Tourismusunternehmen in Waldeck-Frankenberg leiden unter Corona

Reisebranche in der Krise: Betriebe kämpfen trotz Überbrückungshilfen ums Überleben

Antonina Luzuk ist seit Anfang des Jahres Inhaberin des Reisebüros Toko in Frankenberg. Sie hat die Corona-Krise in der Reisebranche besonders zu spüren bekommen: Der Umsatz brach seit Anfang März komplett ein und mehrere Mitarbeiter mussten entlassen werden, um wirtschaftlich bestehen zu können, sagt sie.
+
Antonina Luzuk ist seit Anfang des Jahres Inhaberin des Reisebüros Toko in Frankenberg. Sie hat die Corona-Krise in der Reisebranche besonders zu spüren bekommen: Der Umsatz brach seit Anfang März komplett ein und mehrere Mitarbeiter mussten entlassen werden, um wirtschaftlich bestehen zu können, sagt sie.

Die Reisebranche in Deutschland ist wegen der Corona-Einschränkungen noch immer in der Krise. Laut Statistischem Bundesamt verzeichneten die Reiseanbieter in Deutschland einen Umsatzeinbruch von 23 Prozent im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr.

Waldeck-Frankenberg - Auch wenn das Bundeswirtschaftsministerium Reisebüros und kleineren Reiseveranstaltern Überbrückungshilfen zugesichert hat, kämpfen aktuell gerade einige dieser Betriebe um das wirtschaftliche Überleben. Zumindest in kleineren Städten und auf dem Land, sagt Michael Heydasch, Inhaber des TUI-Reisecenters in Frankenberg: „Die Reisefreudigkeit der Menschen hängt stark von ihrem Wohnort ab. In Frankenberg herrscht noch immer Zurückhaltung bei den Kunden, viele haben Angst vor Corona und damit zusammenhängenden massiven Beschränkungen im Sommerurlaub“, sagt er.

Kollegen in größeren Städten wie Kassel oder Frankfurt würden von gegensätzlichen Erfahrungen berichten, bei einigen von ihnen sei die Auftragslage wieder nahezu wie vor dem Ausbruch der Pandemie, berichtet er. Dies zeige, dass die Mentalität unmittelbaren Einfluss auf die Reisebereitschaft und die Angst vor unerfreulichen Vorfällen habe. Oftmals handele es sich dabei gar nicht konkret um die Furcht vor Covid-19, sonder eher um Befürchtungen von massiven Beschränkungen des Urlaubserlebnisses: sei es der Ausfall des gebuchten Buffets, die Maskenpflicht am Strand oder die Absage bereits organisierter Veranstaltungen, erklärt Johanna Bergmann vom TUI-Reisecenter Korbach.

Tatsächlich ergibt eine Umfrage der Online-Plattform YouGov im Auftrag der DEVK-Versicherung, dass 35 Prozent der 2051 befragten Deutschen Sorge vor coronabedingten Beschränkungen im Urlaub haben. Die Angst vor einer Erkrankung an Corona wurde dagegen nur von 23 Prozent genannt. Diese Furcht seitens der Kundschaft führe zu einem starken Rückgang der Buchungen, massenweise Stornierungen und zahlreichen Umbuchungen, berichtet Heydasch.

Überbrückungshilfen für Reisebüros und kleinere Reiseveranstalter

Das Bundeswirtschaftsministerium hat Überbrückungshilfen für Reisebüros und kleinere Reiseveranstalter in Deutschland angekündigt. Über Art, Höhe, Fristen und Voraussetzungen der Hilfen weiß Antonina Luzuk, Inhaberin der Toko-Reisedienste aus Frankenberg, aber noch wenig: „Noch ist es völlig unklar, wie viel Geld den einzelnen Reiseveranstaltern genehmigt und bis wann es dann auch ausgezahlt wird“, erklärt sie auf unsere Nachfrage.

Die Ergebnisse der Umfrage der Online-Plattform YouGov könne sie allerdings bestätigten: Viele Kunden würden aufgrund der aktuellen Pandemie und der damit verbundenen Konsequenzen von einem Urlaub im Ausland zurückschrecken. „Die meisten Deutschen bevorzugen es, dieses Jahr den Sommerurlaub im eigenen Land, im angrenzenden Ausland oder gleich zu Hause zu verbringen.“ Konsequenzen: haufenweise Stornierungen, einige Umbuchungen und kaum Neubuchungen. „Dieses Jahr versuchen die meisten, auf Flüge zu verzichten, was zu einem Reiseboom in Deutschland führt.“

Umsatzeinbruch der Reisebranche in Deutschland: Coronabedingt war im ersten Quartal 2020 ein Einbruch des Umsatzes von 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen.

Umfragen zeigen: Deutsche reisen trotz Corona

Die Umfrage ergab, dass rund 44 Prozent der über 2000 befragten Deutschen trotz Corona Urlaub machen wollen, davon bevorzugt etwa die Hälfte den Urlaub im eigenen Land. 16 Prozent der Reisewilligen bleiben in Europa, davon zieht es 35 Prozent nach Südeuropa (Italien, Spanien, Portugal, Kroatien, Slowenien und Malta) und 23 Prozent in das angrenzende Ausland (Österreich, Tschechien, Polen). Auch Michael Heydasch vom TUI-Reisecenter Frankenberg betont, dass es eine enorme Nachfrage für Deutschland gebe. Vor allem Bayern und der Norden des Landes – Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein – mit seinen Küsten habe es den Reisefreunden angetan. „Die Preise an der Nord- und Ostsee sind seit dem Ausbruch der Pandemie um bis zu 87 Prozent gestiegen.“

Problem an der Situation: Diese Art des Reisens werde oftmals privat organisiert, weshalb der Umsatz für Veranstalter und Reisebüros einbreche und es keine Preisbindung seitens der Hotels, Unterbringungen und Gastronomie gebe.

Pauschalreisen bieten mehr Sicherheit

Grundsätzlich seien privat organisierte Reisen also deutlich kostenintensiver für den Kunden und böten dabei weniger Sicherheiten. Bei einer gebuchten Pauschalreise sei eine Stornierung in der Regel möglich, bei einem einzelnen Flugticket nicht. Das änderten auch die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes oder die Einreisebestimmungen eines Landes nicht.

Johanna Bergmann vom TUI-Reisecenter Korbach bestätigt den Trend. „Wir haben monatelange Kurzarbeit beantragen müssen und in unserer Arbeitszeit hauptsächlich Stornierungen bearbeitet.“ Auch wenn man jetzt die ersten Anzeichen einer zunehmenden Urlaubsnachfrage verzeichnen könne, sei das Reisejahr 2020 kaum noch zu retten. Man hoffe darauf, zumindest im nächsten Jahr zu einer gewissen Normalität zurückzukehren. Zumal viele Kunden online gebucht hätten, und sich nun an die Reisebüros wenden würden, da überforderte Veranstalter und Airlines nicht mit der Bearbeitungen der Stornierungen und Buchungen hinterherkämen. In diesen Fällen habe das Reisebüro aus Datenschutzgründen keinen Zugriff auf die Online- Buchungen.

Staatliche Hilfen wichtig für Tourismusbranche

Luzuk hofft, dass zumindest ein Teil der verloren gegangenen 10 000 Euro Provisionen des ersten Quartals 2020 von den Überbrückungshilfen gedeckt werde, nachdem sie in den vergangenen Monaten allen Mitarbeitern kündigen musste. Ansonsten wisse sie nicht, wie das wirtschaftliche Überleben ihres Betriebs zu retten sei.

Auch Heydasch und Bergmann erhoffen sich eine zügige Verteilung der staatlichen Hilfen. Zwar seien die einzelnen Reisecenter nicht unmittelbar in ihrer Existenz bedroht, doch könne man auf die Dauer den Betrieb unter den gegebenen Umständen so nicht weiterführen.

Mögliche Versicherungen für Reisende

Eine Reiserücktrittsversicherung übernimmt Stornierungskosten, wenn Reisende oder nähere Angehörige erkranken. Sollte man aus Angst vor Krankheiten von einer Reise zurücktreten, zahlt sie allerdings nicht. Eine Auslands-Krankenversicherung übernimmt im Krankheitsfall die Kosten für medizinische Leistungen und organisiert den Rücktransport, sofern er medizinisch notwendig ist. Auch bei Corona wird gezahlt, selbst wenn man in ein Risikogebiet reist. Quelle: DEVK

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.