Serie "Das besondere Museumsstück"

Der Luftabzug im Bunker der Geschichte in Burgwald ist außergewöhnlich 

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Auf dem Museum-Bunker: Das viereckige Türmchen ist ein Schornstein und eine „ausgeklügelte aerodynamische Tarnung“, hat Bernhard Bock herausgefunden.

Burgwald. Das besondere Museumsstück im „Bunker der Geschichte“, der an die ehemalige Luftmunitionsanstalt aus dem Zweiten Weltkrieg im Burgwald erinnert, ist das Türmchen auf dem Hügel, unter dem der Bunker verborgen ist.

„Es ist eine ausgeklügelte aerodynamische Tarnung“, sagt Bernhard Bock, der wesentlich an der Einrichtung des Museums mitgewirkt hat. Das viereckige Türmchen ist eine Art Schornstein.

„Im Bunker lagerte nie Munition. Er wurde zur Stromverteilung genutzt. Für Stromausfälle wurde eine Notstromversorgung mit Schiffsdieselmotor und Generator zur Stromerzeugung eingebaut. Ein Keil in dem Turm hat den Abgasstrom in vier Richtungen verteilt. Wären die Abgase gebündelt nach oben geströmt, hätte der Feind sie von Weitem gesehen“, schildert Bock.

Tarnung war am wichtigsten

Tarnung war das Grundprinzip beim Bau der Luftmunitionsanstalt – vor Ort Muna genannt. Die Gebäude wurden im Landhausstil errichtet, die Bunker im Wald versteckt. „Dort lagerten 10.000 Tonnen Kampfstoffe, genug um die Bevölkerung ganz Nordhessens zu vernichten“, schildert Bock.

Im Museums-Bunker: Bernhard Bock, unter dessen Leitung das Museum aufgebaut wurde, mit einer der Tassen aus dem Service, das eigens für Beschäftigte in Luftmunitionsanstalten angefertigt wurde. 

Das Besondere am Museum „Bunker der Geschichte“ ist auch seine Entstehungsgeschichte. Es geht auf das Interesse der Jugendwehr an der Ortsgeschichte zurück. Für einen Ideenwettbewerb befragten die Jugendlichen 2006 bei einem Dorf-Rundgang die Bewohner. Sie erfuhren, dass das Gebäude am Ortsteingang einst als Wache diente, dass im Haus gegenüber die Kommandantur untergebracht war und dass Muna-Gebäude nach dem Krieg von Gewerbe und Industrie genutzt oder zu Wohnhäuser umgebaut wurden.

„Im August 1947 kamen die ersten 16 Ureinwohner auf die Muna: Der Lederfabrikant Wander mit Familie und Arbeitern. 1950 waren auf der Muna 240 Arbeitsplätze geschaffen worden“, sagt Bock.

Kulturverein gegründet

Die Jugendlichen wollten mehr wissen und fanden bei Bernhard Bock und anderen Interessierten Unterstützung. Die Erwachsenen gründeten den Kulturverein und richteten mit viel Eigenleistung in dem ehemaligen Bunker in der Ortsmitte ein Museum ein. Der Bunker ist einer von ehemals 125, von denen die Amerikaner nach dem Krieg 118 gesprengt haben, sagt Bernhard Bock.

Er hat Zeitzeugen, die in der Luftmunitionsanstalt arbeiteten und von denen heute nur noch wenige leben, befragt, und ist mittlerweile zum Experten für die Geschichte der Muna geworden. Bei 60 bis 70 Führungen pro Jahr mit jährlich 2000 Besuchern geben er und zwei weitere Vereinsmitglieder das Wissen weiter: Nicht nur im Bunker, sondern bei zweihalbstündigen Rundgängen zu Originalstätten im Dorf. „So können die Leute es sich viel besser vorstellen“, sagt Bock. Dieser Rundgang ist zwar kein Museumsstück, aber er ist das eigentlich Besondere am Bunker der Geschichte.

Führungen von März bis Oktober

Service: Führungen mit Besichtigung des Bunkers können von März bis Oktober auf Anfrage gebucht werden. Ansprechpartner ist Bernhard Bock, Tel. 06451/8085, bernhard.bock.1@web.de. Weitere Infos unter www.bunkerdergeschichte.de

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