Beschwerden über Lärm, Erschütterungen und Unfallgefahr

„Situation ist unerträglich“: B-252-Anlieger in Burgwald-Ernsthausen fordern baldigen Bau der Umgehung

„Umgehung jetzt“: Mit Plakaten wie diesem fordern B-252-Anlieger in Ernsthausen, dass der Bau der Umgehung vorangehen soll. Von links: Alfred Weinert, Heinz Cronau, Werner Geil und Tochter Annette Geil, Herbert und Karin Engel sowie Dirk Greis.
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„Umgehung jetzt“: Mit Plakaten wie diesem fordern B-252-Anlieger in Ernsthausen, dass der Bau der Umgehung vorangehen soll. Von links: Alfred Weinert, Heinz Cronau, Werner Geil und Tochter Annette Geil, Herbert und Karin Engel sowie Dirk Greis.

„Nach Jahren haben wir die Schnauze voll, Umgehung wäre toll!“. Mit solchen und weiteren Plakaten an Hauswänden und Gartenzäunen fordern Anlieger der Bundesstraße 252 in Burgwald-Ernsthausen, dass die Planungen für den Bau einer Umgehungsstraße vorangehen.

Ernsthausen – Man versteht sein eigenes Wort nicht. Anwohner der B-252-Ortsdurchfahrt in Ernsthausen haben die HNA direkt an die Bundesstraße eingeladen. Lkw an Lkw fährt vorbei. Wir müssen sehr laut reden, sonst geht das Gesagte im Verkehrslärm unter. „So erhalten Sie einen Eindruck davon, was hier bei uns los ist“, sagt Werner Geil von der Interessengemeinschaft der B-252-Anlieger.

Was an der Bundesstraße in Ernsthausen los ist, das schildern die Anwohner der HNA..

Erschütterungen

Werner Geil lädt in seine Wohnung im Erdgeschoss ein. Wenn Lastwagen vorbeifahren, klappern die Tassen im Schrank. „Bei meiner Tochter in ersten Stock ist das noch viel intensiver“, schildert er. An der Hauswand zeigt er auf Risse – einige gebe es schon seit einigen Jahren, andere seien in diesem Jahr neu entstanden. Er führt sie auf Erschütterungen durch den Schwerlastverkehr zurück.

Andere Anlieger sehen das auch so. Alfred Weinert berichtet, er habe sein Haus, das nahe der Bahnunterführung steht, seit den 1980er-Jahren schon zweimal neu verputzt, sogar mit einem speziellen Netz-Unterzug gegen Risse. „Doch nun sind wieder neue Risse da.“

Lärmbelastung

Als große Belastung empfinden die Anwohner den Verkehrslärm. „Im Sommer ist es am schlimmsten. Wenn man die Fenster zum Lüften aufmacht, ist die Situation unerträglich“, sagt Irmgard Cronau. Herbert und Karin Engel können sich auf ihrem Hof nicht unterhalten. „Wir haben hier eine Trichterbildung“, sagen sie. Lärmbelastungen bis zu 110 Dezibel können bei vorbeifahrenden Lkw entstehen“, sagt Werner Geil und verweist auf einen entsprechenden Beitrag in der HR-Fernsehsendung „Alles Wissen“, in der die Reporter Lkw-Lärm an der B 254 in Wabern-Unshausen gemessen habe. Ein Arzt sagt in dem Beitrag, dass schon eine Lärmbelastung ab 40 Dezibel krank machen könne.

Unfallgefahr

Ein weiteres Problem sehen die Anwohner in der Unfallgefahr. Denn Autos und Lkw würden oft mit überhöhter Geschwindigkeit durch den Ort fahren. „Ich habe schon zweimal beobachtet, dass Mütter mit kleinen Kindern an der Fußgängerampel bei Grün die Straße überquerten und Lkw nur noch knapp vor ihnen bremsen konnten“, sagte Annette Geil.

Zu gefährlichen Situationen komme es immer wieder, wenn bei Beerdigungen viele Menschen die Bundesstraße überquerten, ergänzt Karin Engel. „Mir wurde schon zweimal die Hofeinfahrt kaputt gefahren“, macht Dirk Greis auf die Unfallgefahr aufmerksam.

Die Interessengemeinschaft weist darauf hin, dass ein Großteil der Ernsthäuser westlich der B 252 wohne, die meisten Geschäfte, die Kita, die Großsporthalle, die Arztpraxis und die Tankstelle sich aber auf der anderen Straßenseite befänden. An der B 252 direkt wohnten etwa 150 Einwohner.

Machen ihrem Unmut Luft: Wilfried und Diana Engel haben dieses Plakat an ihrem Balkon an der B 252 aufgehängt.

Verkehrsaufkommen

Seit im August die Bundesstraße 236 in Richtung Battenberg wegen Bauarbeiten gesperrt wurde, habe sich die Situation noch verschärft. „Das ist nur ein Vorgeschmack darauf, was uns erwartet, wenn die Umgehungsstraße Münchhausen, Wetter, Lahntal fertig ist“, sagen die Anlieger.

Wie berichtet, bezweifeln sie die vorliegenden Zahlen zu Verkehrszählungen. Sie begrüßen deshalb, dass ihre Forderung, die auch der Ortsbeirat Ernsthausen unterstützt (HNA berichtete), gehört wurde und nun neue Messungen erfolgen. Hessen-Mobil habe am Montag entsprechende Geräte aufgestellt. Auch die Gemeinde Burgwald kündigte eigene Zählungen an.

Risse: Der Ernsthäuser Werner Geil hat Risse an Haus und Treppenaufgang festgestellt.

Tempo 30 soll zunächst Abhilfe schaffen

Abgase, Lärm, Unfallgefahr. Die B-252-Anlieger sind es leid. Deshalb machen sie nun Druck, damit der Bau der Umgehung vorangeht. Sie haben an Gartenzäunen und Häusern Plakate aufgehängt. Rund 70 Anlieger haben bereits die Forderungen der Interessengemeinschaft unterschrieben, deren oberstes Ziel es ist, die Ortsumfahrung für Ernsthausen und Bottendorf schnellstmöglich zu realisieren. „Das Geld dafür ist da“, sagen die Anwohner mit Blick auf die Bundesverkehrswegeplanung.

Wie berichtet, wird die Umgehung in Ernsthausen schon seit Jahrzehnten gefordert. „Als wir unser Haus 1964 bauten, hieß es, in drei Jahren sei die Umgehung da“, schildert Werner Geil. Damals ging man von einer Ostumgehung aus, die später aus Naturschutzgründen abgelehnt wurde. Für die Umgehung im Westen wurden über Jahre mögliche Trassen diskutiert. Im Juni 2008 entschieden sich die Burgwalder Gemeindevertreter mehrheitlich für die Trasse 7 modifiziert, die westlich an Ernsthausen vorbeiführt, auf die Kreisstraße 118 an Wiesenfeld und Burgwald vorbeigeleitet wird und vor Frankenberg auf die B 253 trifft. Damit wäre auch Bottendorf entlastet.

„Wir warten seitdem auf den Beginn des Planfeststellungsverfahrens“, sagen die Anlieger. Sie weisen darauf hin, dass Hessen-Mobil im November 2019 die entsprechenden Unterlagen für das Frühjahr 2020 angekündigt habe. Doch nichts sei geschehen. „Unbeantwortet geblieben ist bis heute auch unsere Frage, wie Hessen-Mobil das Planungsproblem im Bereich Bahnstrecke lösen will“, sagt Geil. Wie berichtet, lehnt die Burgwalder Gemeindevertretung sowohl ein hohes Brückenbauwerk ab, noch will sie den durch die Umgehung gefährdeten Tiefbrunnen Ernsthausen aufgeben.

Um sofortige Entlastung zu erhalten, fordern die Anlieger für die Ortsdurchfahrt Ernsthausen „Tempo 30 Tag und Nacht“ und haben dafür die Unterstützung des Ortsbeirates. Das würde die Erschütterungen und Abgase vermindern und für mehr Sicherheit sorgen, meinen sie. Das Tempolimit müsse aber ständig überprüft werden. Laut Messungen würden derzeit 40 Prozent der Fahrzeuge schneller als die erlaubten 50 Stundenkilometer fahren.

Die Anlieger fordern auch, dass die Gemeinde Burgwald sich schon jetzt für die Fortführung des Lkw-Nachtfahrverbots einsetzen soll. Sie befürchten, dass es aufgehoben werde, wenn die B-252-Umgehung zwischen Münchhausen und Marburg fertiggestellt ist und die Verkehrsbelastung in Ernsthausen nochmals zunehmen werde.

Von Martina Biedenbach

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