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Wiesenfeld feierte an neuer Schutzhütte 300 Jahre Hugenottenkolonie

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Von: Karl-Hermann Völker

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Rasten und auf einem Waldsofa ausruhen: Das können Wanderer jetzt oberhalb des „Alten Dorfes“ zwischen Ernsthausen und Wiesenfeld, wenn sie vom Burgwaldpfad zur Schleife des Hugenotten- und Waldenserpfades abbiegen. Ortsvorsteher Torben Majewske (links) und Bürgermeister Lothar Koch weihten mit vielen Wanderern die Schutzhütte ein.
Rasten und auf einem Waldsofa ausruhen: Das können Wanderer jetzt oberhalb des „Alten Dorfes“ zwischen Ernsthausen und Wiesenfeld, wenn sie vom Burgwaldpfad zur Schleife des Hugenotten- und Waldenserpfades abbiegen. Ortsvorsteher Torben Majewske (links) und Bürgermeister Lothar Koch weihten mit vielen Wanderern die Schutzhütte ein. © Karl-Hermann Völker

Weit geht der Blick von der hoch gelegenen Wegkreuzung des Burgwaldpfades über das Tal, wo 1721 zehn französische Hugenottenfamilien zwischen Ernsthausen und dem Johanniterkloster Wiesenfeld ihre Häuser in der kargen, von Wacholder bewachsenen Landschaft aufschlugen.

Wiesenfeld – Von ihrem „Sehnsuchtsblick“ war am Wochenende die Rede, mit dem sie eine Generation lang über die „Palisade“ (Holzzaun) auf die reichen Felder des ehemaligen Klostergutes und den Kirchturm geschaut hatten, bis sie 1755 endlich ins heutige Dorf umziehen durften.

Am Samstag weihte die Gemeinde Burgwald dort eine neue Schutzhütte mit Waldsofa ein, und am Denkmal „Altes Dorf“ feierten Nachfahren, Neubürger und Gäste „300 Jahre Hugenottenkolonie Wiesenfeld“ am Vorabend des 11. Wiesenfelder Kräutermarktes mit vielen hundert Besuchern (Bericht folgt).

Karte von 1721: Gerhard Beaupain, Wiesenfelder Nachfahre einer der ersten Siedlerfamilien, zeigte den von Landgraf Karl genehmigten Dorfplan mit zehn Häusern und Kirche.
Karte von 1721: Gerhard Beaupain, Wiesenfelder Nachfahre einer der ersten Siedlerfamilien, zeigte den von Landgraf Karl genehmigten Dorfplan mit zehn Häusern und Kirche. © Karl-Hermann Völker

An dem Punkt, wo vom Burgwaldpfad die auf ihm verlaufende europäische Kulturroute Hugenotten- und Waldenserpfad zu einer Schleife nach Wiesenfeld abzweigt, ist in den vergangenen Wochen die neue Rasthütte für Wanderer entstanden (HNA berichtete). Drei solcher Hütten hat die Gemeinde Burgwald von der Region Burgwald-Ederbergland fördern lassen, wie Bürgermeister Lothar Koch bei der Einweihung berichtete.

Im vergangenen Jahr wurde bereits eine in Ernsthausen oberhalb des Sportplatzes eingeweiht, beim Grenzgang der Gemeinde Burgwald soll im September eine weitere Schutzhütte an der Ederstede bei Birkenbringhausen eröffnet werden. Etwa 8500 Euro kostet eine solche Wegausstattung.

„Es ist ein wunderschöner Platz! Danke an alle, die an seiner Entstehung mitgeholfen haben“, meine Ortsvorsteher Torben Majewske. Besonderer Dank ging an Ralf Kurzweil, der für den Anstrich des Holzhauses gesorgt hatte. Bei dem wenige Meter von dort 1996 aufgestellten Gedenkstein wurde noch einmal die Situation der ersten Siedler lebendig, die den Wald am Südhang rodeten, um dort Wein und Obst anzubauen (alte Flurbezeichnung: „Vengwärsche“, vin et verger).

Wanderung zur ersten Kolonie: Ein langer Zug bewegte sich vom heutigen Dorf Wiesenfeld zum Tal, wo vor 300 Jahren zehn französische Familien eine neue Heimat fanden.
Wanderung zur ersten Kolonie: Ein langer Zug bewegte sich vom heutigen Dorf Wiesenfeld zum Tal, wo vor 300 Jahren zehn französische Familien eine neue Heimat fanden. © Karl-Hermann Völker

Gerhard Beaupain (83), ältester Namensträger unter den Nachfahren der im „Alten Dorf“ angesiedelten Wiesenfelder Kolonistenfamilien, hat die noch verbliebenen Obstbäume lange ehrenamtlich gepflegt. Er schilderte am Gedenkstein das Schicksal seines Vorfahren Matthieu Beaupain aus dem belgischen Spa, der 1692 in Daubhausen bei Wetzlar Catherine Consolin aus der Gegend von Die/Südfrankreich (Partnerstadt von Frankenau) geheiratet hatte.

Nach Rückkehr der Wanderer lud die Feuerwehr Wiesenfeld am Backhaus alle zu einem gemütlichen Dämmerschoppen ein. Dabei begrüßte ihr Vorsitzender Pascal Clement unter den Gästen auch mehrere Gruppen benachbarter Feuerwehren.

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