Jeden Abend ertönen Bläserklänge

Posaunenchöre in Bottendorf und Ernsthausen machen in Coronazeiten musikalisch Mut

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Bottendorfer Posaunenbläser: Jeden Abend lassen Einzelbläser und Familien Choräle von zuhause aus erschallen. Hier.  Christel und Heinz Möller.

Bottendorf/Ernsthausen – Musiker der Bottendorfer Posaunenchöre spielen jeden Abend einen Choral oder ein Lied. In Ernsthausen steigt Marco Werchner jeden Abend auf den Kirchturm und spielt einige Stücke. Sie wollen Mut machen in Coronazeiten.

19 Uhr. Das ist für Bläser der beiden Posaunenchöre in Bottendorf jeden Abend ein fester Termin. Dann blasen Aktive von Balkonen, Terrassen und Gärten aus einen Choral oder ein Lied, die weit ins Dorf schallen. Und sie erhalten dafür viele positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung, wie Vorsitzender Thomas Mandel insbesondere aus den Whats-App-Gruppen der Mitglieder erfährt.

„Zuhörer stehen abends schon kurz vor 19 Uhr draußen zum Zuhören parat. Nach dem Spiel spenden sie Applaus“, sagt Mandel. Sie bedankten sich und manche seien auch sehr berührt. Vor knapp zwei Wochen hatten der evangelische Posaunenchor und der Jugendposaunenchor Bottendorf sich der Landeskirche initiierten Aktion angeschlossen.

Zunächst spielten sie um 19 Uhr das Lied „Der Mond ist aufgegangen“. Doch das sei auf Dauer zu eintönig gewesen. Nun gibt es jeden Tag ein anderes Lied. Abwechselnd sucht ein anderer Aktiver das Stück für den nächsten Tag aus und teilt den Titel per Whats-App mit.

„Die jüngeren Spieler können gegebenenfalls vorher noch üben. Für die erfahrenen gehören die Stücke zum Standard-Repertoire“, erläutert Mandel

Auch die jugendlichen Bläser seien regelmäßig mit Freude dabei. Das habe er so gar nicht erwartet. Das Ziel, dass das tägliche Spiel in Zeiten des Ausnahmezustands durch Corona eine feste Tagesstruktur geben soll, sei somit erreicht, sagt Mandel.

Noch vor drei Wochen haben seiner Schilderung nach ältere Bläser beklagt, dass mit der Posaunenarbeit zu viele Termine verbunden seien. Nun werde diskutiert, wann man endlich wieder zusammenkommen könne. „Durch das gemeinsame Spiel entsteht Verbundenheit“, sagt Mandel..

Gut angekommen sei zudem die Premiere der auch für die nächsten Sonntage ohne Gottesdienste geplanten Aktion: Zur Gottesdienstzeit, 11 Uhr bis 12 Uhr, spielen einzelnen Bläsern oder Bläserfamilien in festgelegter Reihenfolge vom Balkon oder Garten aus verteilt auf den Ort nacheinander Choräle und Lieder. Um 12 Uhr folgt ein gemeinsamer Choral aus den Häusern aller Beteiligter. Und dann läutet Küster Otto Mrazek die Kirchenglocken.

Auch im Nachbarort Ernsthausen kommt das sonntägliche Blasen des örtlichen Posaunenchores gut an. „Wir wollen den Menschen Zuversicht, Halt und Zusammengehörigkeitsgefühl vermitteln“, sagt Chorleiter Marco Werchner, der zusätzlich jeden Abend um 19 Uhr vom Turm der Kirche mit seiner Trompete spielt.

Manche Nachbarn, zum Beispiel in der Straße Steinrücken, verabreden sich abends zu selben Zeit, um gemeinsam zu singen – natürlich mit der nötigen Distanz. „Wenn ich weiß, welches Lied sie singen wollen, spiele ich es auf der Trompete“, sagt Werchner.

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