"Belehrung" des Gesundheitsamtes in Battenberg

Waldeck-Frankenberg: Corona-Regeln gelten in manchen Berufen schon immer

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Die Belehrung zum Infektionsschutzgesetz fand ausnahmsweise in der Burgberghalle in Battenberg statt, um mehr Teilnehmer unterzubekommen. 

Sich 30 Sekunden lang die Hände waschen, in die Armbeuge niesen und aufpassen, was man anfasst: Die Regeln, die derzeit wegen der Corona-Pandemie gelten, sind für Menschen, die beruflich mit Lebensmitteln zu tun haben, schon immer Alltag.

Worauf es beim Infektionsschutz in der Gastronomie, aber auch anderen Berufen ankommt, das wurde jetzt bei einer „Belehrung“ des Gesundheitsamtes erklärt. Wir waren bei der Veranstaltung in Battenberg dabei und beantworten die wichtigsten Fragen.

Was ist die Belehrung?

Die Belehrung ist ein gesetzlich vorgeschriebener Nachweis. Nach dem Infektionsschutzgesetz – früher Bundesseuchengesetz – dürfen Menschen nur dann beruflich mit Lebensmitteln zu tun haben, wenn sie durch das Gesundheitsamt in Hygieneregeln geschult wurden. Diese Belehrung muss zu Beginn einer solchen Tätigkeit besucht werden und als Folgebescheinigung alle zwei Jahre, erklärt Petra Schüßler, die als medizinische Fachangestellte des Landkreises die Belehrungen für das Gesundheitsamt durchführt. 

Petra Schüßler, medizinische Fachangestellte beim Gesundheitsamt.

„Es geht darum, Menschen vor übertragbaren Krankheiten zu schützen. Das klappt aber nicht immer, wie das Beispiel Wilke gezeigt hat“, sagt sie.

Für wen ist diese Belehrung vorgeschrieben?

Für klassische Berufe wie Bäcker, Metzger, Koch und Servicekräfte in der Gastronomie. Aber zum Beispiel auch für Erzieher, Altenpfleger und Fahrer für Großküchen, die anderen Menschen Essen zubereiten oder servieren. Auch Maschinenschlosser, die Maschinen zur Lebensmittelverarbeitung bauen oder warten, müssen eine solche Schulung nachweisen. Selbst Vereine, die regelmäßig Lebensmittel verkaufen, müssen sich schulen lassen. „Da reicht es aber, wenn einige aus der Gruppe an der Belehrung teilnehmen“, sagt Petra Schüßler.

Was ist Inhalt der Belehrung?

„In Lebensmitteln können sich Erreger stark vermehren“, erklärt Petra Schüßler den 30 Teilnehmern in Battenberg. In einem Film, den sie in der Burgberghalle zeigt, geht es zum Beispiel um Transport, Lagerung und Kühlung von Lebensmitteln, um das Händewaschen, um Arbeitsgeräte, Kleidung und Müllentsorgung. 

Manchmal reichten schon Kleinigkeiten aus, um eine Infektion zu übertragen: jemand, der schwitzend am Grill steht oder einen Kuchen schneidet und sich zwischendurch die Sahne von den Fingern leckt, erklärt Schüßler. „Jetzt achtet jeder in der Öffentlichkeit darauf. Vor Corona war das noch anders, da wurde vieles nicht so genau genommen.“

In der Belehrung wird auch über Tätigkeitsverbote gesprochen. Wann ist das der Fall?

Bei ansteckenden Erkrankungen wie Noroviren, Hepatitis oder Salmonellen. „Das Tätigkeitsverbot gilt dann schon bei den kleinsten Anzeichen – in der Regel sind das Durchfall, Übelkeit und Erbrechen“, erklärt Petra Schüßler. Die Belehrung setzt hier auf die Eigenverantwortung: Wer also krank ist, soll zum Arzt gehen, den Arbeitgeber informieren und zu Hause bleiben, sagt sie. „In der Realität sieht das leider oft anders aus“, berichtet Schüßler. Viele wollten die Kollegen nicht im Stich lassen oder redeten sich ein, es werde schon gehen.

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ist Händewaschen eine wichtige Regel. Gilt das auch für den Umgang mit Lebensmitteln?

„Das richtige Händewaschen ist das A und O – mit und ohne Corona“, sagt Schüßler. „Unsere Hände sind voller Keime. Und Keine sind tückisch, weil man sie nicht sieht, riecht oder schmeckt.“ Zudem seien die Bedingungen im Lebensmittelbereich – feucht und warm – für die Mikroorganismen gut, um sich zu vermehren.

Deshalb wird auch in der Belehrung schon immer empfohlen, sich 30 Sekunden lang die Hände zu waschen. „Das ist so lange, wie zwei Mal ’Happy birthday’ zu singen“, gibt Schüßler als Tipp, denn sie weiß, „dass es in der Regel keine 30 Sekunden sind“. Doch die seien wichtig, um die Erreger abzuwaschen. „Die werden durch Reibung gelöst, es reicht nicht, Wasser darüberlaufen zu lassen.“

Schüßler: „Gerade jetzt in Corona-Zeiten ist es wichtig, diese Regeln zu befolgen und es vernünftig zu machen – im Alltag und ganz besonders im Lebensmittelbereich.“

Wegen Corona Pause seit März

Eigentlich findet die Belehrung ein Mal pro Woche im Gesundheitsamt statt – für anderthalb Stunden mit etwa zehn Teilnehmern. „Wegen Corona konnten wir das aber seit März nicht machen“, sagt Petra Schüßler. „Jetzt fangen wir so langsam wieder an. Die Nachfrage ist da.“ 

Um nun vielen die Möglichkeit zu geben, an der für einige Berufe verpflichtenden Veranstaltung teilzunehmen, findet sie nun einige Male in der Battenberger Burgberghalle statt. Dort haben – wegen der Corona-Mindestabstände – allerdings auch nur etwa 30 Menschen Platz. 

28 Euro kostet die Erstbelehrung, die man zum Beispiel braucht, um eine Ausbildung in der Gastronomie zu beginnen. 20 Euro sind es für die Wiederbelehrung, die alle zwei Jahre nötig ist. Der Landkreis bietet im Juni und Juli weitere Termine an, dafür ist eine Anmeldung nötig. Die Termine werden noch bekanntgegeben.

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