Leerstandsbeseitigung ist eine mühevolle Sache

Dorfplatz in Birkenbringhausen scheitert an Londoner Bank 

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Erneuter Versuch: Gemeindevertreter Erich Naumann (links) und Burgwalds Bürgermeister Lothar Koch setzen sich dafür ein, hier, an der Kirche in Birkenbringhausen, einen Dorfplatz zu errichten und das alte Haus links abzureißen. Doch die Besitzerin, eine Londoner Bank, reagiert bisher nicht auf Anfragen.

Burgwald/Birkenbringhausen. Neue Käufer für leerstehende Häuser zu finden oder alte Gebäude abzureißen, das ist ein mühevolles Unterfangen, wie Beispiele in Birkenbringhausen zeigen. 

Käufer zu finden, die alte, leerstehende Gebäude in den Ortskernen sanieren und wiederbeleben – das ist das Ziel des Altbau-Förderprogamms der Gemeinde Burgwald, das 2012 aufgelegt wurde und 2020 endet. Allerdings: „Menschen für eine nachhaltige Altbausanierung zu gewinnen, ist eine mühsame Sache“. Diese Bilanz zieht auf HNA-Anfrage Bürgermeister Lothar Koch gemeinsam mit Gemeindevertreter Erich Naumann (Freie Wählergemeinschaft), der sich intensiv für eine Weiternutzung alter Häuser in seinem Heimatort Birkenbringhausen einsetzt.

Das beste Beispiel ist das alte Haus in der Hainstraße in Birkenbringhausen gegenüber der Kirche. Es wechselte laut Erich Naumann mehrfach den Besitzer, wurde von einem Geldinstitut zum anderen weitergegeben, wahrscheinlich in Immobilien-Paketen, die meist auch Schrottimmobilien enthalten.

Mit einer Berliner Bank vereinbarten Naumann und Koch vor drei Jahren, dass die Gemeinde das Gebäude samt Grundstück gegen eine Spende von 10 000 Euro erhalten sollte. Es sollte ein Dorfplatz entstehen. Doch dann ging die Immobilie in einem Pakt an eine Bank in London. „Die reagiert nicht auf unsere Anfragen“, schildert Koch. Er will nun einen neuen Versuch starten, indem er die Besitzer auf deren Verantwortung hinweist, das Grundstück abzusichern. Er hat Fotos von Gefahrenpunkten aufgenommen – etwa eine Absenkung im nicht eingezäunten Hof. „Mal sehen, ob sie jetzt antworten“, sagt Koch und will auch diesen HNA-Bericht mitschicken.

Den Abriss des Gebäudes hatte die Gemeinde schon mit der Unteren Denkmalbehörde abgesprochen, ebenso wie den für das benachbarte Haus Hainstraße/Ecke Krautgartenstraße. Das hat laut Erich Naumann aber zwischenzeitlich einen Käufer gefunden. Der Mann aus Köln habe aber augenscheinlich nur wenige Reparaturen vorgenommen. Teilweise platzt die Verkleidung von der Außenwand ab und fällt auf die Straße. „Das darf nicht sein. Wenn das einem Kind auf den Kopf fällt“, sagt der Bürgermeister.

Koch und Naumann haben die Erfahrung gemacht, dass manche Käufer Schrottimmobilien notdürftig sanieren und dann vermieten, insbesondere an Sozialhilfe-Empfänger. „Da sind die zuständigen Ämter aufgefordert, solche Wohnung auf ihre Tauglichkeit für Vermietungen genauer zu überprüfen“, fordert Koch.

Naumann kennt aber auch positive Beispiele. So habe eine Familie ein Haus in der Durchfahrtstraße erworben und sei dabei, es zunächst von innen gründlich zu sanieren. Doch kaum ist für ein altes Haus ein Käufer gefunden, kommen weitere hinzu. „In vielen Häuser wohnen nur noch ein oder zwei alte Leute. Der Leerstand bleibt ein Thema“, sagt Naumann. „Die Möglichkeit der Gemeinde, den Leerstand zu verhindern, sind begrenzt – auch mit einem Altbau-Förderprogamm. „Da muss man realistisch sein“, sagt der Bürgermeister. Wer ein altes Haus wirklich nachhaltig sanieren wolle, der mache das nicht von einer Förderung durch das Altbauförderprogramm abhängig.

Das Thema Leerstand betrifft laut Koch vor allem Birkenbringhausen. In anderen Ortsteilen der Gemeinde sei das aktuell kein Thema.

Hintergrund

Die Gemeinde Burgwald fördert derzeit 15 Altbau-Projekte. Für jeweils acht Jahre erhalten die Besitzer Zuschüsse. Die Höhe hängt von verschiedenen Kritierien, auch der Kinderzahl, ab und variiert von 80 bis 1625 Euro pro Jahr. 2018 und 2019 zahlt die Gemeinde dafür insgesamt jeweils 16.600 Euro. Danach wird die Fördersumme Jahr für Jahr geringer, weil dann bei immer mehr Projekten die Förderzeit ausläuft. Gefördert werden – bezogen auf die Ortsteile – acht Projekte in Ernsthausen, vier in Bottendorf, je eines in Wiesenfeld, Birkenbringhausen und Burgwald. Wer jetzt noch keine Förderung beantragt hat, kann nicht mehr berücksichtigt werden, denn die Gemeindevertretung hat, wie berichtet, auf Antrag des Gemeindevorstands die Einstellung des Programms beschlossen. Der Gemeindevorstand hatte argumentiert, dass mit dem Baukindergeld des Bundes neue Fördermöglichkeiten gegeben seien.

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