Böse Königin fuhr im Citroën über Hallenberger Freilichtbühne

Feierte Premiere: Das Kinderstück „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ auf der Freilichtbühne Hallenberg. In der gelungenen Inszenierung von Bärbel Kandziora sind die Zwerge Geheimagenten. Johanna Mause (rechts) spielt die Titelrolle. Fotos: Moniac

Hallenberg. Auf der Freilichtbühne in Hallenberg heißt das Kinderstück in diesem Jahr „Schneewittchen". Wer meint, er könnte über das Märchen der Brüder Grimm nichts Neues mehr erfahren, der wurde bei der Premiere eines Besseren belehrt.

Wo fährt eine böse Königin im schwarzen Citroën vor und eine gute im bunt bemalten Trabi? Wo ist ein Prinz zu dämlich für das Einmaleins, ein anderer aber will lieber Jäger werden, als den Thron zu besteigen?

Bärbel Kandziora, die mit ihrer Familie in Eifa lebt, war zum ersten Mal als Regisseurin verpflichtet worden und änderte die bekannte Geschichte nach der Vorlage von Christa Margret Rieken gehörig um. Herausgekommen ist eine pfiffige, witzige Inszenierung, bei der die Spannung bis zum Schluss anhielt und die an vielen Stellen Gelächter und kräftigen Szenenapplaus hervorrief.

Das Märchen von der zänkischen Königin, die hier Drusilla heißt, wurde erweitert um die etwas befehlsschwache, sonst aber gutherzige Königin Mathilde und deren Gefolge, zum Beispiel die Zwerge/007-Geheimagenten. Dazu treten auch Figuren aus anderen Märchen auf, etwa Hänsel und Gretel oder Rapunzel mit einem schier endlos langen Zopf. Dafür kommt das Stück ohne gläsernen Sarg aus und der vergiftete Apfelschnitz fliegt in hohem Bogen durch die Luft.

Lustig sind zahlreiche umgangssprachliche Einwürfe, etwa wenn die eitle Drusilla Schneewittchens Tod fordert. „Ich soll ein Mädchen abmurksen? Die tickt ja wohl nicht ganz“, ist da des Prinzen trockener Kommentar. Und als Schneewittchen das niedliche Zwergenhaus hinter den sieben Bergen („Wo die sind? Hinter den Nuhnewiesen und beim dritten Wildschwein nach rechts“) entdeckt, entlockt ihr das ein spontanes „Abgefahren!“

Ganz besonders nett ausgedacht ist der geheimnisvolle Zauberspiegel, dessen mehrstimmigen Botschaften man immer weiter lauschen mochte. „Wollt Ihr mich das wirklich fragen? Ich kann nur die Wahrheit sagen“, warnt er gleich zu Beginn, und als Drusilla gar nicht nachgeben will, heißt es lakonisch: „Frau Königin, ganz kurz und knapp: Der Lack ist bei Euch längst schon ab.“

Über 80 große und kleine Darsteller tragen jeder auf seine Weise zu einem bunten, wogenden Gesamteindruck bei, zum Beispiel die vielen Edelleute, die eifrigen Diener und Waschfrauen, die Musiker, die Tänzer und auch die tanzenden Bäume im Zauberwald.

Nicht zu vergessen sind natürlich die Zwerge mit ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten und die wuseligen Mäuse, denen Drusilla am Ende nicht gewachsen ist.

Dazu farbenfrohe Kostüme, schöne Musik und ein zauberhaftes Ambiente: Mehr braucht ein Märchen nicht, um kindgerecht zu unterhalten und den Glauben an das Gute zu bewahren. (zmm)

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