28 Euro für den roten Boskoop

Obstversteigerung in Ernsthausen:  Äpfel für die Meistbietenden

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Ein Apfelbaum ab einem Euro: Zahlreiche Menschen nahmen an der Obstversteigerung in der Ernsthäuser Feldgemarkung teil. Hier bringen Ortsvorsteher Patrick Schneider (hinten mit Schreibunterlage) und Ortsbeiratsmitglieder einen Baum mit prallen, roten Prinz-Albrecht- von- Preußen- Äpfeln an den Mann oder die Frau.  

Ernsthausen. Den teuersten Baum gab’s für 28 Euro: Ein „Roter Boskoop“ erzielte bei der Obstversteigerung in Ernsthausen den Höchstbetrag. Für seine Früchte gab es gleich mehrere Interessenten.

Wer den Zuschlag erhält, bekommt zwar nicht den Baum, denn der gehört nach wie vor der Gemeinde, aber doch das Obst zum Selberpflücken oder Auflesen.

Zu einem Mindestbetrag von einem Euro konnte sich jeder an der Obstversteigerung im Ernsthäuser Feld beteiligen. Und das taten etwa 15 Interessenten. „Dieses Jahr sind so viele Leute dabei wie noch nie“, freute sich Ortsvorsteher Patrick Schneider, der die Aktion mit den Kollegen von Ortsbeirat und Gemeindevertretung vorbereitet hatte. Es wurden 58 von 128 Bäumen versteigert. Der Gesamterlös war fast doppelt so hoch wie im Vorjahr: „Die Summe beträgt 118 Euro und geht in die Gemeindekasse“, sagt Ortsvorsteher Schneider.

Mit dabei war diesmal auch der Hobby-Pomologe, also Apfelexperte, Manfred Rogalla aus Ellershausen, der, ausgestattet mit Apfelpflücker und Refraktometer zum Messen des Oechslegrades, Informationen zu den rund 50 verschiedenen Sorten gab.

Denn Apfel ist nicht gleich Apfel, das war schnell klar. Einige Sorten eignen sich hauptsächlich zum Pressen – der Heimat- und Kulturverein Bottendorf beispielsweise ersteigerte gleich mehrere Bäume für sein Apfelsaftfest am 6. Oktober.

„Ich liebe Äpfel in jeder Form“, sagte Stefanie Bonacker aus Bottendorf, die mit der ganzen Familie an der Begutachtung teilnahm und so manches Exemplar testete. Beim Gedanken an süßsauren Apfelkuchen mit Schlagsahne oder an Apfelmus mit Zimt und Zucker konnte einem aber auch das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Wieder andere Interessenten hatten gar nicht vor, die ersteigerten Bäume abzuernten. „Wir warten, bis die Äpfel von selbst runterfallen. Die kriegen dann die Pferde“, erklärte ein Landwirt.

Experte Rogalla wies darauf hin, dass es in diesem Jahr massenhaft Fallobst gibt. „Der Sommer war zu heiß und zu trocken“, sagte er, „da ist die Verbindung zwischen Stiel und Baum nicht gegeben.“

Im Übrigen sei die beim Kauf junger Bäumchen angegebene Sorte nicht immer richtig. „Rund 30 Prozent entpuppen sich später als anders. Der Käufer ersteht also so etwas wie eine Wundertüte.“

Damit alle ihre Äpfel auch problemlos ernten können, wird in den nächsten Tagen der Platz um die Bäume gemäht, sagt Ortsvorsteher Schneider. Dann kann es losgehen. Rogalla empfahl allerdings, möglichst noch ein bisschen mit der Ernte zu warten. „Es dauert noch, bis die Stärke in Zucker umgewandelt ist.“

Und was passiert mit den nichtversteigerten Bäumen? „Die stehen der Gemeinschaft aus Frankenberg zur Verfügung, die die Bäume freischneidet“, sagt Schneider. „Und es kommen immer noch viele im Nachgang zu mir, die noch Bäume haben wollen. Die werden auch noch verkauft.“

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