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Bromskircher Gerhard Klement erlebte Olympia-Attentat am 5. September 1972 in München mit

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Von: Gerhard Meiser

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Viele Erinnerungen: In seinem Wohnzimmer in Bromskirchen hat der 89-jährige Gerhard Klement viele Erinnerungen an die Olympischen Spiele 1972 in München aufgehoben – unter anderem an die Eröffnungsfeier am 26. August und ein Autogramm des legendären US-amerikanischen Leichtathleten Jesse Owens.
Viele Erinnerungen: In seinem Wohnzimmer in Bromskirchen hat der 89-jährige Gerhard Klement viele Erinnerungen an die Olympischen Spiele 1972 in München aufgehoben – unter anderem an die Eröffnungsfeier am 26. August und ein Autogramm des legendären US-amerikanischen Leichtathleten Jesse Owens. © mjx

Palästinensische Attentäter der Terrorgruppe „Schwarzer September“ haben am 5. September 1972 bei den Olympischen Spielen in München elf israelische Sportler und einen Polizisten ermordetet.

Bromskirchen – Auf den Tag genau ist das heute 50 Jahre her. Der Bromskircher Gerhard Klement war damals als ehrenamtlicher Helfer im olympischen Dorf tätig. Die tragischen Ereignisse an diesem Tag hat er nahezu hautnah miterlebt. „Dieser Tag hat sich in meinem Gedächtnis eingebrannt. Diesen Tag werde ich nie vergessen“, erzählt Klement. Er ist ein Zeitzeuge des Attentats von München 1972.

„Vom Traum zum Terror“, beschreibt Gerhard Klement heute seine Erinnerungen an den 5. September 1972. Schon seit dem 31. Juli war der damalige Beschäftigte der Frankenberger Bundeswehr-Standortverwaltung als Helfer im Mensa-Bereich im olympischen Dorf im Einsatz. An den ersten Tagen der „Spiele“ schob er nicht nur seinen Dienst an der Einlasskontrolle zur Mensa, sondern fand immer wieder Zeit, im Olympiastadion oder an den Sportstätten die spannenden Wettbewerbe live zu verfolgen.

„Am liebsten war ich bei der Leichtathletik, aber auch etliche Fußballspiele habe ich gesehen. Da war die Olympische Welt noch in Ordnung“, erzählt der inzwischen 89-Jährige. Bei Olympia ‘72 war er gerade mal 39 gewesen. An diesem 5. September wurden die anfangs bunten, heiteren und fröhlichen Spiele dann von der blutigen Geiselnahme der israelischen Sportler überschattet: „Obwohl ich an diesem Morgen schon ab 5.15 Uhr Dienst hatte und der Anschlag nur etwa 300 Meter von meiner Arbeitsstelle erfolgte, habe ich anfangs davon nichts mitbekommen“, erinnert sich Klement. Erst im Laufe des Vormittags seien die ersten Nachrichten von dem Attentat bis zu ihm durchgedrungen: „Handy und Internet gab es damals nicht. Erst nach Dienstschluss um 14 Uhr konnte ich aus einiger Entfernung etwas über den Ablauf des Attentats erkennen“, hat Klement die Bilder des Geschehens auch heute noch vor Augen.

Freizeitpass: Mit diesem Ausweis hatte Gerhard Klement bei Olympia 1972 in München freien Eintritt zu allen Sportveranstaltungen.
Freizeitpass: Mit diesem Ausweis hatte Gerhard Klement bei Olympia 1972 in München freien Eintritt zu allen Sportveranstaltungen. © mjx

„Insbesondere beim Abflug der Terroristen mit den Geiseln war ich nur etwa 30 Meter entfernt“, schildert Klement die Erlebnisse. „Ich konnte genau verfolgen, wie die Geiseln in die bereitgestellten Hubschrauber verfrachtet wurden.“ Trotz der Nähe zum Tatort habe er um seine eigene Sicherheit nie gefürchtet. „Angst hatte ich nicht“, erzählt der heutige Bromskircher, der im Oberen Edertal schon 1976 ein Haus gebaut hatte.

„Ich konnte alle Beteiligten gut sehen, auch Mohammad Safady, den Anführer der Terroristen“, berichtet Gerhard Klement 50 Jahre danach. Damals sei bei ihm vor allem ein riesengroßes Gefühl der Ohnmacht aufgekommen, einfach nichts unternehmen zu können. „Es war ein unvergesslicher Tag für mich“, sagt Klement, „ich bin aber nicht stolz darauf, dabei gewesen zu sein.“

„Die Welt trauert, München weint“, erinnert er sich auch noch an die Schlagzeilen am nächsten Tag in der Presse. Bestürzt sei er aber vor allem über die Reaktionen auf das Attentat im Olympischen Dorf gewesen. „Was ich dort erlebte, machte mich fassungslos“, erzählt Klement: „Von Trauer, Entsetzen, Anteilnahme war nichts zu merken.“ Das Leben habe weiter seinen normalen Verlauf genommen – „mit Musik, Tanz und Gelächter“. Auch an der Trauerfeier mit 80 000 Gästen im Olympiastadion nahm Gerhard Klement teil.

Er hat aber auch noch schöne Erinnerungen an die Olympischen Spiele 1972 in München – vor allem an die Tage vor dem Attentat. „Mir war es vergönnt, die Spiele, die Sportler und die Veranstaltungen zu erleben. Aber mein persönlich größtes Erlebnis war eine Begegnung mit dem US-Leichtathleten Jesse Owens, mit vier Goldmedaillen der erfolgreichste Athlet bei Olympia 1936 in Deutschland. Das war ein großer Moment für mich.“ Mit Jesse Owens wechselte Klement nicht nur nette Worte, sondern ließ sich auf ein Autogramm geben. Dieses Autogramm hat auch heute noch einen festen Platz in den Erinnerungen im Wohnzimmer des Bromskirchers. Jesse Owen verstarb 1980 im Alter von 66 Jahren in Amerika. Auch viele weitere prominente Athleten und Besucher lernte Klement kennen.

Heute denkt er ganz besonders intensiv an den 5. September 1972 zurück. „Es waren Momente, die meinen Lebensweg kreuzten. Bei meiner Zeitreise mit meinen Erinnerungen meines zurückliegenden Lebens darf das Jahr 1972 nicht fehlen.“  mjx

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