Anders als der Nachbarort Ernsthausen

Ortsbeirat Bottendorf lehnt Tempo 30 auf B 252 im Ort ab

B-252-Ortsdurchfahrt Bottendorf: Die Anlieger sind durch den Auto- und Lkw-Verkehr schwer belastet.
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B-252-Ortsdurchfahrt Bottendorf: Die Anlieger sind durch den Auto- und Lkw-Verkehr schwer belastet.

Der Bottendorfer Ortsbeirat hat gegen eine Einführung von Tempo 30 auf der B 252 im Ort gestimmt. Vier Ortsbeiräte waren dafür, vier dagegen und ein Mitglied enthielt sich.

Bottendorf. Damit geht Bottendorf einen anderen Weg als der Ernsthäuser Ortsbeirat, der, wie berichtet, einstimmig forderte, dass die Gemeinde Burgwald die Einführung der Höchstgeschwindigkeit 30 Stundenkilometer in ihrer B-252-Ortsdurchfahrt bei den Straßenbehörden beantragen soll.

Hintergrund ist in Bottendorf wie in Ernsthausen, dass die beiden Orte im aktuellen Lärmaktionsplan des Landes nicht als Konfliktpunkte aufgeführt worden sind. Das sorgte für Empörung. Nun soll den Verantwortlichen auf anderem Wege deutlich gemacht werden, wie die Anlieger unter der enormen Verkehrsbelastung leiden.

Als einen Aspekt ziehe der Gemeindevorstand Tempo-30 auf den Ortsdurchfahrten in Betracht, erläuterte Bürgermeister Lothar Koch in der Ortsbeiratssitzung am Dienstagabend, zu der ein Dutzend Zuschauer gekommen war „Das werden wir aber nur beantragen, wenn der Ort das wünscht.“

Werner Geil, ein B-252-Anwohner in Ernsthausen, warb im Bottendorfer Ortsbeirat dafür, mit dem Nachbarort an einem Strang zu ziehen. Für die Anwohner bringe Tempo 30 weniger Belastung durch Schadstoffe und mehr Sicherheit. Ob auch eine Lärmreduktion zu erwarten sei – da streiten sich laut Geil die Geister. Mit Tempo 30 auf beiden langen Ortsdurchfahrten könne man ein deutliches Zeichen setzen und vielleicht auch etliche Lkw-Fahrer dazu bringen, andere Strecken zu nutzen.

Dem hielt Karl-Heinz Müller entgegen, dass es nicht angehe, andere mit zusätzlichem Verkehr zu belasten, etwa Berghofen oder Rosenthal/Bracht. Er bezweifelte auch, dass es eine Entlastung bringe, wenn die vielen Lkw langsam durch den Ort führen. „Schließlich ist die B 252 eine Bundesstraße und für den Fernverkehr gedacht“, sagte er.

Bottendorfer B-252-Anwohner machten jedoch auf ihre Belastung aufmerksam – insbesondere durch Lärm und Erschütterungen, die im ganzen Haus zu fühlen seien und Risse in Hauswänden und Tortenplatten verursachten.

Dennoch gab es keine Mehrheit für Tempo 30. Doch nach der Abstimmung bekundeten die Ortsbeiratsmitglieder, sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen. So soll ein Vorschlag, den Gemeindevertreter Jens Jesberg als Zuschauer gemacht hatte, in Betracht gezogen werden. Er sagte, er habe keine große Lust die gesamte, 1,8 Kilometer lange Ortsdurchfahrt mit Tempo 30 zu passieren. Aber man könne stellenweise Tempo 30 einführen, etwa im Bereich der Grundschule.

Ein weiteres Thema in der nächsten Ortsbeiratssitzung soll auch die Frage sein, ob für Nebenstraßen Tempo 30 beantragt werden soll.

Kritik an klappernden Kanaldeckel 

In der Diskussion des Ortsbeirats Bottendorf um Tempo 30 auf der B-252-Ortsdurchfahrt wurden auch folgende Themen angesprochen:

Verkehrszählung

Wie in Ernsthausen bezweifelt man auch in Bottendorf die vorliegenden Verkehrszählungen, nach denen weniger als drei Millionen Fahrzeuge pro Jahr die Orte passieren. Eine Lösung präsentierte Bürgermeister Lothar Koch: „Die Gemeinde macht eigene Verkehrszählungen. Wir haben eine Geschwindigkeitsanzeigetafel angeschafft und eine Zählung über Hessen-Mobil beauftragt.“

Kanaldeckel

Zahlreiche Anwohner sowie Ortsbeiratsmitglied Karl-Heinz Müller beklagten zusätzlichen Lärm und Erschütterungen durch klappernde Kanaldeckel und Unebenheiten auf der B 252 – insbesondere, wenn Lkw darüberfahren. Immer mehr parkende Fahrzeuge am Straßenrand verstärkten die Belastung, weil Lkw dadurch noch mehr zum Überfahren von Kanaldeckeln gezwungen würden.

Bürgermeister Koch sagte, dass demnächst ein Versuch mit neuartigen Kanaldeckeln gestartet werde. Sie sollen weniger Lärm produzieren. Zudem sei bei der B-252-Sanierung 2009 der Straßenkörper nicht ausreichend tief erneuert worden. „Hessen-Mobil kennt das Problem“, sagte Koch. Er sei zuversichtlich, dass zumindest ein neuer Straßenbelag erfolge.

Mobile Blitzer

Weil viele Lkw und Pkw schneller als die erlaubten 50 Stundenkilometer im Ort führen, sollten neben den beiden stationären Blitzern auch mobile Geschwindkeitsmessungen erfolgen, forderte Müller.

Koch: Mehr Druck für die Umgehung machen

In einem Punkt waren sich in der Bottendorfer Ortsbeiratssitzung alle einig: „Wir müssen mehr Druck für die Realisierung der seit Jahrzehnten in der Planung befindliche Ortsumfahrung Ernsthausen /Bottendorf machen“, formulierte es Bürgermeister Lothar Koch.

„Es kann nicht angehen und auch nicht länger hingenommen werden, dass wir von Hessen-Mobil und übergeordneten Behörden permanent vertröstet werden und immer nur auf eine baldige Fertigstellung der Planfeststellung verwiesen wird. Seit Jahren die gleichen Antworten und Zusagen von dort, aber passiert ist nichts. Die für die erste Jahreshälfte 2020 zugesagte Vorstellung der aktuellen Planung verschiebt sich nun wohl wieder auf Anfang 2021“, sagte der Bürgermeister und merkte selbstkritisch an: „Wir haben uns zu sehr vertrösten lassen und auf die Aussagen vertraut.“

Es gebe zunehmend Beschwerden von B 252-Anliegern in Ernsthausen und Bottendorf, aber auch der K 117 in Wiesenfeld über die zunehmenden Mengen an Pkw- und Lkw-Verkehr. „Die Gemeinde Burgwald ist die einzige an der B 252 liegende Gemeinde, in der weder Baumaßnahmen anstehen, noch baureife und umsetzbare Planungen für eine Ortsumfahrung vorliegen. Wenn in zwei bis drei Jahren die Ortsumfahrung Münchhausen fertiggestellt ist, wird die Gemeinde Burgwald zu einem Nadelöhr der B 252 werden, mit weiter steigenden Fahrzeugzahlen, mit zunehmendem Lärm und zusätzlichen Belastungen für die betroffenen Ortsteile, sowohl an der B 252 als auch der K 117.“

Eine Geschwindigkeitsreduzierung auf „Tempo 30“ in den Ortsdurchfahrten könne nur ein kurzer Übergang sein. Die politische Verantwortlichen müssten sich klar für den Baubeginn der Ortsumgehung einsetzen. Die Fraktionen der Burgwalder Gemeindevertretung seien darüber im Gespräch. „Auch Abgeordnete auf Kreis-, Landes und Bundesebenen sind aufgefordert, uns zu unterstützen“, sagt Koch.

Heinz Klem, ehemaliger Ortsvorsteher in Bottendorf, erinnerte an die erfolgreiche Protestaktion der B-252-Anrainer im Bereich Münchhausen und Wetter, die sogar Straßenblockaden beinhalteten.

Von Martina Biedenbach

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