Der Terrorverdächtige, wegen dem 2015 ein Radrennen in Frankfurt abgesagt wurde, ist in der Psychiatrie

Bombenbauer Halil D. nach Haina im Kreis Waldeck-Frankenberg verlegt

In die Psychiatrie verlegt: Der Bombenbauer Halil D. (links) im Januar 2016 mit seinem Verteidiger Ali Aydin im Landgericht Frankfurt. Foto: dpa

Halil D., der verdächtigt wurde, im Jahr 2015 einen Bombenanschlag auf das Radrennen „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt“ geplant zu haben, ist in die Psychiatrie in Haina eingewiesen worden.

Das Frankfurter Landgericht habe den 38-Jährigen aus Oberursel (Hochtaunus), der bis 2008 im Kasseler Stadtteil Wesertor gelebt hat, auf Antrag der Staatsanwaltschaft einstweilig in der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie im Landkreis Waldeck-Frankenberg untergebracht, teilte Oberstaatsanwältin Nadja Niesen mit.

Ende vergangener Woche hatte der Terrorverdächtige seine zweieinhalbjährige Haftstrafe verbüßt. Wegen neuer Vorwürfe ermittelt die Staatsanwaltschaft nun erneut gegen ihn. „Ihm werden Beleidigungen vorgeworfen, die er im August und September 2016 im Zustand verminderter Schuldfähigkeit in der JVA Frankfurt I, in der er seine Strafhaft verbüßte, begangen haben soll“, so Niesen.

Medienberichten zufolge soll D. JVA-Bedienstete und Sozialarbeiter unter anderem als „Hunde, Teufelsanhänger und Ungläubige“ beschimpft haben. Da bei dem 38-Jährigen während des Prozesses gegen ihn eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert wurde, geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass in dem neuen Verfahren seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet wird. Ein psychiatrisches Gutachten, das für eine dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie notwendig ist, wurde schon in Auftrag gegeben.

Bereits während des Prozesses gegen ihn hatte D. psychische Auffälligkeiten gezeigt. So berichtete er mehrfach von Klopfgeräuschen in seiner Zelle. In jüngster Zeit soll sein Verhalten zum Teil wahnhafte Züge angenommen haben, berichtet die FAZ.

Mit Nägeln und Stahlkugeln gefüllte Bombe gebaut

In Halil D.s Keller in seinem Haus in Oberursel war Ende April 2015 eine zündfertige, mit 239 Nägeln und 22 Stahlkugeln gefüllte Rohrbombe gefunden worden. Die Ermittler fanden zudem alles zur Herstellung des unter Islamisten gängigen Sprengstoffs TATP. Wegen Terrorverdachts war daraufhin das traditionelle Radrennen durch Frankfurt und den Taunus am 1. Mai abgesagt worden.

Täter lebte in Kassel

D. gab an, die Bombe bereits vor 20 Jahren in Kassel gebaut zu haben. Dort wurde er auch erstmals strafrechtlich auffällig. Im November 2008 fand die Polizei ein Faustmesser bei ihm. Das ist eine verbotene Waffe, bei der die Klinge im 90-Grad-Winkel zum Griff montiert ist. D. wurde damals zu einer Geldstrafe verurteilt. Danach verließ er Kassel.

Die Bombe im Keller seines Hauses in Oberursel will er vergessen haben. Beweise dafür, dass er sie tatsächlich einsetzen wollte, konnten vor Gericht nicht erbracht werden. Das Landgericht Frankfurt verurteilte D. im Juli 2016 wegen verbotenen Waffen- und Sprengstoffbesitzes sowie Urkundenfälschung zu zweieinhalb Jahren Haft und empfahl der Polizei, ihn auch nach der Haftentlassung sorgfältig zu beobachten.

Islamistische Gewaltvideos gefunden

Ermittler hatten auf einem Computer des festgenommenen Ehepaars aus Oberursel im Jahr 2015 Gewaltvideos gefunden. Diese seien dem islamistischen Extremismus zuzuordnen, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes in Wiesbaden damals. 

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