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Baukosten für DGH und Feuerwehrhaus Anraff steigen - kein Ende der Entwicklung in Sicht

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Von: Matthias Schuldt

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Wird wohl sehr viel teurer als gedacht: die Sanierung des DGHs und der Neubau des Feuerwehrhauses als Kombinationsprojekt in Anraff.
Wird wohl sehr viel teurer als gedacht: die Sanierung des DGHs und der Neubau des Feuerwehrhauses als Kombinationsprojekt in Anraff. © Matthias Schuldt

Das Kombinationsprojekt aus Dorfgemeinschafts- und Feuerwehrgerätehaus in Anraff wird wesentlich teurer, als gedacht. Die Gemeinde Edertal muss zusätzliches Geld in die Hand nehmen.

Edertal –Dieser Realität sahen sich Planungs- und Finanzausschuss in ihrer gemeinsamen Sitzung im Giflitzer DGH gegenüber gestellt. Die Verwaltung beantragte für 2022 eine „überplanmäßige Ausgabe“, also einen Nachschlag, über 210 000 Euro. „Eine Ursache ist der Ausbruch des Ukraine-Krieges“, erklärte Finanzausschussvorsitzender Dirk Langhammer.

„Das wird noch nicht das Ende der Fahnenstange sein, denn es sind erst 64 Prozent der Ausschreibungen abgeschlossen“, sagte Markus Jungermann, der in diesem Fall als zuständiger Architekt des Vorhabens die Lage einschätzte. Während der Beratung und Abstimmung des Tagesordnungspunktes verließ er als Vorsitzender und Mitglied des Planungsausschusses den Raum, wie es die Regeln gegen mögliche Befangenheit vorsehen.

Allein der Ukrainekrieg ließ die Preise zuletzt um 10 Prozent steigen

Seit Beginn des Krieges sind die Materialkosten in der Baubranche um weitere 10 Prozent gestiegen, erläuterte Bauamtsleiter Alexander Paul. Die ursprüngliche Kostenschätzung für Neubau der Feuerwehrgarage und Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses stammt aus dem November 2020. Rund 840 000 Euro sollte die Sanierung des DGHs kosten und knapp 433 000 Euro der Bau des Feuerwehrhauses. Die aktuelle Schätzung aus dem März liegt bei 1,495 Millionen Euro.

Ab Mitte Januar sei das Feuerwehrgerätehaus abgerissen worden. Das Dorfgemeinschaftshaus sei inzwischen quasi entkernt. Die ersten öffentlichen Ausschreibungen für den Rohbau hätten kaum Angebote von Firmen nach sich gezogen. Damit nicht genug hätten alle eingegangenen Bewerbungen den ursprünglichen Kostenrahmen bei weitem überstiegen. „Darum haben wir die Ausschreibung wieder aufgehoben und heimische Unternehmen angeschrieben“, berichtete Paul. So sei es, als der Krieg noch nicht ausgebrochen war, gelungen, den vorgesehenen Kostenrahmen zu erreichen.

Zielpreis wird vereinbart, aber abgerechnet wird am Schluss zu jeweils aktuellen Kosten

Allerdings gestalten sich die Verträge anders, als in früheren Jahren üblich. Man vereinbare zwar eine Zielgröße beim Preis, aber mit der Klausel, dass zu den jeweils bei Fertigstellung eines Gewerkes geltenden Kosten abgerechnet werde. „Das kann der Gemeinde zum Vorteil gereichen, falls die Kosten wieder sinken“, meinte Paul, doch seit Jahren und nun noch mehr zeigt der Kostentrend am Bau nach oben.

Höhere Zuschüsse vom Land sind trotz allgemein ausufernder Baukosten nicht drin, machte der Bauamtsleiter deutlich. Die Unterstützung von 500 000 Euro fürs DGH und 60 000 Euro aus der Brandschutzkasse stünden fest. Die Verwaltung prüfe aber, ob für das Vorhaben noch Zuschüsse aus einem anderen Programm zu erlangen sind: dem Topf zur Senkung von Energieverbräuchen, der beispielsweise das Dämmen von Altbauten unterstützt.

Möglichkeiten an Eigenleistungen aus Anraff weitestgehend ausgereizt

Ansonsten habe man darauf geachtet, durch gesenkte Ansprüche ans Material einen kleinen Teil der Steigerung aufzufangen. Alexandra Knöfel (FDP) erkundigte sich nach einem möglichen, noch höheren Anteil an Eigenleistung durch die Dorfgemeinschaft.Die Gemeinschaft habe schon beim Abriss sehr viel geleistet, führte Alexander Paul aus. Beim Pflastern sei vielleicht noch etwas möglich. Große Spielräume existierten nicht, „weil uns da auch aus Gründen der Gewährleistung Grenzen gesetzt sind.“ Außerdem sei es auch nicht möglich, durch Wochenend-Einsätze von Freiwillligen das auszugleichen, was eine beauftragte Fachfirma mit ihren Leuten in einer 42-Stunden Woche schaffe.

Vor dem Hintergrund dessen stimmten die Ausschüsse einmütig für die außerplanmäßige Ausgabe von 210 000 Euro. Für das Geld zapft man die Überschüsse aus vorhergegangenen Haushaltsjahren an. Rainer Pfeffermann (Grüne) schlug vor, ein Übersicht vorzulegen, wie hoch diese Polster noch sind, bevor Edertal neue Kredite zeichnen müsste. (Matthias Schuldt)

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