Bauhandwerk in Waldeck-Frankenberg hat derzeit volle Auftragsbücher

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Über die Lage im Bauhandwerk informierten Obermeister Ulrich Mütze, Dr. Michael Pieler von der Baufirma Fisseler und der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Gerhard Brühl.

Waldeck-Frankenberg. Auch im Kreis hat das Bauhandwerk volle Auftragsbücher. Allerdings falle der Boom auf dem Land weit weniger kräftig aus als in Großstädten, erklärt der Obermeister der Bau-Innung, Ulrich Mütze.

Angesichts der niedrigen Zinsen verwandeln einige Bauherren ihr Geld in „Betongold“. Die Wirtschaft erweist sich als robust, da investieren auch Unternehmer. Und dank relativ guter Steuereinnahmen haben auch der Bund, das Land, der Kreis und die Kommunen mehr Spielräume zum Ausbau der Infrastruktur.

In ganz Deutschland seinen die Baugenehmigungen von Januar bis September im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozent angestiegen, meldet das Statistische Bundesamt.

In Waldeck-Frankenberg liege der Zuwachs bei Wohngebäuden bei zehn Prozent, berichtet die Pressesprecherin des Kreises, Ann-Katrin Heimbuchner. Bei den „Nichtwohngebäuden“ wie Geschäftshäusern oder auch Stallungen hat sich die Zahl fast verdoppelt.

Ein Indikator für einen Bauboom sei für ihn "die Zahl der Baukräne“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Gerhard Brühl. Und die drehten sich derzeit eher in Kassel und Marburg als im Kreis.

Diese Beobachtung bestätigt der Geschäftsführer des Korbacher Bauunternehmens Fisseler, Dr. Michael Pielert. Es gebe schon einen „massiven Bauboom“. Aber der müsse differenziert betrachtet werden: „Es gibt einen eklatanten Unterschied, was wo gebaut wird.“ In Ballungszentren wie dem Rhein-Main-Gebiet und in Oberzentren sei der Boom zu verzeichnen, auf dem Land hingegen weniger.

Auf der anderen Seite herrscht zumindest in den Mittelzentren eine Nachfrage nach Bauplätzen: In Allendorf, Frankenberg oder Korbach seien sie in neu ausgewiesenen Gebieten schnell weg gewesen, berichtet der Obermeister der Bau-Innung, Ulrich Mütze. Und es werde auch gebaut: „Die Auftragslage und die Auslastung der Betriebe sind gut.“

Doch die Quote beim Wohneigentum bleibe fast gleich, sagt Dr. Pielert. Ein Grund: Die Eigentumsbildung wird erschwert. So schränken Banken die Kreditvergabe ein, Steuern wie die Grunderwerbssteuer wurden erhöht. Außerdem sei die staatliche Bauförderung gesenkt worden, fügt Brühl hinzu. So sind es vor allem größere Investoren, die den Bauboom in Deutschland befeuern – und von ihm profitieren.

In den vorigen 15 bis 20 Jahren habe das Baugewerbe einen Strukturwandel durchgemacht, berichtet Mütze. Viele kleine Betriebe seien vom Markt verschwunden – aber auch ein paar größere. In dieser Phase florierte der Tiefbau: Die Kommunen mussten ihre Leitungsnetze sanieren. Derzeit gehe der Trend hin zu größeren Betrieben mit mehr Mitarbeitern. Seit 2009 sei die Zahl der Betriebe von 59 auf 45 gesunken, also um 25 Prozent, berichtet Brühl.

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