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Bergbau bei Laisa endet vor 100 Jahren

In den Anfangsjahren des Bergbaus in Laisa sagten Gutachter jährliche Gewinne voraus und dass die Manganerz-Vorräte für 100 Jahre reichen sollten. Doch der Bergbau kam schon nach wenigen Jahren zum Erliegen und wurde 1921, vor 100 Jahren, eingestellt. Im Laisaer Wald zeugen noch heute Schächte, Halden und Pingen sowie ein Stollen vom ehemaligen Bergbau.

Laisa - Was 1829 vielversprechend begann, 1861 als Grubenfeld von sehr bedeutender Ausdehnung bezeichnet wurde, endete 1921 mit Schulden, Beschlagnahme vorhandener Erze und ungeregelten Bergschäden. Bereits wenige Monate zuvor hatte es ein Explosionsunglück mit einem Schwer- und einem Leichtverletzten gegeben. Drei Jahre vorher, nach Ende des Ersten Weltkriegs, wurden bereits die meisten Maschinen, so auch Förderhaspel, Aufbereitungsanlage und Lkw veräußert; 1920 auch das Zechenhaus, das heute noch steht und privat bewohnt wird.

Die Lagerstätte bei Laisa entstand im Zusammenhang mit der Variskischen Gebirgsbildung vor rund 300 Millionen Jahren im Oberkarbon, wodurch Eisen- und Manganerzlager entstanden; im Lahn-Dill-Bereich kieselige Eisenerze, die bis in die 1960er im Scheldetal bei Dillenburg und bis 1983 in der Grube Fortuna bei Solms (heute Besucherbergwerk) abgebaut wurden.

Relikte des Bergbaus bei Laisa: Das Gebiet liegt südlich des Dorfes in Richtung Frohnhausen. Grafik: Frank Röbert

Sekundärerz

Zwischen Eifa und Laisa entstanden in einer vulkanischen Vorphase auch Schwerspat-Schwefelkies-Geoden, bevor Manganerzablagerungen im jetzigen Kieselschiefer erfolgten. In den folgenden Perioden der Erdgeschichte erfolgten Auslaugungs- und Anreicherungsprozesse zu einem Sekundärerz. Nur dieses war abbauwürdig, aber meistens mit dem Primärerz verwachsen.

Nachfolgende mechanische Aufbereitungen ergaben maximal 40 Prozent Mangan-Anteil, stark schwankend und schwierig durchzuführen aufgrund des Kieselgehalts. Zusätzlich sorgten geologische Verwerfungen immer wieder dafür, dass der Manganerzgang plötzlich aufhörte und erst wieder neu aufgefahren werden musste.

Das Sekundärerz fand sich insbesondere bei der als separat zu bezeichnenden zweiten Lagerstätte im angrenzenden Zechstein (ca. 250 Mio. Jahre), die hauptsächlich bis 1860 abgebaut wurde. Sie war gekennzeichnet durch nesterförmiges, gangartiges, aber unregelmäßiges Vorkommen eines sehr reinen Manganoxids mit Mangananteil bis 55 Prozent. Starke Wasserführung machte einen damaligen Bergbau über 20 Meter Tiefe (bergmännisch: Teufe) unmöglich, obwohl eine Dampfmaschine betrieben wurde. Diese Erze, von denen es heute noch Exponate in den Mineralogischen Sammlungen Marburg und Freiberg gibt, wurden über Marburg nach England exportiert. Diese Grube „Margarethe“ ist in der amtlichen Karte von 1850 eingetragen.

Spuren des Bergbaus bei Laisa: An der „Winterseite“ im Laisaer Wald sieht man noch den Eingang zum Heinrichstollen (links im Bild), der 2007 von der Sparte Bergbau des Battenberger Heimat- und Kulturvereins freigelegt worden war; rechts im Bild eine Lore.

Gewerkschaft Nora

Nachdem bis 1900 zahlreiche Gewerkschaften letztlich erfolglos Bergbau betrieben hatten, übernahm im darauffolgenden Jahr mit der Gewerkschaft Nora ein neuer Investor viele Grubenfelder bei Laisa. Hauptgewerke waren der Ingenieur Carl Henke aus Witten/Ruhr und der Generaldirektor der Westfälischen Stahlwerke, Heinrich Köhler aus Bochum. Es wurden 1000 Kuxscheine (Anteilsscheine zu je 100 Mark) ausgegeben. Grundlage dafür war ein „Gutachten“, in dem sowohl die Erzvorräte als auch die potenzielle Ausbeute völlig falsch eingeschätzt wurden – auch, weil weitergehende Untersuchungen der Lagerstätte nicht erfolgten. Der Wert der Grube wurde damals auf bis zu fünf Millionen Mark geschätzt; man plante gar eine Transportseilbahn zur Bahnstation Münchhausen.

Die Abbauteufe sollte bis zu 1000 Meter gehen und somit für 500 Bergleute über 100 Jahre Abbau möglich sein. Bis 1905 erfolgte mit bis zu zehn Bergleuten kaum Erzförderung, dafür wurde der Riemannstollen (720 Meter lang) zum Heinrichstollen (140 Meter) aufgefahren, sodass ein 64 Meter tiefer Schacht entstand.

Das Ende

Da die Prognose sowohl hinsichtlich der Menge als auch der Qualität nicht eintraf, war das Kapital danach aufgebraucht. Hauptgeldgeber Köhler starb 1907; die Stollen verfielen. 1916 kam die Übernahme durch die Rheinischen Stahlwerke Duisburg und die Erzförderung wurde im folgenden Jahr mit 40 Mann aufgenommen, immerhin mit rund 2800 Tonnen. Hintergrund war der Bedarf im Ersten Weltkrieg, sodass auch in unrentablen Lagerstätten wieder abgebaut wurde. 1920, zwei Jahre nach Kriegsende, erfolgte noch einmal das Instandsetzen eines 33 Meter tiefen Schachtes nebst Aufsuchen eines Erzlagers, bevor der Bergbau in Laisa ab Februar 1921 für immer ruhte.

Braunstein

Braunstein ist eine Sammelbezeichnung für Manganoxide, benannt im Mittelalter nach der braunen Farbe beim Glasieren von Tonwaren. Das Element Mangan ist recht häufig, obwohl erst 1774 entdeckt. Aber bereits die Römer und später Venezianer nutzten Braunstein bei der Herstellung farblosen Glases. In der Neuzeit folgte zunächst die Verwendung als Bleichmittel (Chlorherstellung) und ab den 1860er-Jahren bis heute in großen Mengen als Legierungsbestandteil für Stahl. 

Führung am Sonntag

Der Ortsbeirat Laisa lädt zusammen mit dem Bergbau-Experten Frank Röbert aus Battenberg alle Einwohner und Interessierten für den morgigen Sonntag, 24. Oktober, zu einer Wanderung in den Laisaer Wald zum Thema „Bergbau in Laisa“ ein. Röbert wird vom Bergbau berichten, der vor 100 Jahren endete, und er hat auch neue Erkenntnisse dazu.

Treffen zu der Wanderung ist morgen um 10 Uhr am Sportplatz in Laisa; Dauer ca. zwei Stunden. Im Anschluss gibt es am Sportplatz einen Mittagsimbiss und Getränke. Da die Veranstaltung im Freien stattfindet, gelten keine Corona-Einschränkungen

Von Frank Röbert

Rubriklistenbild: © Frank Röbert

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