Internationaler Tag der Muttersprache

Sie kommt aus Brasilien und lebt in Battenberg: Portugiesisch gehört kaum noch zum Alltag

+
Hängen die brasilianische Flagge auf, wenn sie Besuch von der Verwandtschaft bekommen: (von links) Marvin, Joel und Mutter Nair Klein aus Battenberg.

Battenberg - Für die meisten Menschen ist die Muttersprache ein fester Bestandteil des Alltags. Für die Brasilianerin Nair Klein aus Battenberg allerdings nicht. Was das für sie bedeutet, hat sie uns erklärt. 

 „Ich spreche hier leider kaum Portugiesisch. Das ist schade“, sagt Nair Klein aus Battenberg. Doch daran habe sie sich mittlerweile gewöhnt. Die 46-Jährige kommt eigentlich aus Brasilien. In einem kleinen Dorf im Süden des Landes wuchs sie auf. „Meine Vorfahren sind vor vielen Jahrzehnten von Deutschland nach Brasilien ausgewandert. Ich glaube, es war mein Ururgroßvater.“

Für die 46-Jährige ist Portugiesisch ihre Muttersprache. „Deutsch habe ich nur zu Hause gesprochen. Das war eher eine Zweitsprache. Ob in der Schule oder in der Freizeit – Portugiesisch war eben meine Alltagssprache.“

Mit 21 Jahren packte sie dann das Reisefieber. Als Au-pair verbrachte sie ein Jahr im Raum Marburg, kurz danach lebte sie zwei Jahre in der Schweiz. „Ich wollte einfach mal fremde Länder entdecken. Das reizte mich“, sagt die berufstätige Mutter. In dieser Zeit lernte sie auch ihren Mann Jürgen Klein kennen, der aus Battenberg stammt. „In Marburg habe ich mich in der Volkshochschule angemeldet, um dort weiter Deutsch zu lernen. Die Grammatik lag mir noch nicht. Aber ich habe mir auch vieles selbst beigebracht.“

Ihre Muttersprache Portugiesisch sprach Klein dann mit ihrem Umzug nach Battenberg immer weniger. Deutsch wurde zu ihrer Alltagssprache. „Ich hätte gerne mal jemanden aus Brasilien hier vor Ort. Wenn ich über das Land rede, wüsste diese Person einfach direkt Bescheid.“ Manchmal schaut die zweifache Mutter dann brasilianisches Fernsehen. „Es ist schön, wenn man die Sprache mal wieder hört.“

Auch wenn die 46-Jährige ihre Muttersprache nicht mehr so häufig spricht: Portugiesisch hat sie seit ihrem Umzug im Jahr 2001 nach Battenberg nicht verlernt. „Wenn ich spontan einen Satz übersetzen soll, dann geht das zwar nicht mehr so schnell. Aber die Worte sind natürlich trotzdem immer abrufbar.“ Das zeige sich zum Beispiel dann, wenn sie einen Einkaufszettel schreibt. Alles auf dieser Liste notiere sie meist auf Portugiesisch – „da fallen mir dann eher die deutschen Worte nicht sofort ein“, sagt die 46-Jährige lachend.

Ihre Familie in Brasilien versucht Klein auch immer mal wieder zu besuchen. Dort leben ihre drei Schwestern und ihre Mutter. „Da habe ich meine Wurzeln. Es wird mich immer wieder dahin zurückziehen.“ Doch auch ihre Verwandtschaft kommt ab und an mal nach Battenberg. Zur Begrüßung hängt die 46-Jährige dann immer ihre brasilianische Flagge auf.

Deutsch empfindet Nair Klein übrigens als eine schwere Sprache – auch wenn man ihr das im Gespräch nicht anhört. „Die Grammatik ist deutlich komplizierter“, sagt sie.

Deutsch als alltägliche Sprache, Portugiesisch als die Sprache, mit der Nair Klein ihre Wurzeln, ihr Leben in Brasilien verbindet. „Portugiesisch wird eben immer meine Muttersprache bleiben. Das wird sich niemals ändern“, sagt sie.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.