Kosten stehen noch nicht fest

Bombe in Frankenberg entschärft: Fast 100 Einsatzkräfte beteiligt

Der Kampfmittelräumdienst (hier ein Symbolfoto) hat am Dienstag in Frankenberg eine 125-Kilogramm-Bombe entschärft.
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Der Kampfmittelräumdienst (hier ein Symbolfoto) hat am Dienstag in Frankenberg eine 125-Kilogramm-Bombe entschärft.

Nach dem Bombenfund in Frankenberg waren fast 100 Einsatzkräfte an der Evakuierung und der Entschärfung beteiligt. Das geht aus einer Antwort der Stadtverwaltung auf Fragen unserer Zeitung hervor.

Frankenberg – Die Weltkriegsbombe war am Dienstag, 26. Oktober 2021, am Stadtrand von Frankenberg gefunden und noch am selben Abend entschärft worden. Dafür mussten etwa 25 Häuser in der Umgebung evakuiert werden; weitere Menschen in einem weiteren Umkreis von 1000 Metern mussten in ihren Häusern bleiben.

Nach de Entschärfung der 125-Kilogramm-Bombe sind noch einige Fragen offen. Florian Held, Pressesprecher der Stadt Frankenberg, hat uns dazu die folgenden Antworten gegeben.

Bürgermeister Heß hatte berichtet, dass die Bombe in einer Verdachtsfläche gefunden worden sei. Gibt es weitere solcher Verdachtsflächen?

Held: Grundsätzlich gilt ein Gebiet als Verdachtsfläche, wenn es bombardiert wurde, aber noch keine konkrete Untersuchung des Kampfmittelräumdienstes dokumentiert ist. Das gilt in Frankenberg für ein größeres Gebiet.

Die konkrete Untersuchung von Verdachtsflächen erfolgt standardmäßig im Vorfeld zu Baumaßnahmen. Die Untersuchung stellt zunächst lediglich Anomalien im Magnetfeld fest. Diese Verdachtspunkte sind noch kein Hinweis auf eine tatsächliche Bombe. Die Öffnung und Überprüfung solcher Verdachtspunkte ist im Verfahren eine Standardmaßnahme, die regelmäßig durchgeführt wird – auch in Frankenberg. Am Dienstag ist dabei erstmalig im Stadtgebiet eine Bombe gefunden worden. Im Zuge der Erschließung des nächsten Bauabschnittes wird es auch dort Standard-Überprüfungen geben.

Wie viele Bomben werden in dem neuen Baugebiet an der Marburger Straße vermutet?

Held: Keine – alles andere ist Spekulation. Die Krater auf dem historischen Foto am Donnerstag in der HNA dokumentieren ja nur detonierte Bomben.

Wenn am Dienstag konkret in einer Verdachtsfläche gesucht wurde, hätte man die Aktion nicht vorbereiten und ankündigen können?

Held: Bei der Suche nach Kampfmitteln in einer Verdachtsfläche erfolgt zunächst eine oberirdische Prüfung durch ein Fachunternehmen. Wird dabei eine Anomalie im Boden festgestellt, wird an dieser Stelle eine Grabung vorgenommen. Dies bedeutet nicht zwangsläufig, dass dort auch Kampfmittel gefunden werden; es kann sich auch um andere im Erdreich befindliche Dinge handeln. Insofern kann und wird nicht bei jeder Prüfung auch prophylaktisch evakuiert.

Erst nach Öffnung des verdächtigen Bereichs und Sichtung des Gegenstandes kann das weitere Vorgehen abgestimmt werden. Handelt es tatsächlich um ein Kampfmittel, so wird der Kampfmittelräumdienst des Landes Hessen – angesiedelt beim RP Darmstadt – angefordert, der dann vor Ort je nach Art, Größe des Kampfmittels und nach Gefahrenlage das weitere Vorgehen bestimmt. Die begleitenden Maßnahmen, wie eine mögliche Evakuierung, obliegen dann den Gefahrenabwehrbehörden wie Polizei und Ordnungsamt.

Im aktuellen Fall wurden gegen 16 Uhr durch den Kampfmittelräumdienst festgelegt, dass die Entschärfung noch am gleichen Tag um 20 Uhr stattfinden sollte. Mit dieser Festlegung wurden ebenfalls die Bereiche für eine Evakuierung und den erweiterten Sicherheitsbereich festgelegt, die Einsatzkräfte in Bereitschaft versetzt, die mögliche Unterbringung von zu evakuierenden Personen geplant und die weitere zeitliche Abfolge festgelegt.

Wie viele Einsatzkräfte waren für die Aktion insgesamt im Einsatz?

Held: Für die Frankenberger Feuerwehren (Kernstadt, Geismar, Röddenau, Schreufa und Viermünden) waren 49 Einsatzkräfte tätig, die Feuerwehren Battenberg und Gemünden waren mit je drei Einsatzkräften und zwei Tanklöschfahrzeugen in Frankenberg in Bereitschaft. Die DRK-Bereitschaft hatte 20 Einsatzkräfte vor Ort, das THW war mit zwei Personen beteiligt, weitere neun Personen kamen vom Brandschutzaufsichtsdienst des Landkreises, der Kurhessenbahn und der Stadtverwaltung. Über die eingesetzten Kräfte von Polizei und Bundespolizei liegen der Stadt keine Zahlen vor.

Können Sie sagen, wie teuer der Einsatz war? Und wer bezahlt das?

Held: Eine konkrete Summe kann erst genannt werden, wenn alle Kosten wie Verpflegung für Evakuierte und Einsatzkräfte vorliegen. Das Befördern des Kampfmittels zur Kampfmittelbeseitigungsanlage des Landes Hessen sowie für eine eventuelle Sprengung vor Ort oder die Entschärfung an der Fundstelle erfolgt durch den Kampfmittelräumdienst oder ein Vertragsunternehmen.

Die Kosten für das Entschärfen, Befördern und Vernichten trägt das Land. Alle anderen Kosten werden gemäß dem Hessischen Gesetz über die öffentliche Sicherheit und Ordnung den für den Zustand von Sachen verantwortlichen Inhabern oder Eigentümern in Rechnung gestellt, in diesem Fall der Stadt.

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