WAS WURDE AUS den Windrad-Projekten bei Ernsthausen?

Firma EWE will fünf Windräder bei Ernsthausen bauen

Windpark Burgwald. Einige der sieben Windräder bei Ernsthausen – von Münchhausen aus aufgenommen. Die rot markierten im Hintergrund sind 150 Meter hoch, die anderen sind die 80 Meter hohen Tacke-Anlagen. Archivfoto: Karl-Hermann völker
+
Windpark Burgwald. Einige der sieben Windräder bei Ernsthausen – von Münchhausen aus aufgenommen. Die rot markierten im Hintergrund sind 150 Meter hoch, die anderen sind die 80 Meter hohen Tacke-Anlagen. Archivfoto: Karl-Hermann völker

„Was wurde aus ...?“ heißt unsere Serie zum Jahresrückblick, in der wir erzählen, was aus besonderen Themen und Menschen des Jahres 2020 geworden ist. Heute geht es um Windkraftprojekte in Ernsthausen.

Ernsthausen – Zwei Firmen habe Interesse bekundet, im Windpark Burgwald bei Ernsthausen Windräder zu bauen – die EWE Erneuerbare regional GmbH aus Oldenburg und die Universelle Fertigteil-Fundamente (UFF) aus Hamburg, die sich inzwischen in Anker Foundations umbenannt hat.

Sehr aktiv ist EWE. „Aktuell prüfen wir Standorte für fünf Windkraftanlagen. Gleichzeitig treiben wir die Flächensicherung voran“, teilt Ina Buchholz von der Konzernkommunikation auf HNA-Anfrage mit. Das heißt, die Firma schließt Pachtverträge mit Eigentümern von Wiesen und Äckern.

Erste Flächenanteile habe sich bereits im Jahr 2009 die damalige Firma „Gewi Planung und Betrieb“ gesichert, die 2020 nach einer Verschmelzung zur EWE Erneuerbare regional GmbH geworden sei. „Den Grundeigentümern sind wir also als Vertragspartner bereits bekannt“, sagt die Sprecherin. Ende August 2020 hatte EWE den Projektplanungsstand dem Ortbeirat Ernsthausen vorgestellt.

Gedacht sei derzeit an fünf Windkraftanlage. „Eine finale Anlagenzahl ist in einem solch frühen Planungsstadium allerdings noch nicht festgelegt“, ergänzt die EWE-Sprecherin. „Bei Realisierung der möglichen Anlagenstandorte müssten nach unserer Einschätzung zumindest teilweise Alt-Anlagen im südlichen Bereich zurückgebaut werden. Hierzu werden wir die Gespräche mit den Betreibern intensivieren. Im Dialog mit dem Ortsbeirat haben wir diese Optionen bereits angesprochen“, informiert Ina Buchholz weiter.

Zum Hintergrund: Der Ortsbeirat Ernsthausen hatte 2013 beschlossen, dass Windräder im südlichen Bereich nicht höher sein sollen als 150 Meter. Dort stehen drei 80 Meter hohe Tacke-Anlage aus dem Jahr 1996. Nur im nördlichen Bereich, in der Flurbezeichnung Henniges Rück – getrennt von einem Wirtschaftsweg – dürfen Windräder höher sein. Dort stehen bereits vier 150 Meter hohe Anlagen der Firma Wotan. Fachleute sagen, dass dort allenfalls noch eine fünfte Anlage wirtschaftlich betrieben werden könne.

Zu diesem Beschluss sagt EWE: „Die Höhenbeschränkungen sind uns bekannt und werden im Planungsprozess berücksichtigt. Unser Ziel ist es grundsätzlich, alle Planungen im Einvernehmen mit der Gemeinde durchzuführen.“ Ziel sei es, die Flächensicherung im Laufe diesen Jahres abzuschließen. „Sobald die Flächenakquise erfolgreich ist, werden wir die Gutachten in Auftrag geben, die erforderlich sind, um einen Genehmigungsantrag einzureichen“, schildert Ina Buchholz.

Sie umreißt die grobe Planung so: Die Kartierung für die Avifauna werde voraussichtlich 2022 starten, mit der Erteilung einer Genehmigung wäre Ende 2023/Anfang 2024 zu rechnen, so dass eine Planung des Baustarts ab Ende 2024 realistisch wäre. Zum Investitionsvolumen könne sie zu diesem frühen Zeitpunkt noch keine Aussage tätigen.

Tan Siekmann: „Wir überlegen noch“

Während bei EWE Erneubare regional die Planungen relativ konkret sind, überlegt die Firma Universelle Fertigteil-Fundamente (UFF) aus Hamburg, jetzt Anker Foundations, noch, ob sie ihre Pläne in Ernsthausen überhaupt umsetzen will.

Ende Juni 2020 hatte sie ihre Ideen im Ortsbeirat Ernsthausen vorgestellt: Zum einem wollte das Unternehmen das leer stehende Betonwerk an der B 252 in Ernsthausen, in dem derzeit der Zirkus Barelli sein Quartier aufgeschlagen hat, erwerben und dort Einzelteile für Beton-Fundamente von Windkraftanlagen herstellen.

Neuartiges Windrad-Fundament: Die Firma Universelle Fertigteil-Fundamente (UFF), heute Anchor Foundations, stellte im Juni 2020 dem Ortsbeirat Ernsthausen ihr Projekt zur Produktion von Betonfundamentteilen für Windkraftanlagen vor, (von links) Mitgesellschafter Tan Siekman (Burg Lichtenfels) sowie die Ingenieure Gregor Prass (Geschäftsführender Gesellschafter von UFF) und Christoph Schriefer aus Hamburg.

Die Ingenieure Gregor Prass und Christopher Schriefer von Anker Foundations hatten dafür ein neues Verfahren entwickelt. Mit im Boot ist der ehemalige Biodata-Chef Tan Siekmann (Lichtenfels), der jetzt Wind- und Solaranlagen baut. Ob der Kauf des Betonwerks zustande kommt, ist seinen Angaben nach noch nicht geklärt. Dagegen spreche, dass die hauptsächliche Kundennachfrage nach den Betonsockel-Segmenten aus dem skandinavischen Raum komme. Derzeit lasse Anker Foundations die Betonsegmente in einer Fremdfirma in Hamburg fertigen.

„Wenn in Skandinavien Windparke entstehen, dann gleich mit 80 bis 100 Anlagen, in Deutschland seien es vielleicht mal fünf in einem Park“, beschreibt Siekmann die Bedeutung des skandinavischen Raums für das Unternehmen.

Aber auch mit Nachfrage aus dem südlichen Deutschland sei zu rechnen, sagt Siekmann. Allerdings könnten in Ernsthausen nur 20 Fundamte pro Jahr gegossen werden. Es würden aber wahrscheinlich eher 200 gebraucht.

Siekmann und die Anker Foundations haben noch ein anderes, neues Ziel: den Bau von Windkraft-Türmen aus Holz. Ingenieur Prass war 2012 maßgeblich am Bau eines solchen Holzgerüstes, dem Timber-Tower in Hannover, beteiligt. „Wir können uns vorstellen, für den Bau der Holzgerüste ein Werk auf dem geplanten interkommunalen Gewerbegebiet zwischen Ernsthausen und Münchhausen zu errichten“, sagt Siekmann.

Ein weiteres Ziel von Siekmann und Anker Foundations im Juni war: im Windpark Ernsthausen auch mindestens ein Windrad zu errichten, um ihre Anlage mit dem neuen Einzelteile-Fundament, die in Ernsthausen gefertigt werden sollten, präsentieren zu können. Es hätten aber noch keine entscheidenden Gespräch mit den Grundstückseigentümern stattgefunden.

Von Martina Biedenbach

Windpark Burgwald

Sieben Windkraftanlagen stehen derzeit im Windpark Burgwald westlich von Ernsthausen. 1996 hatte die Windpark Burgwald, eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts, vier Tacke-Anlagen bei Ernsthausen in Betrieb genommen. Damals waren die mit Rotor zirka 80 Meter hohen Anlagen hochmodern.

2011 stellte die Firma Wotan vier 150-Meter-Anlagen im Windpark auf, ein einziges dieser Windräder produziert so viel Strom wie die vier Tacke-Anlagen zusammen. 2011 brannte die Schaltanlage eines der Tacke-Windräder aus, das später komplett abgebaut wurde.

Zwei Firmen wollten an diesem Standort ein 200 Meter hohes Windrad aufstellen. Mit diesem Antrag hatte sich der Ortsbeirat Ernsthausen Ende 2013 befasst. Er beschloss laut Bürgermeister Lothar Koch: „Links/südlich von Henniges Rück soll nur eine Bebauung mit Anlagen bis 150 Meter Höhe möglich sein, im verbleibenden Bereich Anlagen bis zu 200 Metern Höhe.“ Dafür müsse aber der Flächennutzungsplan geändert werden.

Zu den aktuellen Windkraft-Plänen bei Ernsthausen sagt Burgwalds Bürgermeister Lothar Koch auf HNA-Anfrage: „Sollten neue Vorhaben beantragt werden, wird sich der Ortsbeirat Ernsthausen erneut damit befassen und eine Stellungnahme abgeben. Diese wird in den dann folgenden Beschlussfassungen in Gemeindevorstand und Gemeindevertretung natürlich berücksichtigt. Über die Köpfe der Ernsthäuser hinweg werden Gemeindevorstand und Gemeindevertretung keine Beschlüsse in Sachen Aufstellung von Windanlagen fassen.“ mab

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.