1. Startseite
  2. Lokales
  3. Frankenberg / Waldeck
  4. Burgwald

Landwirt saß auf 40 Tonnen Bio-Dinkel: So ging die Geschichte aus dem Sommer weiter

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Susanna Battefeld

Kommentare

Jan-Niklas Paul aus Birkenbringhausen hat seine Bio-Dinkel-Körner inzwischen zum Teil auch zu Mehl vermahlen lassen und konnte alles verkaufen.
Jan-Niklas Paul aus Birkenbringhausen hat seine Bio-Dinkel-Körner inzwischen zum Teil auch zu Mehl vermahlen lassen und konnte alles verkaufen. © SUSANNA BATTEFELD

Was wurde eigentlich aus den 40 Tonnen Bio-Dinkel, für die der Birkenbringhäuser Jan-Niklas Paul im Sommer keine Abnehmer gefunden hat? Wir haben ihn gefragt.

Birkenbringhausen – Die Resonanz auf den im August erschienenen Artikel über Jan-Niklas Paul, der seinen Bio-Dinkel nicht los wurde, war riesengroß: Auf einer Internet-Plattform meldeten sich innerhalb weniger Wochen 3500 Privatpersonen, die sich für den Dinkel interessierten. Auch bei der HNA gingen zahlreiche E-Mails mit der Bitte um Weiterleitung an den 31-jährigen Nebenerwerbslandwirt ein.

Wie berichtet, hatte der Familienvater aus Burgwald-Birkenbringhausen in dieser Saison eine besonders gute Ernte eingefahren, konnte das Getreide aber nicht verkaufen, weil der Markt übersättigt war. Die Vorräte würden vermutlich noch bis 2024 reichen, hatte man ihm mitgeteilt. Da Paul lediglich über einen Teil des Dinkels im Vorfeld eine Absatzvereinbarung geschlossen hatte, drohte der Betriebsagrarwirt auf den verbleibenden 40 Tonnen sitzen zu bleiben.

Trotz des schließlich großen Interesses schienen die Absatzprobleme des Birkenbringhäusers aber zunächst doch nicht lösbar. Neben den Kosten für das Entspelzen, damit der Dinkel überhaupt verwendet werden kann, musste Jan-Niklas Paul schließlich auch die Logistikkosten einkalkulieren, zumal die meisten Interessenten nur kleine Mengen kaufen wollten. „Da bin ich schnell mal bei 10.000 Euro, die ich noch investieren muss, bevor ich überhaupt beim Kunden bin“, gab er im September noch zu bedenken.

Telegram-Gruppe „Dinkel-Team“ unterstützte Landwirt bei der Vermarktung

Unerwartete Hilfe brachte dann eine Unterstützer-Gruppe, die sich auf der Plattform Telegram unter dem Namen Dinkel-Team gegründet und vernetzt hatte und bereit war, das Getreide für ihn ehrenamtlich zu vermarkten. Um es vorwegzunehmen: Jan-Niklas Paul hat noch mal Geld in die Hand genommen, die Dinkelkörner in einer Mühle in Bad Arolsen-Schmillinghausen entspelzen lassen und konnte mittlerweile die gesamte Menge – abgepackt in 25 Kilo Säcke und teilweise auch gemahlen – an private Abnehmer verkaufen.

„Die Nachfrage ist so groß, dass ich sogar einen Bestellstopp verhängen musste“, berichtet Paul. 300 Bestellungen seien schon unter der Regie des Dinkel-Teams ausgeliefert worden. Weitere 100 Interessenten gibt es noch. „Die Mehrzahl sind Privatleute, die selbst Brot backen“, sagt er. Ein Kunde sei sogar extra aus Regensburg angereist und habe 1200 Kilo gekauft. Von Händlern habe er keine Anfragen bekommen. „Ohne das Dinkel-Team hätten wir das nicht auf die Reihe gekriegt“, betont Paul.

Telegram-Gruppe „Dinkel-Team“ entwickelte Bestellformular

Auch wenn letztlich nur ungefähr zehn Prozent der zuletzt fast 4000 Interessenten tatsächlich bestellt hätten, hätte er das alleine nicht schaffen können. Die Mitglieder des Dinkel-Teams, die unter anderem auch ein Bestellformular entwickelt und die Auslieferungen nach Postleitzahlen geordnet organisiert hätten, seien die Hauptakteure bei der Vermarktung gewesen.

Da auch vor Ort Nachfragen nach seinem Bio-Mehl gekommen seien, biete er jetzt auch kleinere Mengen von einem und drei Kilo an, teilt Paul mit. Auch auf dem Adventsmarkt in Birkenbringhausen habe er Mehl verkauft. Und wie sehen seine Pläne für das kommende Jahr aus? „Ich habe im Herbst wieder fünf Hektar Dinkel angebaut“, sagt Jan-Niklas Paul. „Vielleicht kann ich das Selbstvermarkten noch ein bisschen erweitern – ich bin offen für alles.“

Auch interessant

Kommentare