Bilanz nach einem Jahr

Bürgerbus ist in Battenberg schon eine feste Größe

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Bilanz gezogen hat das Nachbarschaftsnetzwerk Battenberg nach einem Jahr mit dem Bürgerbus. Unser Bild zeigt (von links) den Vorsitzenden Siegfried Franke mit Ingrid Kwyk, Renate Drechsel und Uli Wienbrandt.

In Waldeck-Frankenberg feiert der vom Land Hessen finanzierten Bürgerbus des Nachbarschafbusnetzwerkes eine positive Bilanz. 

9251 Kilometer hat der Battenberger Bürgerbus – ein neunsitziger Opel Vivaro – in diesem ersten Jahr zurückgelegt. Siegfried Franke hat alles genau dokumentiert: bei 142 Fahrten wurden 838 Personen befördert. 617 Stunden war der Bürgerbus unterwegs – pro Woche durchschnittlich 14 Stunden. 15 Fahrer waren im Einsatz, von ihnen haben bisher 13 an einem freiwilligen Sicherheitstraining teilgenommen.

Immer donnerstagnachmittags geht es zum Einkaufen von Frohnhausen über Laisa nach Battenberg. Fahrer Herbert Wenzel hilft den Senioren beim Einsteigen, Rollatoren und Getränkekisten werden verstaut, dann geht es los: erst zum Penny-Markt, dann zur Apotheke. Am Hänsel-und-Gretel-Brunnen ist der nächste Halt für Fahrgäste, die zur Sparkasse, zum Bäcker oder Metzger wollen. 

Hier ist Endstation 

Auf Wunsch fährt Herbert Wenzel auch ins Einkaufszentrum nach Battenfeld. „Endstation“ ist immer am Battenberger Edeka-Markt von Gregor Welker. Die Bäckerei Eckhardt war pfiffig und hat Kaffee-Gutscheine an die Senioren verteilt. Die kaufen zum Kaffee gern ein Stück Kuchen dazu. „Das ist für die älteren Menschen nicht einfach ein Transport, sondern ein Einkaufserlebnis“, sagt Vorstandsmitglied Ingrid Kwyk. Viele Senioren hätten sonst kaum Kontakt und seien froh, mal „unter die Leute“ zu kommen.

Ganz wichtig sei die erste Anlaufstelle: Unter der Handynummer 01520-904 3784 sei Vorstandskollegin Renate Drechsel beinahe 24 Stunden am Tag erreichbar. Die 2. Vorsitzende finde die passenden Worte und gehe auch auf die Anrufer ein. „Eine solche Zuwendung ist Gold wert“, betont Ingrid Kwyk.

Aller Anfang ist schwer 

„Es gab erst eine gewisse Hemmschwelle“, erinnert sich Bürgermeister Christian Klein. Doch mittlerweile sei der Bürgerbus absolut etabliert. „Man braucht erst eine Kontaktperson vor Ort. Danach lebt das Projekt von der Mundpropaganda“, sagt Christian Klein.

Die Finanzierung des Bürgerbusses ist laut Siegfried Franke gesichert. Über verkaufte Werbeaufkleber auf dem Bus und Spenden holt das Nachbarschaftsnetzwerk in sechs Jahren jene 36.000 Euro wieder rein, die der Bürgerbus gekostet hat. Mit dem angesparten Geld kann dann ein neuer Bürgerbus gekauft werden.

Eine Fahrt mit dem Bürgerbus: Hier wurden  gehbehinderte Mitglieder der Senioren-Reha-Gruppe aus Hatzfeld zur Übungsstunde ins Schwimmbad nach Battenberg gefahren.

Die laufenden Kosten (Kraftstoff, Versicherung, Reparaturen, Verschleißteile) können laut Franke über Spenden gedeckt werden, die die Fahrgäste aufbringen. Das Konzept sah pro Fahrgast und Fahrt einen Euro vor. „Bei 838 beförderten Personen und einem Spendenaufkommen von 2632 Euro hat jeder im Schnitt drei Euro gegeben“, berichtet Siegfried Franke mit dem deutlichen Zusatz: „Wir dürfen für diese Fahrten nichts verlangen.“ Man wolle gewerblichen Unternehmen keine Kunden wegnehmen.

Fahrten von Hatzfeld ins Battenberger Hallenbad zum Reha-Schwimmen, von Jugendgruppen zu Veranstaltungen oder die immer beliebter werdenden „Mittwochs-Fahrten“ hat Siegfried Franke weiter aufgelistet. Mittwochs geht es mit alleinstehenden Personen zu Ausflügen in die nähere Umgebung. 

Es gibt sogar Wartelisten 

Mal nach Fritzlar zum Dom, mal nach Bad Laasphe ins Radiomuseum, mal nach Marburg in den Botanischen Garten, mal an den Edersee. „Für diese Touren gibt es sogar Wartelisten“, lacht Franke.

Wenn zwischendurch mal eine Seniorin oder ein Senior zum Arzt gefahren werden müsse, werde das von ehrenamtlichen Fahrern des Nachbarschafbusnetzwerkes nicht mit dem Bus, sondern mit privaten Pkw erledigt.

Die „Kundendatei“ des Bürgerbusses umfasst inzwischen etwa 120 Namen aus allen Battenberger Stadtteilen. Im Schnitt sind die Mitfahrer etwa 70 Jahre alt. „Die Älteste ist 94“, sagt Franke.

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