Bromskircher nach Frese-Kandidatur geschockt und ratlos

Der Landrat und sein – wahrscheinlicher – Vize: Dr. Reinhard Kubat (links) und Karl-Friedrich Frese, der noch Bürgermeister in Bromskirchen ist. Archivfotos:  nh

Bromskirchen. Mit seiner Kandidatur als Erster Kreisbeigeordneter hat Bromskirchens Bürgermeister Karl-Friedrich Frese vor allem seine eigene Gemeinde überrascht. Die hatte ihn gerade erst wieder ins Amt gewählt.

Vor zwei Wochen erst ist Karl-Friedrich Frese in der Bromskircher Gemeindevertretung in sein Amt als ehrenamtlicher Bürgermeister eingeführt worden. „Wir wollen versuchen, einen neuen Weg zu gehen. Und ich bin überzeugt, dass es der richtige Weg ist“, hatte Frese in der Sitzung am 16. November über das neue Amt des ehrenamtlichen Bürgermeisters gesagt. Zwölf Tage später, am Montag, hat der Bromskircher Bürgermeister mit seiner Kandidatur für den Ersten Kreisbeigeordneten zumindest für sich diesen Weg verlassen.

Er sei überrascht, ja sogar geschockt gewesen über Freses Kandidatur, sagte am Dienstag Willi Reder, der Vorsitzende der Bromskircher Gemeindevertretung, auf Nachfrage. Frese habe ihn und die Fraktionsvorsitzenden am Montag per Mail über die Entscheidung informiert, berichtete Reder. „Vor zwei Wochen haben wir ihn erst ins Amt eingeführt, jetzt stehen wir vor einer neuen Situation.“

Die drei Fraktionen hätten für nächste Woche ein Treffen vereinbart. „Die Frage ist, ob es jemanden gibt, der spontan in Frage käme. Den gibt es aber nicht“, sagt Willi Reder. „Man kann nicht einfach mal Bürgermeister werden. Auch nicht ehrenamtlich. Die Aufgabe ist zu komplex. es geht ja nicht darum, nur zu Geburtstagen zu gratulieren.“

Es geht auch um die Verwaltungsgemeinschaft mit dem Nachbarn Allendorf-Eder. „Auch die Verwaltungsgemeinschaft hat Forderungen. Unser neuer Bürgermeister muss mit seinem Kollegen zusammenarbeiten können“, sagt Reder. Der Kollege in Allendorf heißt bis mindestens Ende 2017 noch Claus Junghenn. Auch er wurde zwar von Frese vor dem Pressetermin informiert, wirkte aber auch am Tag danach noch etwas überrascht. „Das muss sich erstmal setzen, dann müssen wir überlegen, wie wir es anpacken“, sagte Junghenn, der wie Frese 56 Jahre alt ist.

Als die Verwaltungsgemeinschaft vor zwei Wochen für ihre beispielhafte Zusammenarbeit weitere 200 000 Euro vom Land erhalten hatte, hatte Junghenn noch betont, wie sehr ihr Gelingen derzeit von ihm und Frese abhänge, zwischen denen großes Vertrauen herrsche. Gestern nun sagte Junghenn, man müsse die Verwaltungsgemeinschaft „nicht unbedingt an den Personalien festmachen“.

Vorstellungen vom neuen Kollegen hat Junghenn aber doch: „Wünschenswert wäre, wenn der neue Bürgermeister von Anfang an in der Verwaltungsgemeinschaft dabei wäre und hinter der Geschichte stehen würde. Es wäre schlecht, wenn er mit dem Thema nicht so positiv umgehen würde, wie wir das tun.“ Zudem sei Freses Erfahrung aus 24 Jahren als Bürgermeister nicht so leicht zu ersetzen. Er sei dennoch optimistisch, „dass wir unseren Weg weitergehen werden“. Ob der irgendwann zu einer Fusion der beiden Gemeinden führt, ist offen. „Von einer Fusion war zwar schon mal die Rede, im Moment ist das aber nicht das Ziel“, stellt Willi Reder klar.

Frese selbst wollte sich am Dienstag übrigens nicht mehr zu dem Thema äußern, mit dem Zeitungsbericht sei alles gesagt. „Die Dinge sind so gut geordnet, dass es auch mit neuem Personal weitergehen wird“, sagte er zur Zukunft in Bromskirchen und der Verwaltungsgemeinschaft.

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