Schlüssel wie Taschenmesser einklappen: Battenberger produziert „Keycages"

Tüftler: Maschinenbau-Ingenieur Sigmund Strohn von der Firma Carbocage aus Battenberg zeigt Kettenführungen für Mountainbikes. Links der erste Prototyp aus Plastik, rechts das aktuelle Serienmodelle aus Karbon. Fotos: Hoffmeister

Battenberg. Sigmund Strohn aus Battenberg hatte eine gute Idee: Er produziert „Keycages" aus Karbon, in die man Schlüssel wie bei einem Schweizer Taschenmesser einklappen kann.

Der Absatz brummt. Über das „Blitzangebot“ des Online-Versandhändlers Amazon hat die Firma Carbocage schon knapp 2000 „Keycages“ an einem einzigen Tag verkauft.

Strohn (38) produziert in einer Halle an der Biedenkopfer Straße, in der früher historische Autos („Classic Cars“) restauriert wurden.

Verkaufsrenner: In diese „Keycages“ aus Karbon passen bis zu 14 Schlüssel. Unterschiedlich lange Schrauben werden mitgeliefert.

Alles dreht sich um Karbon. Die industriell gefertigten Fasern haben es Sigmund Strohn angetan. „Karbon ist leicht und verbiegt sich nicht. Das ist gegenüber Aluminium der entscheidende Vorteil“, sagt Strohn. Während seines Maschinenbau-Studiums in Esslingen bei Stuttgart ist Strohn erfolgreich Mountainbike gefahren. „Vor allem Downhill und Fourcross“, erzählt er beim Besuch der HNA. Beim Fourcross wird für das vordere Kettenblatt eine spezielle Kettenführung benötigt, „damit die Kette nicht abspringt“.

Eine solche Führung hatte Sigmund Strohn bereits im Jahr 2006 entwickelt und zunächst „mit Stichsäge und Schleifpapier in der Garage“ hergestellt.

Nach wie vor produziert die Firma Carbocage Teile für Mountainbikes. „Kettenblätter und Sattelklemmen werden in Thailand gefertigt“, berichtet Strohn. Doch die Produkte der Firma Carbocage fanden bisher eher auf einem Nischenmarkt ihre Kunden: „Solche Kettenführungen kaufen Leute, die ein paar tausend Euro ins Rad investieren und Rennen fahren“, sagt Strohn.

Vor gut einem Jahr hatte Sigmund Strohn jedoch die Idee für den Keycage: „Ich hatte so etwas Ähnliches gesehen und dachte: Das baue ich selbst“, erzählt der Diplom-Ingenieur. Beim Vertrieb machte er sich das Internet zu Nutze. „Nach einem Post bei Facebook hatten ich nach dem ersten Wochenende schon 60 Stück verkauft.“

Den europaweiten Durchbruch brachte das „Blitzangebot“ bei Amazon. Dort ist die Firma Carbocage seit Januar 2015 vertreten, seit Juli erledigt Amazon auch den Versand für das Unternehmen.

Im Schnitt verkauft die Battenberger Firma heute etwa 4000 bis 5000 „Keycages“ im Monat. Geliefert wird weltweit. „Es waren auch schon vereinzelt Kunden aus Saudi-Arabien und Australien dabei“, berichtet Strohn.

Für dieses Jahr strebt der Diplom-Ingenieur, den die Liebe ins Obere Edertal gelockt hatte, einen Umsatz von einer Million Euro brutto an. Gut 35.000 Keycages hat er schon verkauft.

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