Profimusiker spielten in der Martinskirche

„Genesis Brass“ spielte in Bottendorf Weihnachtslieder modern arrangiert

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Das Ensemble „Genesis Brass“ mit Instrumentalisten aus ganz Deutschland stellte in der Bottendorfer Martinskirche alte Weihnachtslieder in modern arrangierten Varianten vor.

Bottendorf. In Zeiten, in denen Weihnachtslieder in Warenhäusern und auf Märkten als Dauerberieselung inflationär entwertet zu werden drohen, war in Bottendorf ein ganz anderes, bewusstes Hören angesagt: Professor Christian Sprenger verlieh dort mit elf Spitzenmusikern von „Genesis Brass“ bei einer Bläsermusik zum Advent vertrauten Weisen ein neues Gewicht

Als ein besonderes „Geschenk“ zum 50-jährigen Bestehen der Martinskirche, das am Wochenende gefeiert wurde, bezeichnete Thomas Mandel vom veranstaltenden Jugendposaunenchor Bottendorf dieses Tournee-Gastspiel von Genesis Brass. Seit Jahren gebe es eine enge Verbindung zwischen Professor Sprenger und dem Bottendorfer Posaunisten Sebastian Stricker, der wie Sprenger einen Lehrauftrag an der Musikhochschule Franz Liszt in Weimar hat und in seinem Ensemble mitspielt.

Diese freundschaftliche Verbindung zur Region zog sich während des gesamten Konzertes auch durch die Moderation von Christian Sprenger „wie ein Nach-Hause-Kommen“: Er stammt aus Gilserberg, kennt die Posaunenchöre der Region, bewundert die „wahnsinnig rührige Bläserarbeit“ in Bottendorf und Umgebung, und er wird dort im März wieder einen Workshop leiten. „Es klingt in der Region Burgwald aus allen Häusern!“

Dann entfalteten die Genesis-Bläser einen faszinierenden Bilderbogen: Auf stürmisches Bassposaunen-Gestöber mit weiten Mensuren „rieselte“ nicht leise, sondern trompetenscharf der Schnee. Bei „Es kommt ein Schiff geladen“ sah man mit geschlossenen Augen, wie sich aus Nebel und Meereswogen die Choralmelodie herausschälte und in einem strahlenden Schlussakkord ihren Hafen erreichte.

Dieses kreative Spiel mit Liedzitaten und Bildern, die sich in der Tradition liturgischer Choralvorspiele schließlich zum geistlichen Lied vereinen, beherrschen die Komponisten Christian Sprenger und seine Schwester Anne Weckeßer, die auch im Konzert anwesend war, meisterhaft.

Dem weltbekannten Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“ widmete Sprenger besondere Zuwendung: Auch, wenn er es in seinem Bläser-Arrangement in Segmente mit moderner Harmonik und Einzelmotive zerpflückte, spürte man an jeder Stelle die große Ehrfurcht, die er in der Ganzheit für dieses Lied empfindet. Ähnlich eindrucksvoll geriet den Bläsern der dunkle Weg zur Krippe durch kontrastreiche Klangbilder bis zur Ankunft, darüber glänzend der Stern der Piccolo-Trompete, bei „Ich steh an deiner Krippen hier“.

Mehr als 250 Freunde der Posaunenmusik, darunter viele selbst aktive Bläser und Chorleiter, feierten am Ende das Ensemble mit langem, begeisterten Beifall.

Hintergrund: Das Ensemble

Von Theatern und Orchestern aus allen Teilen Deutschlands stammen die Ensemble-Mitglieder, die in Bottendorf auftraten: Florian Dörpholz (Trompete), Simone Gruppe (Trompete/Flügelhorn), Jonathan Bucka (Trompeten/Flügelhorn), Stephan Stadtfeld (Trompete), Márk Marton (Piccolotrompete/Trompete), Jósef Vörös (Posaune), Christian Brand (Posaune), Julius Joachim (Posaune), Andreas Jaschke (Bassposaune), Sebastian Stricker (Euphonium) und Herbert Hornig (Tuba). Unter den mehreren Zugaben war auch eine Komposition von Julius Joachim (Weimar) und Benedikt Huhn (Röddenau). 

Mit der Adventsmusik in der Bottendorfer Martinskirche stellte das Ensemble „Genesis Brass“ seine neue Weihnachts-Produktion unter dem Titel „Niemals war die Nacht so klar II“ vor. Zu den Audio-CDs gibt es Bläsernoten für Chöre. 

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