Frauenfußball

Jennifer Cramers Italien-Kapitel ist wieder zu Ende: „Vieles war nicht stimmig“

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Hat ihr Italien-Kapitel beendet: Jennifer Cramer.

Nach vier Monaten bei Pink Bari in Italien ist Fußballerin Jennifer Cramer aus Birkenbringhausen wieder zuhause. Ihre Bilanz fällt nicht positiv aus.

Birkenbringhausen - So schnell, wie Fußballerin Jennifer Cramer im Februar dieses Jahres ihre Koffer für die Auslandsstation bei Pink Bari in der Provinz Apulien an der Adria gepackt hatte, genauso schnell war auch wieder alles für den Rückflug zusammen gepackt. Denn seit dem 25. Mai ist die gebürtige Birkenbringhäuserin wieder in der Heimat.

„Die vier Monate in Italien sind echt schwer in Worte zu fassen. Das war eine extreme Erfahrung für mich, leider im negativen Sinne. Ich bin einfach nur froh, wieder zuhause zu sein“, sagt die 28-Jährige. „Es ist immer ein schmaler Grat zwischen ehrlich sein und nach Ausreden suchen, deswegen will ich auch nicht viele Worte über die Zeit dort verlieren. Nur so viel: Für mich stand recht schnell fest, dass ich nach der Saison sofort wieder nach Hause komme. Und der Verein ist nicht umsonst abgestiegen. Vieles war eben nicht stimmig.“

Dabei war Jennifer Cramer extra verpflichtet worden, um mit Pink Bari, das auf einem dörflichen Kunstrasenplatz im südwestlichen Vorort Bitetto seine Punktspiele austrägt, die Klasse zu halten, also in der Serie A, der höchsten Spielklasse im italienischen Frauenfußball, zu bleiben. Doch von zehn möglichen Einsätzen im Team von Cristina Mitola stand die 28-Jährige gerade einmal bei vier Partien auf dem Platz.

Einerseits zwar auch einer muskulären Verletzung geschuldet, die sie sich am 27. Februar im Spiel gegen Mailand zugezogen hatte. „Echt nervig, da ich eigentlich nie muskuläre Probleme hatte, aber ich denke, dass es am harten Kunstrasen lag.“ Andererseits war sie ab April wieder fit, musste aber trotzdem auf der Bank Platz nehmen. „Dem Verein war die Leistung der Spielerinnen ganz egal, das war kein Kriterium für die Aufstellung.“

Zusätzliche Einheiten, um nach der Verletzung schneller wieder fit zu werden, durfte Jennifer Cramer nicht absolvieren. „Extra Training war nicht erlaubt. Und das fällt überhaupt nicht in meine Vorstellung von professionellem Sport, weil man, wenn man verletzt ist, ja eben mehr Einheiten machen muss.“

Zwei positive Dinge fallen der Birkenbringhäuserin aber trotzdem sofort ein, wenn sie an die vergangenen vier Monate denkt. „Das Wetter war natürlich sehr angenehm. Sommerliche Temperaturen in den Wintermonaten haben durchaus was für sich.“

Und Nummer zwei? „Nicht nur ich habe die schlechten Erfahrungen gemacht, vor Ort waren wir insgesamt zehn internationale Spielerinnen. Und uns erging es allen gleich, so eine Extremerfahrung schweißt zusammen. Wir haben also das Beste aus der Zeit gemacht und gemeinsam dem Saisonende entgegengefiebert. Einen Abschied von offizieller Seite gab es übrigens auch nicht, aber dass fast der komplette Kader den Verein verlässt, ist schon sehr beschreibend.“

Auch die Auslandserfahrung an sich möchte sie nicht missen: „Ich habe gut vier Monate nur Englisch gesprochen, ein wenig Italienisch gelernt und musste mit vielen unterschiedlichen Mentalitäten auskommen. Auch einen erneuten Einsatz im Ausland würde ich nicht ausschließen.“

Zum Stellenwert des Fußballs in Italien kann Jennifer Cramer kaum etwas sagen: „Die Plätze dort waren meist Kunstrasenplätze, die Stadien ein bisschen älter und kleiner, alles nicht so modern. Aber mehr kann ich auch nicht sagen, dafür habe ich zu wenig mitbekommen.“

Wie es jetzt für Jennifer Cramer weitergehen wird, steht noch nicht fest. „Ich werde in den nächsten Tagen mit meinem Berater sprechen und bald wieder nach Potsdam fahren. Von der Polizei aus bin ich auch nur noch bis Ende des Jahres freigestellt, dann muss ich wieder einsteigen, damit ich auch verbeamtet werde.“ Die 28-Jährige hat im Sommer 2019 ihr fünfjähriges Studium zur Polizeikommissarin abgeschlossen und sich kurz danach für zwei Jahre vom Polizeidienst freistellen lassen und lebt seitdem von Rücklagen. Denn 2018 wurde sie vereinslos und wurde dadurch in der Sportfördergruppe nicht mehr berücksichtigt.

Bis dahin lief sie für Turbine Potsdam auf, war Stammspielerin der deutschen Nationalmannschaft, mit der sie 2013 Europameisterin wurde – doch seit 2015 folgte Verletzung auf Verletzung, die schließlich auch zum Vertragsende führten.

Ob sie sich eine Rückkehr zu Turbine in der Reservemannschaft vorstellen könne? „Das ist zumindest nicht völlig ausgeschlossen. Auch in den Monaten vor Bari habe ich dort mittrainiert, um wieder fit zu werden. Das Team war auch traurig, als ich dann gegangen bin. Aber mal sehen, wie sich alles entwickeln wird, jetzt möchte ich erst einmal etwas Abstand gewinnen, bevor ich dann wieder Gas gebe“, sagt Jennifer Cramer – eine hartnäckige Kämpferin, die nicht so einfach aufgibt. (Friederike Weiler)

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