battenberg. Foto: Hoffmeister

Im Rahmen unserer Sommerserie "Kleinste Orte" haben wir den 321-Einwohner-Ort Berghofen besucht - den kleinsten Stadtteil der Stadt Battenberg.

Berghofen. „Traumhaft schön ist es hier“, sagt Barbara Herguth über das Dorf Berghofen, in dem sie schon seit 41 Jahren lebt. Sie kümmert sich um den Blumenschmuck an einem alten Wagenrad. Doch Barbara Herguth macht sich auch Sorgen: „Die jungen Leute ziehen weg“, sagt sie. Die Infrastruktur des Dorfes werde weiter ausgedünnt. Vor 15 Jahren machte der letzte Lebensmittelmarkt zu. Es folgten die Sparkassen-Filiale und die Post-Agentur. „Und dann haben wir auch noch unseren schönen Ständebaum verloren“, beklagt Barbara Herguth. Sturm „Felix“ hatte den 15 Meter hohen Ständebaum Anfang Januar umgerissen.

Mit einem großen Güllewagen fährt ein Landwirt durch den Ort aufs Feld. Vor dem Dorfgemeinschaftshaus treffen wir Ortsvorsteher Hans-Gerhard Eitzenhöfer. Er zeigt uns das älteste Haus Berghofens, ein früheres landwirtschaftliches Anwesen aus dem Jahr 1774, das schon seit 15 Jahren leer steht. „Wir möchten es gern abreißen“, sagt Eitzenhöfer. Die Räume seien sehr niedrig, die Kosten für eine Renovierung hoch. Doch das Amt für Denkmalpflege sei bisher dagegen.

Gegenüber der Kirche steht das Jugendheim - neben dem DGH ein wichtiger Treffpunkt im 321-Einwohner-Dorf. „Im Keller des alten DGH war eine Gemeinschafts-Wäscherei, eine Gefrieranlage und eine Mosterei“, erzählt Eitzenhöfer. „Und im Saal stand eines der ersten Fernsehgeräte. Da wurde sonntags Flipper geguckt“, erinnert der Ortsvorsteher an die Serie mit dem klugen Delphin. „Hinten am Haus waren zwei Wannen und eine Dusche. Dahin kamen die Leute samstags zum Baden.“

In der Grabenstraße treffen wir eine illustre Damenrunde unter der alten Kastanie: Lydia Amend, Irmgard Wiest, Rosa Seipp und Rosel Arnold sitzen bei schönem Wetter täglich hier. Neben dem aktuellen Dorfgeschehen gehe es um die Kinder, die Enkel und das, „was gekocht wird“, erzählt Lydia Amend.

Einem Museum gleicht der Hof von Walter Schäfer. Stolz zeigt er ein Zündapp-Motorrad aus dem Jahr 1951 und eine BMW Isetta von 1962. An der früheren Scheune hängen landwirtschaftliche Geräte. Ehefrau Helene fährt auch heute noch gern im Beiwagen des BMW-Gespannes mit. Von der Sammelleidenschaft ihres Mannes ist sie allerdings nicht nur begeistert: „Alles, was andere rausholen und wegschmeißen, holt sich mein Mann“, lacht sie. Doch an dem kleinen, grünen Deutz-Traktor von 1948 hängt auch ihr Herz.

„Wir hatten sechs leer stehende Häuser in der Grabenstraße. Jetzt sind es nur noch drei“, berichtet Ortsvorsteher Eitzenhöfer. Sein Wunsch für Berghofen: „Dass die Einwohnerzahl nicht weiter schrumpft und die Häuser in Zukunft wieder von jungen Familien bewohnt werden.“

Berghofen - von der Landwirtschaft geprägt

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