Er will nicht gestört werden

Bruthilfe für den Schwarzstorch: Horstbau im Stiftungsforsten Kloster Haina

Norbert Fiebach von der staatlichen Vogelschutzwarte klettert in der Krone einer Traubeneiche und bringt Bretter für einen künstlichen Horst für den Schwarzstorch an.
+
Norbert Fiebach von der staatlichen Vogelschutzwarte baut für einen Schwarzstorch im Gebiet der Stiftungsforsten Haina einen künstlichen Horst als Bruthilfe.

Im Gebiet der Stiftungsforsten Kloster Haina ist im Sommer ein Schwarzstorch-Horst abgestürzt. Nun wurde unter Geheimhaltung des Ortes ein künstlicher Horst errichtet, um dem geschützten Vogel die Brut zu erleichtern.

Haina – Eine wichtige journalistische Grundfrage lautet „Wo?“. Doch darauf werden Sie hier keine Antwort finden. Der Protagonist der Geschichte weiß aber genau, wo es ihn hinzieht: immer in dieselben Baumkronen. Es geht um den Schwarzstorch, der in den Stiftungsforsten Kloster Haina ein Zuhause gefunden hat.

Diese Vogelart ist sehr standorttreu und kommt Anfang März immer zu denselben Horsten zurück, nachdem der Vogel Anfang September die Region gen Westafrika verlassen hat, um südlich der Sahara den Winter zu verbringen. Damit das so bleibt und sich der Schwarzstorch nicht gestört fühlt, ist strenge Vertraulichkeit über die Standorte der Horste Voraussetzung, um über den Zugvogel berichten zu dürfen, macht der Leiter der Stiftungsforsten Kloster Haina, Manfred Albus, deutlich.

Im Frankenberger Land gebe es neun Brutpaare. Dies sei als Erfolg zu werten, der die naturnahe Waldwirtschaft in den Stiftungsforsten belege, so Albus.

Im Sommer sei einer der natürlichen Horste aus einer Baumkrone abgestürzt. Die Horste befinden sich in Höhen zwischen 8 und 25 Metern, überwiegend auf starken Buchen oder Eichen. Der Storch nutzt Astgabelungen oder starke parallel vom Stamm wachsende Seitenäste als Unterlage. Doch der Horstbau ist mühsam und deshalb bietet man dem Schwarzstorch auch vorgefertigte Plattformen an, um ihm den Nestbau und die Brut zu erleichtern.

Ein Schwarzstorch balanciert auf einem Ast. Für diese seltene Art wird der Horst gebaut.

Diese Aufgabe übernimmt an diesem Nachmittag Norbert Fiebach aus Rothenburg (Wümme). Er engagiert sich ehrenamtlich für die staatliche Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland. Schon als Kind habe es ihm Spaß gemacht, auf Bäume zu klettern. „Dass ich dann auch gelegentlich mal abgestürzt bin, hat mir nichts ausgemacht“, berichtet Fiebach. Doch er geht auf die 60 Jahre zu und sucht einen Nachfolger, der das Ehrenamt übernimmt.

Fiebach hat die komplette Kletterausrüstung angelegt und wirft ein kurzes Seil um den Stamm der etwa 30 Meter hohen Traubeneiche. Schritt für Schritt kraxelt er mit seinen Steigeisen den Stamm empor, das Seil nutzt er als Aufstiegshilfe. In der Krone angekommen, befestigt er sich an einem der Äste und beginnt mit dem Horstbau.

Dazu hat er eine Seilwinde gespannt und die Waldarbeiter, auf die er aus der Storchenperspektive blicken kann, reichen ihm Hölzer, Werkzeug, Nägel, Moos und Reisig. Schritt für Schritt entsteht in circa zwei Stunden ein künstlicher Horst.

Alle Beteiligten wünschen sich, dass der Schwarzstorch im Frühjahr sein ursprüngliches Domizil wieder aufsucht. Damit das gelingt, darf der Storch im Umkreis von 300 Metern rund um seinen Horst nicht gestört werden, zum Beispiel durch Spaziergänger oder lärmende Waldarbeiter.

Ein Problem gebe es jedoch zum Glück nicht im Frankenberger Land, erwähnt der NABU-Kreisvorsitzende Heinz-Günther Schneider: einen Konflikt mit der Windkraft. Dadurch, dass die Brutgebiete des Schwarzstorches schon früh auf einer Karte des Regierungspräsidiums Kassel eingezeichnet waren, konnte eine störende Bebauung mit Windrädern in den Brutgebieten des Schwarzstorches verhindert werden. (Paul Bröker)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.