Feinschmecker-Köchin Ruth Oertel leitet Ruhestand ein

Restaurant-Verkauf geplant: Aus nach 42 Jahren für die Burgwald-Stuben Ernsthausen

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Burgwald-Stuben: A la carte gibt es nicht mehr im Feinschmecker-Restaurant Oertel in Ernsthausen. Aus Altersgründen zieht sich die erfolgreiche Köchin Ruth Oertel (links), hier mit Tochter Jeanette Klingelhöfer, langsam aus der Küche zurück. Sie will Restaurant und Haus verkaufen.

Ernsthausen. Eine Ära geht ihrem Ende entgegen: Das in Feinschmeckerkreisen weithin bekannte Restaurant Burgwald-Stuben in Ernsthausen stellt nach 42 Jahren seinen Betrieb à la carte ein und öffnet nur noch zu bestimmten Anlässen oder liefert Speisen für Veranstaltungen.

Als Ruth und Wolfgang Oertel 1976 das Lokal eröffneten, war es das erste Restaurant mit gehobener Küche im Landkreis Waldeck-Frankenberg und darüber hinaus. „Selbst in Marburg gab es damals noch keine Gourmet-Restaurants“, sagt Ruth Oertel.

An Paul Bocuse orientiert

Die fast 69-Jährige hat in mehr als vier Jahrzehnten als Köchin die Gaumen ihre Gäste verwöhnt. Schon von Anfang an standen Hummer und Seezunge auf der Karte. In den 1980er-Jahren hielt auch bei ihr die Nouvelle Cuisine, die leichte Küche des Franzosen Paul Bocuse, Einzug. Ihre Mehr-Gang-Menüs kamen bei den Gästen gut an.

Ruth Oertel besuchte Fortbildungen bei Meisterköchen und erhielt jahrelang Anerkennung von namhaften Restaurant-Führern wie Michelin. Von Gault Millau gab es für die Burgwald-Stuben sogar bis zu 15 Punkte (von möglichen 20). Sie bekam auch Angebote, im Fernsehen zu kochen. „Doch das wollte ich nicht“, sagt sie.

2007 lobt Gault Millau zum Beispiel „die Kaninchenterrine mit Riesling/Kräuter-Gelee, die Spaghettini mit dünn geschnittenen und goldgelb gerösteten Steinpilzen in Rahm oder das (geschmorte) toskanische Milchzicklein“, als „perfekt zubereitet und serviert – wie wir es von Ruth Oertel gewöhnt sind“. Serviert wurden die Speisen den Gästen damals von Ehemann Wolfgang Oertel, der 2012 verstarb.

 Die gelernte Köchin aus Hamm und der Restaurantfachmann aus Dortmund hatten 1976 das Gasthaus an der Bundesstraße, das früher auch mal eine Metzgerei war, übernommen. Weil im Haus auch eine Wohnung vorhanden war, ließ sich die Familie in Ernsthausen nieder. Tochter Jeanette war damals drei Jahre alt, Tochter Yvonne war unterwegs.

"Organistationsgenie"

Von Anfang an war die Küche der Bereich von Ruth Oertel. Vieles leistete sie ganz allein – unterstützt lediglich von einem Auszubildenden oder auch zeitweise von einem Koch. Nur bei Großereignissen holte sie sich mehr Helfer. „Meine Mutter ist ein Organisationsgenie“, sagt Tochter Jeanette Klingelhöfer.

Wolfgang Oertel kümmerte sich um alle anderen Bereiche, vom Einkauf bis zum Service. Auch die Töchter und deren Ehemänner halfen und helfen bis heute mit. Doch übernehmen wollen sie den Betrieb nicht.

Ruth Oertel kennt die Vorlieben ihrer Stammgäste und trifft so selbst bei Überraschungsmenüs, deren Gerichte die Kunden nicht kennen, deren Geschmack. In all den Jahrzehnten war sie nie krank. Doch nun macht der Rücken Schwierigkeiten. „Deshalb höre ich nun langsam auf“, sagte sie. Das Haus soll verkauft werden – am liebsten wäre ihr ein Käufer, der auch das Restaurant weiterführt.

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