Etappensieg im Kampf gegen den Käfer

Forstamt Burgwald: Fichten vorerst vorm Borkenkäfer gerettet

Nach dem Kraftakt gegen Borkenkäfer: Christiana Lorey und Thomas Figge vom Forstamt Burgwald freuen sich, dass Fichtenbestände – wie hier im Hintergrund – vor dem Borkenkäfer gerettet wurden, indem befallene Bäume gefällt wurden. Überall liegt Rinde mit den Spuren des Käfers.
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Nach dem Kraftakt gegen Borkenkäfer: Christiana Lorey und Thomas Figge vom Forstamt Burgwald freuen sich, dass Fichtenbestände – wie hier im Hintergrund – vor dem Borkenkäfer gerettet wurden, indem befallene Bäume gefällt wurden. Überall liegt Rinde mit den Spuren des Käfers.

Der Borkenkäfer bedrohte den gesamten Fichtenbestand im Forstamt Burgwald. Die Forstleute kämpften mit einem riesigen Kraftakt gegen ihn - und stellen nun das Ergebnis vor.

Burgwald – „Wir sind vorsichtig optimistisch und holen nun nach einem gewaltigen Kraftakt erst einmal Luft.“ So beschreiben Christina Lorey, stellvertretende Leiterin des Forstamts Burgwald, und der Rodaer Revierförster Thomas Figge den Stand im Kampf gegen den Borkenkäfer.

Wie berichtet, war nach dem Käferflug Ende Juni der gesamte Bestand der Fichten im Burgwald bedroht – rund eine Million Festmeter Fichtenholz, ein staatliches Vermögen im hohen zweistelligen Millionenbereich. Die durch die Trockenheit der vergangenen drei Jahre enorm geschwächten Fichten konnten sich gegen die in diesen Jahren zu einer riesigen Armada angewachsenen Schädlinge nicht wehren. Andere Forstämter, mit trockenen Böden, haben bereits alle nennenswerten Fichtenbestände verloren.

„Wir hatten nur eine Chance, die komplette Vernichtung der Fichten zu verhindern, indem wir befallene Bäume sofort fällten und aus dem Wald schafften“, sagt Förster Figge. Alleine im Revier Roda, eines der am meisten betroffenen im Burgwald, machten die Forstleute sich mit acht Harvestern und allen verfügbaren Kräften, auch aus Nachbarforstämtern, an die Arbeit. Sie suchten die 2100 Hektar große Fläche immer wieder nach befallenen Bäumen ab und fällten diese.

„Wir haben in dreieinhalb Wochen 20 000 Festmeter Fichten geschlagen“, sagt Figge. Das sei die in seinem Revier sonst übliche gesamte Einschlagmenge an Laub- und Nadelbäumen in einem Jahr. „Es ging an die Belastungsgrenze der Mitarbeiter und teilweise auch darüber hinaus. Es war eine gewaltige Teamleistung“, würdigt die stellvertretende Forstamtschefin den Einsatz.

„Der Kraftakt hat sich gelohnt, zumindest nach vorläufigem Stand“, sagt sie. Der allergrößte Teil der Käferbäume sei aus dem Wald – im Revier Roda ebenso wie im gesamten Forstamtsgebiet. Das Holz sei entweder direkt zu Sägewerken oder in Lager außerhalb gebracht worden. Im Feld kann die nächste Käfergeneration, deren Larven sich unter der Rinde entwickelt haben, zwar noch ausfliegen. Doch viel mehr als 500 Meter Strecke schaffen sie nicht. Auch jetzt kontrollieren die Forstleute die Fichten weiter, finden aber nur noch einzelne Käferbäume.

Dass das Gros der Bestände gerettet werden konnte, sei neben der Hilfe der anderen Forstämter auch Hessen-Forst Technik mit zu verdanken. Die Abteilung des Landesbetriebs habe den Abtransport der Stämme organisiert. „Das hat gut geklappt“, sagt Christina Lorey. Sie ist für den Verkauf des Holzes zuständig. Frisches Fichtenholz sei derzeit gefragt, der Preis sei gut, sagt sie. Die Einnahmen aus dem Verkauf deckten die Kosten für die Rettungsaktion im Burgwald, sagt Lorey. „Die Nachfrage an Rohholz für den Export ist sehr groß. Allerdings bedienen wir dieses Marktsegment nicht. Wir verkaufen an die einheimische Holzindustrie. In welchem Umfang Holzprodukte von der heimischen Holzindustrie exportiert wird, ist uns nicht bekannt“, erläutert Lorey weiter. Wie berichtet, wird aufgrund des aktuellen Bauholzmangels in Deutschland gefordert, Exporte zu verhindern.

„Die starken Regenfälle in den vergangenen Wochen waren bei der Rettungsaktion Segen und Fluch zugleich“, sagt Förster Figge. Der durchweichte Boden habe die Fällarbeiten und den Abtransport erschwert. Aber die Erde sei nun wieder bis in zirka 75 Zentimeter Tiefe durchfeuchtet. Das Feinwurzelwerk der Fichte beginne, sich zu regenerieren. Die Baumart fange an, sich zu erholen. Ab und zu sehe man, dass sich vom Käfer befallene Bäume wieder mit Harzbildung gegen den Eindringling wehrten.

Deshalb wünschen sich die Forstleute weiterhin einen durchwachsenen Sommer und Herbst. Aber keine Starkregen, denn dann fließt das meiste Wasser durch die Bäche und Flüsse ab. Das Forstamt Burgwald habe einen Etappensieg gegen den Käfer errungen. Wie der Kampf weitergeht, das hänge vom Wetter ab. Angesichts des Klimawandels mischt sich deshalb unter die Freude der Forstleute auch viel Sorge. » 

Mit der Handy-Kamera: Forstanwärterin Marie Wittmer-Eigenbroth vermisst das frisch geschlagene Holz, das auf dem Polter liegt.

Die gewaltige Aufgabe der Wiederaufforstung

Bei der Rettungsaktion der Fichten mussten die Verantwortlichen im Burgwald etwas in Kauf nehmen, das ihrem seit Jahrzehnten verfolgten Konzept der nachhaltigen Waldwirtschaft zuwiderläuft: Kahlschläge. Da, wo großflächig Fichten vom Käfer befallen waren, wurden Bereiche komplett gefällt.

Kritikern, die sagen, der Mensch solle nicht mehr eingreifen, den Wald sich selbst überlassen, hält der Rodaer Revierförster Thomas Figge entgegen: „Wir brauchen auch in den kommenden Jahren Bauholz für Dachstühle und Möbel. Woher soll es dann kommen? Aus der Taiga?“ Der Holzimport sei für das Gesamtklima mindestens genauso schädlich.

„Wir Förster denken nicht nur an ein Brett, wenn wir einen Baum sehen, wie uns unterstellt wird“, ergänzt die stellvertretende Forstamtsleiter Christina Lorey. „Wir haben die verschiedenen Funktionen des Waldes im Blick seine Bedeutung für den Klimaschutz, als Wasserspeicher, als Erholungsraum und auch als Holzlieferant.“

Die Forstleute wissen, dass Kahlflächen vermieden werden müssen. Sonst wird der nährstoffreiche Humusboden abgetragen und es geht Lebensraum für Pflanzen, Insekten und Vögel verloren. Die Kahlflächen erhitzen sich stark, schwächen die Kühlungsfunktion, die der Wald auch für die Umgebung hat, ab. Deshalb haben die Forstleute da, wo es möglich war, auch einzelne nicht befallene Bäume mitten auf freier Fläche stehen gelassen.

„Auf uns wartet die gewaltige Aufgabe der Wiederbewaldung“, erläutert Christina Lorey. Allein im Revier Roda geht es um rund 100 Hektar. Je nach Standort werde geschaut, welche neuen Bäume von alleine nachwachsen. Fichten sollen durch andere Baumarten ergänzt werden – etwa Douglasie, Weißtanne oder Ahornarten, um einen Mischwald zu bekommen. „Hier geht es uns um eine Risikostreuung und um die Beteiligung möglichst vieler Baumarten. Insbesondere auf den Kahlflächen ist es auch die Eiche. Durch unsere FSC-Zertifizierung ist die Pflanzung nicht-heimischer Baumarten begrenzt“, sagt Lorey.

Eine Herkulesaufgabe sei auch, zu verhindern, dass die nachwachsenden Bäume von Brombeeren und anderer Begleitvegetation überwuchert werden. Von Martina Biedenbach

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