Gemeinsam aus Geschichte lernen

Neue Stele in Ernsthausen erinnert an Ankunft der Ungarndeutschen 1946

Erinnerung an die Ankunft der Ungarndeutschen vor 75 Jahren: Eine Steinstele mit Informationstafel wurde am Wochenende am Bahn-Haltepunkt Ernsthausen enthüllt. Dabei bekannten sich zu Versöhnung und Partnerschaft (von links) Svetlana Rintek von der Deutschen Minderheitenvertretung Perbál, Bürgermeister Lásló Varga, Partnerschaftsvorsitzender Adam Daume, die hessische Landesbeauftragte für Vertriebene Margarete Ziegler-Raschdorf, Bürgermeister Lothar Koch und Andrea Bors, Leiterin der Grundschule Perbál.
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Erinnerung an die Ankunft der Ungarndeutschen vor 75 Jahren: Eine Steinstele mit Informationstafel wurde am Wochenende am Bahn-Haltepunkt Ernsthausen enthüllt. Dabei bekannten sich zu Versöhnung und Partnerschaft (von links) Svetlana Rintek von der Deutschen Minderheitenvertretung Perbál, Bürgermeister Lásló Varga, Partnerschaftsvorsitzender Adam Daume, die hessische Landesbeauftragte für Vertriebene Margarete Ziegler-Raschdorf, Bürgermeister Lothar Koch und Andrea Bors, Leiterin der Grundschule Perbál.

Im Beisein von Gästen aus dem ungarischen Perbál ist am Bahn-Haltepunkt in Burgwald-Ernsthausen eine Erinnerungs-Stele an die Vertreibung von Ungarndeutschen und ihre Ankunft vor 75 Jahren errichtet worden.

Ernsthausen – „Geschichte ist eine wichtige Disziplin. Wir sollen aus den Fehlern unserer Vorfahren lernen!“, erklärte Bürgermeister Lásló Varga aus Burgwalds ungarischer Partnerstadt Perbál, als er am Wochenende gemeinsam mit seinem Amtskollegen Lothar Koch am Bahn-Haltepunkt Ernsthausen eine Stele mit Erinnerungstafel zur Vertreibung vor 75 Jahren enthüllte.

Unweit von dort hatte an dem vom Krieg zerstörten Bahnhof am 14. April 1946 ein Transportzug mit insgesamt 1200 Ungarndeutschen gehalten, Eisenbahner koppelten die ersten fünf Waggons hier ab.

Alle heimatlos Gewordenen wurden damals in den Orten Bromskirchen, Birkenbringhausen, Berghofen, Ernsthausen, Eifa, Frohnhausen, Laisa, Oberasphe, Roda und Wiesenfeld in Quartiere zwangseingewiesen. An Millionen solcher nach dem Zweiten Weltkrieg vertriebenen Menschen, von den Einheimischen damals „Flüchtlinge“ genannt, erinnerten in ihren Reden die beiden Bürgermeister. Gemeinsam mit Bürgermeister a.D. Adam Daume, Vorsitzender der Partnerschaftsvereinigung, legten sie Kränze zur Erinnerung an die Opfer von Krieg und Vertreibung nieder.

Lothar Koch hob anschließend besonders die gelungene Integration der Perbáler Ungarndeutschen hervor, die „aufgrund ihrer außerordentlichen Schaffenskraft und ihres Fleißes wesentlich zum wirtschaftlichen Aufschwung in der neuen Heimat beigetragen haben“. Er unterstrich die auf der Erinnerungstafel festgeschriebene gemeinsame Hoffnung: „Möge die Freundschaft zwischen den Gemeinden Burgwald und Perbál sich weiter festigen und der Frieden in Europa fortbestehen!“

In der sich anschließenden dreistündigen Gedenkfeier im DGH Ernsthausen wurden sehr beeindruckend immer wieder Schicksale von Ungarndeutschen sichtbar, die mit Trauer und Schmerz vor 75 Jahren ihre Wohnungen verlassen hatten und in die Güterwaggons gestiegen waren. Svetlana Rintek von der Deutschen Minderheitsvertretung in Perbál zitierte einen solchen Abschiedsbericht, und Andrea Bors, Leiterin der dortigen Grundschule Perbál, schilderte die Gefühle des Aufbruchs, indem sie das Heimatgedicht der 2016 verstorbenen Maria Payer verlas. Ihr Mann Lorenz Payer, Ehrenvorsitzender der Partnerschaftsvereinigung, berichtete als Zeitzeuge besonders über die für die Ungarndeutschen lebensgefährlichen Nachkriegsmonate 1945. Schülerinnen der Burgwaldschule, die sich seit Jahren aktiv am Schüleraustausch mit Perbál beteiligt, verlasen von Burgwaldern verfasste Zeitzeugenberichte. Von Karl-Hermann Völker

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