Trinkwasser: RP reduziert Fördermenge in Wohratal

Franzosenwiesen: Feucht- und Moorgebiete, wie hier der Bereich bei den Franzosenwiesen, sind für den Burgwald typisch. Wie sich die Trinkwasserentnahme auf die Feuchtgebiete auswirkt, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Foto: nh

Burgwald. Das Regierungspräsidium Gießen hat die Entnahmemenge von Trinkwasser bei Wohratal reduziert.

Das bringt das Thema Wasserexport ins Rhein-Main-Gebiet wieder aufs Tapet. Für die Aktionsgemeinschaft „Rettet den Burgwald“ ist es ein Etappensieg. Der Zweckverband Mittelhessischer Wasserwerke (ZMW) darf statt bisher elf Millionen Kubikmeter vorerst nur noch 7,8 Millionen Kubikmeter Wasser jährlich im Wasserwerk Wohratal fördern. Das sei zum Schutz der Wohraauen nötig, sagt Sprecherin Dr. Anne Archinal und weist auch auf das Ziel hin, die Lieferung von Wasser in Richtung Rhein-Main-Gebiet zu verhindern.

Der ZMW sieht hingegen eine ökonomische Notwendigkeit, Wasser in andere Regionen zu liefern. Das hat laut Geschäftsführer Wolfgang Kummer vor allem demografische Gründe: In Mittelhessen nimmt die Bevölkerung ab, in den Metropolregionen jedoch zu. Die Wasserversorgung folge quasi der abwandernden Bevölkerung nach, sagt Kummer.

Hintergrund der aktuellen Diskussion um das heikle Thema Wasserlieferung vom Burgwald ins Rhein-Main-Gebiet ist die Tatsache, dass das Wasserrecht für das Wasserwerk Wohratal im Dezember 2014 turnusmäßig auslief. Wie das Regierungspräsidium Gießen (RP) mitteilt, hatte der ZMW deshalb die weitere Wasser-Förderung beantragt, aber von sich aus schon die zulässige Höchstmenge von elf auf 9,8 Millionen Kubikmeter pro Jahr reduziert. Diese Menge solle im Wesentlichen zur Trink- und Brauchwasserversorgung des Verbandsgebietes (Mittelhessen) dienen, schließe aber die Lieferung einer Teilmenge von zwei Millionen Kubikmetern jährlich an das benachbarte Versorgungsunternehmen Oberhessische Versorgungsbetriebe AG (OVAG) ein.

Laut RP sei zunächst nur eine Höchstfördermenge von 7,8 Millionen Kubikmetern genehmigt worden. Für eine endgültige Entscheidung über den RMV-Antrag von 9,8 Millionen Kubikmeter jährlich seien noch Angaben des Antragstellers nachzureichen. Insbesondere solle das hydrogeologische und landschaftsökologische Monitoringkonzept in Abstimmung mit dem RP konkretisiert werden, „um landschaftsökologische Auswirkungen des Vorhabens zu minimieren beziehungsweise möglichst ganz auszuschließen“, teilt PR-Sprecherin Gabriele Fischer mit. Zwischenzeitlich lägen zustimmende Stellungnahmen der Behörden vor, ergänzt sie.

Von Martina Biedenbach 

Warum für die Umweltschützer die Kürzung der Wassermengen längst überfällig war und warum der Wasserversorger andererseits den Trinkwasser-Export für wichtig und ökologisch unbedenklich hält, das lesen Sie in der gedruckten Freitagausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine

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