Betroffenheit bei Kanonieren nach tödlichem Unfall in Marsberg

Knall und Rauch: Beim Manöver der Waldecker Kanoniere auf dem Dansenberg Adorf im August des vergangenen Jahres waren mehrere Gruppen aus dem Waldecker Raum dabei. Archivfoto: Laumann

Waldeck-Frankenberg/Münden. Die Nachricht vom tödlichen Unglück mit einer Kanone bei einem Schützenfest in Marsberg hat auch die Schützenvereine in Waldeck-Frankenberg erschüttert.

„Wir waren entsetzt", sagte Evelyn Vesper von den Kanonieren in Lichtenfels-Münden am Montag gegenüber der HNA.

Wie berichtet, war am Samstag der Schützenkönig in Marsberg von einem abgesprengten Kanonenteil getroffen und tödlich verletzt worden.

Die Mündener feiern am kommenden Wochenende, 18. und 19. Juli, ihr Schützenfest (Artikel links). „Auch wir schießen das Fest ein“, sagt Vesper. Denn das Böllern gehöre einfach dazu. „Es ist die Liebe zum Schützenverein, zum Schießsport und zur Brauchtumspflege.“ Die Kanonen sähen schön aus und es mache Spaß, sie zu bedienen. Aber der Vorfall in Marsberg sei ein „Dämpfer“. „Wir gehen jetzt mit einem ganz anderen Gefühl daran.“

Seit 2005 gibt es die Kanoniere in Münden. Im nördlichen Kreisteil gibt es viele Schützengruppen mit Kanonen, so auch in Korbach mit der Bruderschaft Sankt Barbara. Erst im April fand in Twiste eine TÜV-Abnahme an drei Tagen statt. „Alle unsere Geschütze wurden geprüft“, sagt Evelyn Vesper. Das sind neben der Kanone zum Beispiel auch Standböller und Salutböller. Acht Mitglieder der Mündener Kanoniere haben einen Berechtigungsschein. Das heißt, sie haben bei sprengtechnischen Lehrgängen theoretische und praktische Prüfungen absolviert. Wer eine Kanone bedient, führe stets Zeugnisse und die TÜV-Bescheinigung mit sich. Ein Schützenkönig dürfe nur abfeuern, aber das Geschütz nicht laden.

Warum es in Marsberg zu dem Unfall kam, muss die Polizei noch klären. „Das war wohl ein Materialfehler, das ist tragisch“, sagt Evelyn Vesper. Sie gehe davon aus, dass die Verantwortlichen die Sicherheitsvorschriften eingehalten haben. Bis zu 100 Meter vor einer Kanone, zehn Meter daneben und zehn Meter dahinter dürfe sich niemand aufhalten, erklärt sie. Wenn es aber zu einer Explosion komme, flögen die Splitter weiter als zehn Meter. „Das darf nicht passieren.“

Nach ihrer Einschätzung beeinflusst die Pulvermenge, „wieviel Zunder dahinter steckt“. Die Mündener Kanone werde mit 100 Gramm Schwarzpulver gefüllt, ehe die Leinen gezogen werden. Bei der TÜV-Prüfung, die alle fünf Jahre anstehe, werde mit der dreifachen Menge geschossen.

„Wer Kanonendienst hat, hat große Verantwortung, denn meist laufen auch Kinder in der Umgebung des Festes herum“, sagt Vesper. Wenn geböllert wird, muss dies von der Stadt genehmigt sein. In Münden wird das Fest am Morgen eingeschossen, später wird gemeinsam mit befreundeten Vereinen hinter der Halle in Richtung Feld geschossen. „Die Auflagen werden eingehalten.“

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