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Von Corona nicht gestoppt: Paar pilgerte auf dem Jakobsweg

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Von: Jörg Paulus

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In Finisterre: Anke und Frank Schütz sind den Jakobsweg in Spanien gelaufen. Das
In Finisterre: Anke und Frank Schütz sind den Jakobsweg in Spanien gelaufen. Das Foto entstand am Null-Kilometer-Stein des Pilgerweges.  © entstand am Null-Kilometer-Stein des Pilgerweges. Foto: privat

Auch Tage nach ihrer Rückkehr strahlt Anke Schütz noch über das ganze Gesicht, wenn sie von ihrer Reise auf dem Jakobsweg erzählt. Mit ihrem Mann Frank ist sie in Spanien die Küstenroute des berühmten Pilgerweges gewandert. „Das war mein Lebenstraum“, sagt Anke Schütz. Doch den hätte ihr die Corona-Pandemie beinahe verdorben.

Somplar – Das Ehepaar aus Somplar hatte schon im August 2019 mit dem Abenteuer Jakobsweg begonnen. Damals hatten sie aber nicht genug Urlaub, um bis nach Santiago de Compostela zu kommen, dem Ziel aller Pilger. 240 der rund 850 Kilometer des „Camino del Norte“ entlang der spanischen Küste sind sie damals in elf Tagen gelaufen. „Uns war klar, dass wir es nicht gleich bis nach Santiago schaffen“, erzählt Frank Schütz.

Den Rest des Weges wollten sie im Mai 2020 laufen. Doch dann kam Corona. „Als sich das anbahnte, haben wir unsere Tour von Mai auf August verlegt“, erzählt der 63-Jährige. Die Flüge nach Spanien waren schon gebucht, dann verschärfte sich die Corona-Lage, sie mussten stornieren. 2021 haben sie es dann gar nicht erst wieder versucht. Als kleines Trostpflaster, wie sie sagen, sind sie den Elisabethpfad von Eisenach nach Marburg gelaufen. Doch das war nicht vergleichbar mit dem Jakobsweg. „Deshalb haben wir auf 2022 hingefiebert.“

Besser vorbereitet als vor drei Jahren

Die Entscheidung, dass sie nun tatsächlich wieder zum Jakobsweg starten, fiel erst drei Wochen vorher. Sie wollten nicht schon wieder wegen Corona enttäuscht werden. Und sie waren besser vorbereitet als bei der ersten Tour. „2019 bin ich ganz naiv mit einem Trekking-Rucksack losgelaufen, meine Schuhe waren schon nach 60 Kilometern durch“, erzählt Anke Schütz.

Nicht nur ihre Ausrüstung hatte sich seit der ersten Tour verändert, auch der Jakobsweg war wegen der Pandemie ein anderer. „2019 war es voller auf dem Weg, da haben wir auch mal im Voraus eine Unterkunft gebucht, ein Mal haben wir gar keine mehr bekommen“, erzählt Frank Schütz. Diesmal sei, auch wegen der Jahreszeit, weniger los gewesen, viele Herbergen hatten wegen Corona nicht alle Betten besetzt, damit es nicht zu eng wird. Masken seien aber nicht vorgeschrieben gewesen. Und manche Herbergen von 2019 gibt es mittlerweile auch gar nicht mehr. „In einer Unterkunft waren 80 Leute – es gab eine Damentoilette und zwei Duschen“, erzählt Anke Schütz vom typischen Pilgerleben.

Die beiden hatten sogar zwei Ein-Mann-Zelte dabei – falls Corona während ihrer Tour schlimmer geworden wäre, hätten sie im Freien zelten können. Gebraucht haben sie die Zelte aber nicht.

20 bis 30 Kilometer am Tag gelaufen

Etwa 20 bis 30 Kilometer sind sie pro Tag gelaufen. „Wir waren morgens immer die Letzten, die los sind“, erzählt Anke Schütz. Entschleunigen – das sei eines ihrer Ziele auf dem Jakobsweg gewesen. Aus dem Alltag rauskommen, keinen Zeitdruck zu haben, sich auf das Nötigste besinnen. „Ankommen, duschen und was essen – mehr braucht man nicht“, sagt Anke Schütz. „Der Weg ist das Ziel.“ Die 54-Jährige arbeitet beim DRK und betreut Demenzkranke. „Nach zwei Jahren Corona konnte ich auf dem Jakobsweg mal abschalten.“

Die beiden sind in den fünf Wochen aber nicht nur für sich geblieben. „Wir haben viele Leute kennengelernt, haben zusammen eingekauft und gekocht. Da haben sich richtige Cliquen gebildet“, erzählen sie. Und Anke Schütz hat ihren Geburtstag auf dem Jakobsweg gefeiert. „Als meine Familie und eine Freundin ein Video geschickt haben, habe ich geheult wie ein Schlosshund“, erzählt sie.

„Viele können so was nicht mehr, wenn sie Rentner sind. Wir haben uns gesagt: Dann lieber gleich.“

Frank Schütz

Die Familie zuhause haben sie über Whatsapp und Facebook auf dem Laufenden gehalten. „Wir haben alle mitgefiebert, ob es ihnen gut geht, ob sie heil ankommen“, erzählt Tochter Mariella.

Und dann sind die beiden – fünf Tage früher als geplant – nach Santiago gekommen, dem Ziel der Pilgerreise. „Da weiß man, dass man es geschafft hat“, sagt Anke Schütz. „Wenn man vor der Kathedrale steht – das erschlägt einen.“ Ihre Compostela, die Urkunde, dass sie den Weg nach Santiago gepilgert sind, haben sie sich natürlich auch geholt. Danach sind sie mit dem Bus weiter nach Finisterre gefahren – dort steht der Null-Kilometer-Stein des Jakobsweges.

Jetzt hat sie der Alltag wieder mit Haus, Familie und Arbeit. „Das ist ein ganz anderes Leben“, sagt Anke Schütz. Sie und ihr Mann sind froh, dass sie den Jakobsweg gegangen sind. „Viele können so was nicht mehr, wenn sie Rentner sind. Wir haben uns gesagt: Dann lieber gleich“, sagt Frank Schütz.

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