Behinderungen bis 31. Oktober

Wegen B-252-Neubau sind Bahnstrecken gesperrt - Auch Waldeck-Frankenberger Pendler betroffen

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Neue Gleise: Die Bahnstrecke zwischen Marburg und Frankenberg wird zwischen Sarnau (Foto) und Niederwetter auf einer Länge von etwa 600 Metern verlegt. Rund 30 Meter entfernt wird die Bahnstrecke zukünftig verlaufen. Der Neubau der Bundesstraße 252 sorgt in den nächsten Monaten für größere Behinderungen. Foto: Mark Adel

Neue Straße, neue Bahngleise, neuer Radweg: Der Neubau der Bundesstraße 252 sorgt in den nächsten Monaten für größere Behinderungen. Betroffen ist vor allem der Zugverkehr: Seit dem 4. Juli sind zwei Eisenbahnstrecken in Marburg-Biedenkopf und Waldeck-Frankenberg vier Monate lang gesperrt.

Das betrifft auch Pendler aus dem Waldeck-Frankenberger Land. Aber auch Autofahrer und Radler müssen sich zumindest zeitweise auf Behinderungen einstellen.

Der Bau der Ortsumgehung von Münchhausen, Wetter und Lahntal ist die derzeit größte Baustelle im Kreis Marburg-Biedenkopf. Das erste Teilstück zwischen Wetter und Goßfelden ist fertig. Die Behinderungen waren bislang gering, weil abseits bestehender Straßen gebaut wurde – das ändert sich nun. Der Lahnradweg, die Bundesstraße 62 und die Bahnstrecke werden verlegt, um Platz für die neue Umgehung zu schaffen.

Was ist im Einzelnen geplant? Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was geschieht mit den Bahngleisen?

Die Bahnstrecke RB 42 zwischen Marburg und Frankenberg wird zwischen Sarnau und Niederwetter auf einer Länge von etwa 600 Metern verlegt. Rund 30 Meter entfernt wird die Bahnstrecke zukünftig verlaufen. Dies erfordert auch Anpassungen an der Bahnstrecke RB 94 zwischen Sarnau-Bahnhof und Sarnau.

Wann werden die Strecken gesperrt?

Die Kurhessenbahn hat auf beiden Strecken am Samstag, 4. Juli, den Zugverkehr unterbrochen und richtet bis zum 31. Oktober einen Schienenersatzverkehr mit Bussen ein.

Wie sehen die Sperrungen im Einzelnen aus?

Linie RB 94 (Marburg-Erndtebrück): 4. Juli bis 18. Oktober Marburg - Friedensdorf; 19. bis 23. Oktober: Marburg - Erndtebrück; 24. bis 31. Oktober Marburg - Bad Laasphe;

Linie RB 42 (Marburg-Brilon/ Stadt): 4. bis 19. Juli: Marburg - Frankenberg; 20. Juli bis 31. Oktober: Marburg - Wetter.

Erneuert die Bahn auch die Technik?

Ja. Ab dem 13. Juli wird das alte Stellwerk in Sarnau abgerissen. Dann gehören auch die alten Formsignale der Vergangenheit an. Die Technik ist bei Bahnnostalgikern beliebt, aber längst nicht mehr zeitgemäß. In Sarnau und Buchenau werden nach Angaben von Bahn-Sprecher Kilian Beck neue elektronische Stellwerke errichtet. Die alten Gleise und Weichen am Stellwerk in Sarnau werden entfernt. Danach werden die neuen Gleisverbindungen hergestellt und an die bestehenden Gleise angeschlossen.

Wo können sich Fahrgäste informieren?

Ersatzfahrpläne finden Reisende im Fahrplanheft in den Zügen und an den Verkaufsstellen, Kundenzentren und Infopoints entlang der Strecken sowie unter kurhessenbahn.de/muewela. Um Fragen zu den Baumaßnahmen und dem Ersatzkonzept zu beantworten, sind Mitarbeiter der Kurhessenbahn zu Beginn des Schienenersatzverkehrs an den Stationen Marburg, Friedensdorf, Wetter und Frankenberg persönlich vor Ort und unterstützen Fahrgäste außerdem beim Umstieg zum oder vom Schienenersatzverkehr. Eine Fahrradmitnahme im Bus ist aus Kapazitätsgründen nicht möglich.

Wann rollt der Zugverkehr wieder normal?

Voraussichtlich am 1. November 2020 soll die Bahn wieder fahrplanmäßig durch Sarnau in Richtung Frankenberg und Erndtebrück fahren.

Wird auch nachts gearbeitet?

Der Großteil der Arbeiten wird nach Angaben von Bahnsprecher Kilian Beck tagsüber durchgeführt. Einige Arbeiten müssen am Wochenende erfolgen und nur in Ausnahmefällen kann es zu Arbeiten in den Abend-/Nachtstunden kommen.

Was passiert mit der Straße?

„Im Bereich des Baufeldes wird die B 62 so verschwenkt, dass anschließend Platz für die Bauarbeiten am Kreuzungsbauwerk entsteht, „erklärt Sonja Lecher von Hessen Mobil. Mit dem Kreuzungsbauwerk meint sie eine Brücke über die Bahngleise. Für diese Verschwenkung der B 62 wird eine kleine Umfahrung (ein sogenannter Bypass) gebaut, über die der Verkehr vorübergehend fahren kann. Gleich zu Beginn der Sperrpause der Bahn wird diese Umfahrung fertiggestellt, sodass der Verkehr der B 62 voraussichtlich ab dem 10. Juli darüber fahren wird. Dann kann die Bundesstraße in diesem Bereich für den neuen Streckenverlauf umgebaut werden. Anschließend wird dieser B62-Bypass wieder zurückgebaut. Ab der Sperrpause wird in Höhe der Kläranlage eine Brücke gebaut.

Muss die Bundesstraße 62 gesperrt werden?

Ja, laut Sonja Lecher ist eine Vollsperrung der Bundesstraße 62 voraussichtlich von Ende August bis Mitte September erforderlich. Während dieser zweiwöchigen Vollsperrung wird der neue Bahnübergang eingebaut sowie in Göttingen auf Höhe der Tankstelle eine neue Querung einer Wasserleitung gelegt.

Im Bereich der Baustelle verlaufen Radwege. Was müssen Radler beachten?

„Für den Radverkehr entstehen in den kommenden Wochen lediglich kleinere Einschränkungen“, sagt Sonja Lecher. Das gelte für die Baustelle einer neuen Brücke auf Höhe des Sarnauer Klärwerks. Während der dortigen Bauarbeiten wird der Radweg um die Brückenbaustelle herumgeleitet. Gegen Ende der Sperrpause – also im Laufe dieses Herbstes – wird der Lahntalradweg über den neu verlegten Radweg entlang der B 62 geleitet. Im Zuge dieser Arbeiten am Radweg ist momentan auf der Bundesstraße 62 bei Sarnau kurz vor Göttingen eine halbseitige Sperrung mit Ampelregelung eingerichtet.

Orte sollen um bis zu 90 Prozent vom Straßenverkehr entlastet werden

Die Ortsumgehung für Münchhausen/Wetter/Lahntal beginnt an der Ortsgrenze von Burgwald-Ernsthausen und führt westlich der Ortschaften Münchhausen, Simtshausen, Todenhausen, Wetter, Niederwetter und Lahntal-Göttingen in Richtung Süden und schließt an die Bundesstraße 62 an. Die gesamte Baulänge beträgt etwa 17,5 Kilometer.

Die Ortsdurchfahrten werden nach Schätzungen von Hessen-Mobil durch die geplante Umgehungsstraße um bis zu 90 Prozent vom Straßenverkehr entlastet.

Der 5,25 Kilometer lange erste Bauabschnitt umfasst die Strecke zwischen Wetter und Lahntal-Goßfelden, unter anderem mit 14 Bauwerken wie Brücken oder Durchlässen. Er wurde am 21. Dezember 2019 freigegeben.

Der zweite Bauabschnitt teilt sich in die Abschnitte Nord (Bereich Münchhausen) und Süd (Bereich Lahntal) auf – also auch bei Sarnau. Der Bau wurde im Oktober 2016 begonnen. Der Abschnitt Nord erstreckt sich auf einer Streckenlänge von etwa neun Kilometern. Unter anderem werden 14 Brücken gebaut. Der Abschnitt soll Ende 2023 für den Verkehr freigegeben werden.

Der Abschnitt Süd ist 3,5 Kilometer lang und umfasst unter anderem sieben Brücken. Voraussichtlich Ende 2024 wird auch dieser Abschnitt für den Verkehr freigegeben.

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