Interview mit Mutter Carina Binder 

„Total anders“: So feiert eine Familie Ostern in Corona-Zeiten

Familie Binder, Birkenbringhausen, von links: Leonie, Carina, Nico und Lilllie
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Der Osterhase kann kommen: Familie Binder hat in ihrem Garten in Birkenbringhausen schon die Nester gebaut. Im Bild von links: Leonie, Carina, Nico und Lillie.

Ostern ist für viele Menschen ein Fest der Familie. Doch wegen der Einschränkungen und Verbote in der Corona-Krise müssen Besuche bei Großeltern oder Paten in diesem Jahr an Ostern ausfallen.

Wie Familien damit umgehen, zeigen wir am Beispiel von Familie Binder aus Birkenbringhausen. Wir haben Carina Binder (35) gefragt, wie sie, ihr Mann Nico (43) und die Töchter Leonie (12) und Lillie (8) mit der besonderen Situation umgehen.

Wie feiern Sie Ostern dieses Jahr und mit wem?

Carina Binder: Wir feiern zu viert zuhause. Eigentlich wären wir in der großen Familie zusammengekommen, also mit Großeltern, Urgroßeltern, meinem Bruder und seiner Freundin. Das fällt jetzt leider aus.

Wie sehr haben Sie die familiären Kontakte wegen Corona eingeschränkt?

Carina Binder: Tatsächlich sehr. Mit meinen Eltern und meinem Bruder sprechen wir nur noch auf Entfernung oder am Telefon, obwohl sie in derselben Straße wohnen wie wir. Es gibt aber keine Treffen und keinen weiteren Kontakt. Meine Töchter sehen ihre Freundinnen nur noch im Videochat.

Wie sehr fehlen Ihnen die sozialen Kontakte?

Carina Binder: Die fehlen uns total. Ich arbeite bei Superus in Birkenbringhausen und bin jetzt in der vierten Woche im Homeoffice. Ich bin also gefühlt den ganzen Tag zuhause und hatte auch schon echt einen Durchhänger deswegen. Vor ein paar Tagen bin ich zur Abwechslung einkaufen gefahren, das ist im Moment aber auch sehr befremdlich.

Wie kommen Ihre Töchter mit dem neuen Alltag klar?

Carina Binder: Sie sind schon vor Wochen von der Schule gut vorbereitet worden, dass sich wegen Corona einiges ändert. In den vergangenen drei Wochen hatten sie ja Schulaufgaben, die sie gut abgearbeitet haben. Jetzt sind sie froh, dass echte Ferien sind. Zum Glück lassen sich jetzt viele etwas einfallen, vor allem die Vereine. Es gab hier schon tolle Aktionen vom Musikzug, von der Kinderfeuerwehr und vom Kindergottesdienst. Das Kigo-Team hatte am Palmsonntag Post an die Kinder im Dorf verteilt mit der Geschichte, wie Jesus in Jerusalem einzieht. Die Kinder sollten sich um 10.30 Uhr mit Trillerpfeifen vor die Haustür stellen und gemeinsam pfeifen, um ihre Verbundenheit zu zeigen, und wenn sie angesprochen werden, diese Geschichte von Jesus erzählen. Diese Tage mit Corona sind total anders, sie haben aber auch irgendwie schöne Seiten.

Wären Sie an Ostern in die Kirche gegangen?

Carina Binder: Der Kindergottesdienst in Birkenbringhausen macht immer ein Osterfrühstück, da wären wir bestimmt hingegangen. Vor zwei Wochen haben wir mit Leonie und Lillie einen Kindergottesdienst aus Baden-Württemberg auf Youtube geguckt. Und wir haben uns die Predigt von Pfarrer Schullerus aus Bottendorf im Internet angesehen.

Bekommen Ihre Kinder trotz Corona etwas vom Osterhasen?

Carina Binder: Ja, das ist Tradition. Sie haben sich ein Nest aus Holzspänchen im Garten gebaut. Da wird am Ostersonntagmorgen etwas drin liegen.

War es schwer, Geschenke zu kaufen? Die meisten Geschäfte sind ja zu.

Carina Binder: Eigentlich gar nicht. Wir haben rechtzeitig bei Scharf in Frankenberg per Telefon bestellt und online bezahlt, das ging super. Bei uns kam noch Leonies Geburtstag am Donnerstag dazu. Auch dafür haben wir noch Geschenke bekommen.

Wie haben Sie Leonies Geburtstag denn gefeiert?

Carina Binder: Es gab natürlich keine Feier bei uns zuhause. Stattdessen haben wir an Leonies Freundinnen Einladungen und kleine Törtchen verteilt. Sie haben sich dann im Videochat zum Online-Kaffeeklatsch getroffen, konnten quatschen und Scharade spielen; dafür hatte ich jedem Kind schon einen Begriff gegeben, den die anderen raten mussten. Es ist wichtig, dass die Kinder Abwechslung haben, weil wir ja keinen Besuch bekommen. Die große Geburtstagsparty gibt es, wenn Corona vorbei ist.

Ihre Töchter sind 12 und 8. Wie gehen die beiden damit um, dass Geburtstage und Ostern derzeit nicht so gefeiert werden können, wie üblich?

Carina Binder: Die nehmen das echt taff und verstehen auch, worum es derzeit geht. Diese Woche haben wir gebacken und Osterdeko gebastelt. Es hat sich alles verändert, aber die beiden machen das gut mit.

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