Heumachen früher: Von Holzrechen und dem mühsamen Graswenden per Hand

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In der Stellmacherwerkstatt in Ernsthausen: Heinrich Funk (links) besitzt noch seinen 55 Jahre alten eigenen Kinderrechen (links). Den buntbemalten Kinderrechen in seiner anderen Hand hat Stellmacher Hermann Hirth angefertigt, ebenso wie den bunten „Brauträche“ (rechts). Der blaue Rechen ist für Hirth ein Negativbeispiel, weil der Winkel vom Rechenkamm zum Stiel ungünstig sei.

Frankenberger Land. Früher waren Holzrechen für Kinder und Brautpaare bunt bemalt, erzählen zwei Ernsthäuser. Das sollte wohl das mühsame Heuwenden per Hand erleichtern. 

Bevor die Landmaschinen das Heumachen erleichterten, spielten die handgemachten Heurechen eine große Rolle. Darüber hat sich die HNA mit Heinrich Funk dem Vorsitzenden des Heimat- und Kulturvereins Ernsthausen, und mit Hermann Hirth, in dessen alter Stellmacherwerkstatt unterhalten.

Der gelernte, jetzt 80-jährige Stellmacher Hirth – „Petersch Hermann“ genannt – hat das Rechenmachen dort zu seinem Hobby gemacht, dazu gehören auch die „Braut-räche“, die geschnitzt und buntbemalt, an Braut und Bräutigam zur Hochzeit geschenkt wurden.

Auch einen buntbemalten Kinderrechen zeigt er und fragt: Wo ist der Unterschied? „Das sieht man an der Größe, und der Rechen hat zur Stabilisierung nur zwei Bügel aus Weide, der für Erwachsene drei. Ganz wichtig bei allen Rechen ist, dass der Winkel vom Rechenstiel zum Zinkenkamm stimmt, damit direkt vor den Füßen gewendet werden kann“, erklärt Hirth.

So einen Kinderrechen hat auch der 65-jährige Heinrich Funk, „Jockobs Heinrich“ mit Hausname, als Zehnjähriger geschenkt bekommen. „Jetzt, nach 55 Jahren, reche ich damit noch das Gras für die Kaninchen zusammen“. Dieser Satz hört sich in seiner Ernsthäuser Mundart so an: „Do met räche ech noch doss Haosegroas“.

Sein Rechen ist nicht ganz so bunt wie die von „Petersch Hermann“ und hat nur einen Drahtbügel. Er erinnert sich noch gut ans Heumachen, wobei er als Zehnjähriger schon mit eingespannt war beim Wenden mit dem Rechen.

„Schlimm waren die großen Wiesen, das nahm beim Wenden kein Ende. Und bei Hitze war man froh, wenn ein Baum in der Nähe war und man sich mal in den Schatten stellen konnte. Neidisch sah ich auf die Pferdebauern, die schon einen Gabelwender hatten. Wenn das Heu auf dem Wagen war, kam oben drauf der „Wessebärme“ und das Heu wurde nach Hause gefahren“, erzählt er. Der „Wessebärme“ (Wiesenbaum) war eine Stange, die über den gefüllten Heuwagen gelegt und hinten und vorne verzurrt wurde.

Auch bei der Familie Funk kamen dann Schlepper und Maschinen auf den Hof. „Weil mein Vater starb, als ich 14 Jahre alt war, bekam ich die Sondererlaubnis, den Schlepperführerschein zu machen. Innerhalb der Gemarkung durfte ich fahren. Jetzt waren es andere Jungen, die mir neidisch beim Schlepperfahren zusahen.“

Haben auch Sie Geschichten vom Dorfleben früher oder wollen auch Sie Mundart-Wörter aus Ihrem Ort für das HNA-Platt-Quiz zu Silvester beisteuern, dann schreiben Sie uns unter frankenberg@hna.de. Bitte nennen Sie uns das Quizwort und die hochdeutsche Übersetzung. Schreiben Sie bitte Ihre Adresse und Telefonnummer dazu.

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