Bürgermeister kritisieren Firma Vortex

Windpark-Pläne sorgen für Wirbel im Oberen Edertal

+
Symbolbild: Windräder zwischen Korbach und der Gemeinde Diemelsee. 

Angebliche Pläne für zwölf große Windräder im oberen Edertal sorgen für Verwirrung. Nach Auskunft des Kasseler Regierungspräsidiums können keine weiteren Windräder gebaut werden.

So schnell ist der Battenberger Bürgermeister Christian Klein nicht aus der Ruhe zu bringen. Doch das Vorgehen der Kasseler Firma Vortex, einer Tochter des Energiekonzern Eon, bringt den sonst ausgeglichenen Verwaltungschef auf die Palme: „Ich halte das Vorgehen der Firma Vortex in der hiesigen Region für mehr als befremdlich“, sagt Christian Klein. Was ist passiert?

Wie die drei Bürgermeister Christian Klein (Battenberg), Claus Junghenn (Allendorf) und Lothar Koch (Burgwald) übereinstimmend berichten, hat ein Vertreter der Firma Vortex in den Rathäusern vorgesprochen und Pläne für insgesamt zwölf Windkraftanlagen im Oberen Edertal zwischen Berghofen, Allendorf, Burgwald und Ernsthausen präsentiert:

Mögliche Windkraftanlagen im Oberen Edertal.

Alle drei Bürgermeister trauten ihren Ohren nicht, waren doch erst kürzlich die letzten existierenden Vorrangflächen für Windkraft – beispielsweise bei Berghofen oder den Dodenauer Außengehöften – im Verfahren um die Fortschreibung des Teilregionalplanes Energie verworfen worden. Vor allem aus Gründen des Naturschutzes – zum Beispiel, weil der Rotmilan dort brütet. Aber auch wegen des Verkehrslandeplatzes der Firma Viessmann.

Nach Rücksprache mit dem Kasseler Regierungspräsidium habe er dem Vortex-Vertreter mitgeteilt, „dass wir keine Vorrang-Flächen haben und ich deshalb auch kein weiteres Gespräch benötige“, sagte Allendorfs Bürgermeister Claus Junghenn der HNA. Um so erstaunter war Junghenn, als er wenige Tage später erfuhr, dass die Firma Vortex Eigentümer von land- und forstwirtschaftlichen Flächen – speziell in Rennertehausen – angesprochen und diesen den Kauf ihrer Grundstücke avisiert habe.

Dabei habe der Vortex-Vertreter „den Eindruck erweckt“, das Vorgehen sei mit der Gemeinde Allendorf abgestimmt. „Ich kann dieses Vorgehen nicht akzeptieren“, grantelt Junghenn.

Die Firma Vortex habe Schreiben an Grundstückseigentümer verschickt, in denen sinngemäß stehe: „Wir haben gute Nachrichten für Sie! Ihr Land ist für die Windenergie-Nutzung geeignet.“

RP Kassel: Vortex bezieht sich auf uralte und nicht mehr aktuelle Pläne

Genau das stimmt jedoch nicht, wie die HNA beim Kasseler Regierungspräsidium erfuhr. Bei der Fläche „KB 92“ die der Vortex-Mitarbeiter den heimischen Bürgermeistern – und wohl auch den Grundstückseigentümern – präsentierte, handelt es sich laut Uwe Ermisch, dem Vorsitzenden der Regionalversammlung beim Regierungspräsidium Kassel, um eine „Uralt-Fläche von anno Schnee“, die schon im ersten Offenlegungsverfahren des neuen Teilregionalplans Energie aus avifaunistischen Gründen (unter anderem Brutgebiete des Rotmilans) „rausgeflogen ist“.

Michael Conrad, Pressesprecher des Regierungspräsidiums erklärt: „Wenn eine Fläche nicht als Vorrangfläche für Windkraft im Regionalplan ausgewiesen ist, bedeutet das: Dort wird auch keine Windkraftanlage gebaut. Der Teilregionalplan Windkraft hat Ausschlusswirkung für alle anderen möglichen Windkraftstandorte. Wer eine Fläche außerhalb der Vorrangflächen kauft in der Hoffnung, dort ein Windrad bauen zu können, ist in meinen Augen ein Hasardeur.“

Auch mit dem Paragraphen 35 des Bundesbaugesetzbuches („privilegiertes Bauvorhaben“) könne man dann nicht argumentieren.

Claus Junghenn, Bürgermeister Allendorf.

Uwe Ermisch, der frühere Bürgermeister von Hatzfeld, geht noch einen Schritt weiter: „Ein seriöser Bauträger müsste wissen, dass er dort keine Windkraftanlagen bauen kann.“ Die Firma Vortex handle „wider besseres Wissen“ mit dem Ziel, Vorab-Verträge abzuschließen. Ermisch wörtlich: „Das ist ein ganz windiges und hinterhältiges Geschäftsmodell.“

Die Gemeinde Allendorf hat laut Bürgermeister Claus Junghenn inzwischen mehr als 100 Grundstückseigentümer angeschrieben und sich vom Vorgehen der Firma Vortex distanziert.

Stellungnahme von Vortex: Der Wind bestimmt, wo es hingeht

Zu den Vorwürfen haben wir die Firma Vortex um Stellungnahme gebeten. Britta Wagemann, Abteilungsleiterin Marketing bei Vortex, schreibt unter anderem: 

„Wir bedauern sehr, dass es zu Verwirrung und Verärgerung in den Gemeinden Allendorf, Burgwald und der Stadt Battenberg kam. Da wir ein zentraler Akteur dieser Ausgangssituation sind, möchten wir uns dafür entschuldigen, Missverständnisse aufklären und uns klar von einigen Annahmen distanzieren. Wir sind vortex energy Deutschland GmbH – ein Planungsbüro für Windenergie mit Sitz in Kassel. Seit 2004 planen, bauen und betreiben wir Windparks. Eine unserer Aufgaben ist es, geeignete Flächen für die Realisierung von Windparks zu finden. Hierzu nutzen wir auch interne Analysen. 

Der Wind bestimmt dabei, wo es hingeht. Ist eine solche Potenzialfläche identifiziert, nehmen wir sie zur Prüfung auf, auch wenn sie nicht im aktuellen Regionalplan berücksichtigt ist. Das ist ein gängiges Vorgehen im Projektierergeschäft. Viele Potenzialflächen haben gute Chancen, in naher oder ferner Zukunft im Regionalplan Berücksichtigung zu finden. Auch wenn die Möglichkeit besteht, dass die Potenzialflächen nicht für die Nutzung für Windenergie festgelegt werden, ist es unsere Aufgabe, für eine vorausschauende Planung mögliche Beteiligte zu informieren und Kontakt aufzunehmen. In Allendorf, Burgwald und Battenberg haben wir eine solche Potenzialfläche gefunden. 

Um ein Meinungsbild der Bürgerinnen und Bürger vor Ort einzuholen, die die Protagonisten in unserem Planungsprozess darstellen, haben wir einige Gespräche vor Ort geführt und die Projektidee vorgestellt. Zuvor haben wir Kontakt zu den Bürgermeistern aufgenommen, um sie über dieses Vorgehen zu informieren. Es gibt keine konkreten oder gemeinsamen Planungsvorhaben eines Windenergieprojektes, geschweige denn Zusagen der örtlichen Gremien. 

Der eigentliche Planungsprozess hat noch nicht begonnen. Pläne und Skizzen dienen lediglich der Veranschaulichung unserer Projektidee. Hier entsteht jedoch leicht der Verdacht, das Projekt wäre beschlossene Sache, ohne dass Bürgerinnen und Bürger von unserer Seite oder der örtlichen Verwaltung informiert worden wären. Ob wir Kaufinteresse an Grundstücken haben? Nein. Sollte das Projekt realisierbar sein, könnten Bürgerinnen und Bürger durch Pachteinnahmen vom Projekt profitieren. Hierzu würden wir Verträge mit fairen Vergütungen anbieten."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.