Belastung durch Lärm und Erschütterungen

B-252-Anwohner in Bottendorf fordern Sanierung der Ortsdurchfahrt und Tempo 30

Prostest: Anlieger der B 252 in Bottendorf fordern Hessen-Mobil auf, die „marode Ortsdurchfahrt“ zu sanieren. Hier einige Anwohner mit Sprecher Marko Böhl (2. von links) und Burgwalds Bürgermeister Lothar Koch (links).
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Prostest: Anlieger der B 252 in Bottendorf fordern Hessen-Mobil auf, die „marode Ortsdurchfahrt“ zu sanieren. Hier einige Anwohner mit Sprecher Marko Böhl (2. von links) und Burgwalds Bürgermeister Lothar Koch (links).

Anwohner der Bundesstraße 252 in Bottendorf fordern eine umgehende Sanierung der Ortsdurchfahrt und Tempo 30. Die Straße weise Senkungen und Dellen auf. Das führe zu erheblich mehr Lärmbelastung und enormen Erschütterungen.

Bottendorf – Bei Anwohnern an der Bundesstraße 252 in Bottendorf liegen die Nerven blank: Setzungen und Dellen in der Ortsdurchfahrt werden ihren Angaben nach immer mehr zur Belastung. „Ich wohne seit 45 Jahren an der B  252, aber so schlimm war es noch nie“, sagt Sprecher Marko Böhl.

Die Anwohner machen dafür vor allem den schlechten Zustand der Straße verantwortlich. Die war zwar 2009 in der kompletten Ortsdurchfahrt saniert worden, auch neue Kanal- und Wasserleitungen waren verlegt worden; bei den Arbeiten sei aber der weiche Untergrund des Straßenkörpers nicht ausreichend berücksichtigt worden, sagt Böhl.

„Es gab schon kurz nach der Sanierung die ersten Schäden“, pflichtet ihm Anwohner Volker Scholl bei. Es sei stellenweise nachgebessert worden, nun sei die Straße ein einziger Flickenteppich, ergänzt Anwohner Dirk Wagner. Der Lärm und die Erschütterungen, insbesondere wenn Lastwagen durch den Ort „donnern“, seien unerträglich. „Wir hatten schon Besucher, die dachten, es gebe ein Erdbeben, als ein Lkw vorbeifuhr“, sagt Wagner. Die Fahrzeuge bringen die Häuser zum Vibrieren. „Die Folge sind nicht nur Risse und andere Schäden an den Gebäuden, sondern auch an den Seelen der Menschen“, sagt Marko Böhl. Er verweist auf Warnungen der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft für Immissionsschutz: Die Menschen nehmen danach die Erschütterungen auch im Schlaf wahr und ordneten sie unbewusst als Gefahr ein. Das sorge für Dauerstress.

Hinzu komme der Verkehrslärm. Der kann laut Bundesumwelt-Ministerium Konzentrationsstörungen und Schlafstörungen verursachen und gesundheitsschädigend sein. Laut Ministerium verringern verkehrsberuhigte Zonen und Tempolimits, aber auch verbesserte Fahrbahnen den Lärm.

Und genau da setzen die Forderungen der Anlieger an:

.  Hessen-Mobil soll so schnell wie möglich, die 1,8 Kilometer lange Ortsdurchfahrt sanieren.

.  Für schnelle Abhilfe soll Tempo 30 als Höchstgeschwindigkeit rund um die Uhr ausgewiesen werden. Dies hatte, wie berichtet, der Ortsbeirat kürzlich abgelehnt.

.  Der Bau der B-252-Umgehungsstraße in der Gemeinde Burgwald soll vorangetrieben werden.

Neben der Belastung durch Lärm und Erschütterungen geht es den Anwohner auch um mehr Sicherheit. „Mein Kind wäre neulich an der Fußgängerampel an der Grundschule fast überfahren worden“, sagt Mirko Novovic. Viele Lkw donnerten mit mehr als 50 Stundenkilometer durch den Ort. „Die bremsen an den Blitzern ab und dann drehen sie wieder auf“, sagt er. Die Fahrer verständigten sich untereinander, wenn die Blitzer mal nicht aktiv sind. Der Verkehr habe außerdem von Jahr zu Jahr zugenommen und ganz extrem seit August. Seitdem ist die B 236 bei Berghofen wegen Bauarbeiten gesperrt.

Unterstützung bekommen die Anlieger von Burgwalds Bürgermeister Lothar Koch. „Wir haben schon etliche Schreiben und Anfragen an Hessen-Mobil weitergeleitet“, sagt er. Die Gemeinde werde durch neue Kanaldeckel zur Lärmverringerung beitrage. Bei zwei neuen Deckeln sei das bereits geschehen und solle fortgesetzt werden.

Das sagt Hessen-Mobil

Zu den Forderungen der Bottendorfer B-252-Anlieger nimmt Dr. Hellwig Kamm von Hessen-Mobil in Bad Arolsen im HNA-Kurzinterview Stellung.

Dr. Hellwig Kamm, Pressesprecher Hessen-Mobil Bad Arolsen

Was sagt Hessen-Mobil zu den Beschwerden?

Hessen-Mobil nimmt die Beschwerden der Anlieger und des Bürgermeisters sehr ernst. Da die Straße im Jahr 2009 saniert wurde, war es zunächst Aufgabe der Straßenmeisterei Frankenberg, die danach aufgetreten Schadstellen zu beseitigen. Offensichtlich ist aber der Untergrund in einigen Bereichen nicht tragfähig genug und die Verkehrsbelastung sehr hoch, so dass die Unterhaltungsmaßnahmen nicht immer von langer Dauer waren. Insbesondere im Bereich der Kanalisation sind Setzungen aufgetreten. Bei mehreren Ortsterminen wurde die Situation untersucht und Lösungen zur Sanierung wurden abgestimmt.

Soll die Straße saniert werden? Wenn ja, wann?

Vorbehaltlich der endgültigen Mittelfreigabe wird Hessen-Mobil die Sanierung der Ortsdurchfahrt Bottendorf kurzfristig in das Bauprogramm aufnehmen. Nach der notwendigen Vorarbeit kann die Baumaßnahme frühestens 2022 realisiert werden.

Kommt Hessen-Mobil für Schäden an den Häusern auf?

Pauschal ist diese Frage nicht zu beantworten. Hier muss im Einzelfall geprüft und in der Regel durch Gutachten belegt werden, ob und inwieweit Schadensansprüche bestehen. Von Martina Biedenbach

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